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Textdaten
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Autor: Paul Gerhard Heims
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Titel: Weihnachten an Bord
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aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 840
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[840]
Die Gartenlaube (1897) b 840.jpg

Weihnachten an Bord.
Nach einer Originalzeichnung von Willy Stöwer.

Weihnachten an Bord. (Mit Abbildung.) „Weihnachtszeit, goldene Zeit!“ Wer das ganze Jahr kein Heimweh bekommen hat in der Fremde, am Weihnachtsabend darf er es haben. Weihnachten ist ein Heimatfest wie kein anderes. Da kommen all die friedlichen und freundlichen Gedanken wieder, die lange Zeit geschwiegen haben mögen: wie's im Elternhaus so traulich und heimlich war um die Zeit der Wintersonnenwende, wenn die Mutter hierhin zog und dorthin mit ihren verborgenen Herrlichkeiten wenn der Kuchenduft durchs Haus wehte und kräftiger Tannenduft aus der besten Stube drang; bis dann am Heiligabend im hellen Lichterglanz jedes Geheimnis offenbar wurde. Ja, der Weihnachtsbaum! Wie alt oder wie neu seine Sitte sein mag: urdeutsch ist sie und urdeutsch bleibt sie. „Ohne Tannenbaum kein Weihnachten“. Aus den Fenstern des Arbeiters bricht der helle Glanz und im Prunksaal des Reichen flimmern die Kerzen aus grünem duftigen Gezweig und unter ihnen klingt es innig und fromm und fröhlich. „Vom Himmel hoch, da komm ich her!“- Auch der deutsche Seemann, der treu, aufopfernd und anspruchslos auf weitem Meer sein schweres Tagewerk thut, auch er will der Weihnachtsfreude nicht ganz entbehren. Wenn es irgend möglich, sucht jedes Schiff seinen „Weihnachtshafen“ auf, um in Ruhe und Frieden feiern zu können. Und schöne, oft unvergeßliche Tage sind es für jeden, der sie mitfeiern durfte, die Weihnachtstage an Bord, und aus gutem Herzen geschieht, was geschehen kann, um allen die Heimat zu ersetzen. Vom Kommandanten und Admiral bis zum jüngsten Schiffsjungen. Vor allem darf er nicht fehlen, der Weihnachtsbaum! Ob ihn, wie einst auf der „Hansa“, dem Schiff der deutschen Polarforscher in Nacht und Eis auf treibender Scholle, ein Besenstiel ersetzt, in dessen Löcher dürftige Reiser gesteckt sind, ob ein mit Mühe aufgetriebenes Kiefernbäumchen mit struppigen Aesten auf dem Laplata oder ob gar nur ein junger Mangobaum in den Tropen an seine Stelle tritt: sie alle tragen bescheiden und stolz zugleich ihren leuchtenden Lichterschmuck und um sie geschart stehen in der Batterie und im Zwischendeck die Mannschaften und freuen sich kindlich der Kleinigkeiten, welche die treue Fürsorge der Offiziere, kameradschaftlicher Sinn und Liebe aus der Heimat ihnen beschert, und in der Offiziersmesse ist’s an dem Abend wie in einem traulichen Familienzimmer: auch hier hat kameradschaftliche Treue den Baum geschmückt und den Tisch bereitet. Das haben die deutschen Schiffe für sich allein; und allein vor allen Nationen auch den schönen, sinnigen Schmuck des Weihnachtsbäumchens in den Toppen, wenn er nur irgendwie aufzutreiben ist. Zweimal im Jahr werden sie geschmückt mit seltener Zier: einmal am Pfingstmorgen mit duftigen Maien und am Weihnachtsabend mit grünem Tannenreis. Und wenn sie doch von oben herwinken über See und Land und unter ihnen gar der mächtige Heimatswimpel weit flatternd ausweht zum Zeichen, daß das Schiff heimwärts zieht, dann mag ein fröhlicher Zuruf von Deck der Lohn des Toppsgasten sein, der mit kundiger Hand ihn in der luftigen Höhe festgezurrt. Am ersten Weihnachtsmorgen aber wird die Schiffsgemeinde zusammentreten, um den kleinen Altar an Deck, und es wird hinklingen über die Wasser: „Vom Himmel hoch, da komm ich her.“ ein Kinderlied auf die Weihnachten, gesungen von Männern und wie der Heimatwimpel ausweht und die Flagge rauscht, heißt's am Abend wie am Morgen: „Allhie gut Deutschland allerwege!“ Euch allen, draußen feiern auf „blauem Wasser“, der Heimat fern: „Fröhliche Weihnacht!“
P. G. Heims