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Titel: Westfälischer Volksbrauch am Palmsonntage
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 220
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das Palmstocksuchen im Westfälischen.
Nach einer Originalzeichnung von Fritz Bergen.

Westfälischer Volksbrauch am Palmsonntage. (Mit Abbildung.) In jener äußersten Ecke des westfälischen Münsterlandes, deren Mittelpunkt die industriereiche Stadt Bocholt (Buchholz) ist, hat sich noch eine uralte Sitte in die Gegenwart herübergerettet, welche an die vorchristliche Zeit erinnert: das Palmstocksuchen. Der „Palmstock“ ist die von der Rinde befreite weiß geschälte Krone eines jungen Kieferbaumes. Die Enden der einzelnen Zweige werden mit „Palmvögelchen“, d. h. kleinen, aus Kuchenteig geformten, Vogelgestalten, verziert, während die Spitze von einer großen Brezel, dem „Krekeling“, oder von einem Apfel, einer Orange gekrönt wird. Ketten von gebackenem Obst oder Zuckerzeug vervollständigen die Aufstauung des Palmstockes.

Am Palmsonntagmorgen gilt es nun für die Kinder, den in irgend einem Winkel des Hauses versteckten Palmstock zu suchen. Ist er gefunden, so wird er im Triumphe hinausgetragen auf die Straßen. „Palmsonntag!“ rufen die Kleinen, mit ihrem Schatz prunkend und frohlockend, aus, nicht ohne den Neid anderer mit weniger schönen Palmstöcken versehenen Spielkameraden zu erwecken. Zu Haus wird dann der Schmuck des Palmstockes fröhlich verschmaust.

Man hat es hier offenbar mit einem Stück altgermanischer Frühlingsfeier zu thun. Die Vögel als symbolische Bringer des Lenzes lassen darüber fast keinen Zweifel.
R. B.