Wahre eigentliche Abbildung der wunderbahren und denckwürdigen Begebenheit von Mäusen

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Titel: Wahre eigentliche Abbildung der wunderbahren und denckwürdigen Begebenheit von Mäusen / so sich den 1. Septembr. dieses 1675. Jahrs bey Brochdorp unweit Hanover zugetragen.
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Wahre eigentliche Abbildung der wunderbahren und denckwürdigen Begebenheit von Mäusen / so sich den 1. Septembr. dieses 1675. Jahrs bey Brochdorp unweit Hanover zugetragen.


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SO mancherley der Straffen GOttes / so wunderbarlich sind sie auch / und müssen auf seinen Befehl nicht nur Feuer und Wasser / Hagel und Donner / sondern gar auch die unvernünfftige Thiere auch so gar das Ungeziefer uns zur Straff und Warnung sich darstellen.

Wunderwürdig ist es / und eben so nachdencklich / was man durch gewisse Nachricht von Hanover erhalten / daß unweit selbiger Stadt bey einem Dorff Brochdorp genant einem zu Pferd über Feld reisenden Mann / eine unglaubliche Menge der Mäuse begegnet / so sich auf dem Feld in Schlacht-Ordnung gleich einem Kriegs-Regiment gestellet / welches ein grosser Ratz / als Feld-Obrister / gleichsam anführete und fornenangienge.

Dann auch ferners in der Mitte als Fendrich / und zuletzt wider dergleichen folgte: Welches eben so verwunderlich und nachdencklich als abscheulich anzusehen ware.

Es solte einer hier bey nahe auf die Gedancken gerathen und mit diesem Ungeziefer (jedoch dem Göttlichen Rathschluß unvergreifflich) die unbedachtsamen Menschen in die Thier-Schule gehen / und von denselben die löbliche Ordnung / den schuldigen Gehorsam gegen die Obern / und die guldene Einigkeit unter sich selbst lernen heissen. Zu welcher Erinnerung nicht unbillich der fernere Erfolg mit denen Mäusen Anlaß giebet.

Dann als aus vorwitziger und ohnnötiger Gelüstung der vorbeyreitende Reißling sich unterstunde vom Pferde zu steigen und die letzte grosse Mauß mit einem Stock zu todt geschlagen / sind also die andere Mäuß zugleich in voller Menge ihren Eifer zubezeugen auf den Mann loß gangen / und so mit allerseitiger Umgebung und Gezisch in ihn gesetzet / daß es ihme gewiß das Leben gekostet / wann er nicht in höchster Eile zu Pferd gestiegen und durch gerennet wäre.

In deme er von Ferne die wütende und hierdurch zur Rach bewegte Mäuse sich in die drey Felder weit ausbreiten und selbe gleich als darvon überzogen und bedecket / nicht ohne höchstes Bewundern und Erstaunen gesehen.

GOtt ist die Deutung am besten bekant / welcher offt durch ein kleines etwas grosses vorzustellen pfleget / wie dann aus Geist- und Weltlichen Historien genugsam bewust das er mehrmals durch die Mäuse grosse Straffen verrichtet oder angedeutet habe / wie man von Hammeln und dem Mäuse-Thurn im Rhein genugsame Exempel hat / und auch dieses Jahr in Sachsen und andern Orten die Mäuse an Früchten und anderm überaus grossen Schaden gethan.

A. Der Ratz / wie ihn der Reuter todt schlägt. B. Wie der Reuter die Flucht nimmt.

GOTT hat alles wolgemacht / alles dienet ihm zum guten /
Doch / zu weilen brauchet er / auch die scharffe Straffes-Ruhten /
Laßt ihr Menschen euch die Mäuß / hier zur Lehr und Warnung dienen /
Fürchtet GOtt / er möcht (wer weiß?) lassen sich durch Buß versühnen.