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Textdaten
Autor: Gustav Mühl
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Titel: Vum Babbe Rhin sine Noochbre
Untertitel: Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Jahrgang 1878, Nr. 3, S. 23
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Herausgeber: Dr. Christlieb Gotthold Hottinger
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Dr. Hottinger's Volksblatt
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Erscheinungsort: Straßburg
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Quelle: Scan auf Commons
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Vum Babbe[1] Rhin sine Noochbre[2]


Ein Trinkspruch in Straßburger Mundart beim Festmahl nach der Einweihung der Schiffbrücke zwischen Neufreystett und Gambsheim, den 22. August 1875.


’s isch doch kurios! - kum isch e Feschd[3] am Wasser g’kumme,
Se will mer nitt ellein Musik mit Pfife, Drumme;[4];
Do soll nooch alter Art, der Kukuk weiß worum,
E sadder[5] Vers derzue. – Villicht isch’s nitt so dumm.

Der aldi Babbe Rhin abbard[6] isch druff versesse;
Er hett, weiß Gott! noch nie d’vergange Zit vergesse,
Wo er manch lustis Lied an sine Ufre g’heert;
Der hiti Daa zuedem isch was sin Herz begehrt,

Schunn lang sin Herz begehrt! – D’Litt hiwwe, d’Litt do driwwe,
So hett er oft sich g’sait, sinn d’Nemliche gebliwwe;
Do am e scheene Daa, er heet’s, wurd kummediert:
Allons, nix, nix susamm! – Wie hett’s ne schaggerniert[7]!

Er hett gemeint, es wurd em’s Herz im Lib verrisse,
D’Rhinschnooke[8] henn, bi Gott, ’ne nie so doll gebisse;
Jo, nooch und nooch sogar – Gottlob, jetz nimmt’s en End! –
Henn wärli reechds unn links sich d’Lit faschd gar niem g’kennt.

Die Fischer dort am Dich[9] unn d’Mähder uff den Insle,
Die duen nur schei unn fremd do nooch de Noochbre blinzle,
Unn fahrt in’s Elsaß hien der Hopfeschdange-Mann[10].
Se kummt er selbschd sich vor als wie vun Aschtrakan.

Nein, länger duurt dieß niem, nit wohr du alder Babbe?
– Du treuer Vater Rhein! – Furt zue den alde Schlabbe[11]
Mit allem, was bisher die Noochbre hett getrennt,
E neije Zit isch do, e neijes Element!

Unn beffert[12] au noch hit emol e finschdrer Bandel,
Mer looße lewe jetz de freie Handel, Wandel;
Mer henn es uff der Bruck gereichd die Bruederhand;
Hoch Elsaß, Bade hoch! – e jed’s e brächdi’s Land! –

Unn jed’s vun Johr zue Johr soll herrlicher floriere;
Die Bruck, die soll zueglich au zue de Herze fiehre!
Jetz Musik, Pfif unn Drumm, jetz stimme-n-alli in,
De Noochbre gilt diß Glas! – diß frait de Babbe Rhin!

 Dr.Gustav Mühl.


Dies Gedicht sowie „Der schwarze Hirsch“ in Nr. 2. sind der vor Kurzem erschienenen Gedichtsammlung des Elsässers Dr.Gustav Mühl: „Aus dem Elsaß. Straßburg, Verlag von Karl J. Trübner“ entnommen.

Anmerkungen der Vorlage

  1. Babbe, Papa.
  2. Noochbre, Nachbarn.
  3. Feschd Fest.
  4. Drumme, Trommeln.
  5. E sadder Vers, kräftig die Sache aufnehmende Reime.
  6. Abbard, apart, ganz besonders.
  7. Schaggerniert, chagriné, bekümmert.
  8. Rhinschnooke, Rheinschnaken (die besonders heftig stechen).
  9. Dich, Deich.
  10. Hopfeschdange-Mann, badische Bauern, welche Hopfenstangen in’s Elsaß führen.
  11. Schlabbe, alte ausgetretene Pantoffeln, hier im Sinne von altem Plunder.
  12. Beffert, belfert, keift.