Vorsicht vor amerikanischen Landagenten!

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Titel: Vorsicht vor amerikanischen Landagenten!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 589–590
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[589] Vorsicht vor amerikanischen Landagenten! Ein vielerfahrener deutscher Freund schreibt aus Missouri Folgendes: Ich habe letzthin in einem unserer deutschen Blätter mehrere Auszüge aus deutschen Zeitungen gelesen, die mich interessirt und gefreut haben. Es scheint aus diesen Artikeln hervorzugehen, daß sich in Deutschland sogenannte amerikanische Landagenten herumtreiben und an auswanderungslustige, aber natürlicher Weise mit den hiesigen Verhältnissen ganz unbekannte Personen Eisenbahnländereien zu verkaufen suchen. Die Warnungen vor solchen Landkäufen sind ganz vom rechten Standpunkte aufgefaßt und solche Landverkäufer sollten abgefaßt werden, denn neunundneunzig Hundertstel solcher Anerbietungen sind offenbar Schwindel. Große Vorsicht ist selbst solchen zu empfehlen, die schon eingewandert sind; Niemand sollte Land kaufen, der es nicht gesehen hat und zwar im Beisein eines Sachverständigen, und dann muß erst der Rechtstitel untersucht werden. Viele, ja die meisten der hier ansässigen Farmer, die aus irgend welchem Grunde verkaufen wollen, verkaufen im guten Glauben und in redlicher Absicht und wissen vielleicht gar nicht, daß ihr eigener Rechtstitel mangelhaft ist, denn die Friedensrichter und Notare auf dem Lande, die dergleichen Kaufbriefe ausfertigen, sind nicht selten so unerfahren und so unbeholfen, daß sie die Beschreibung des Landes unrichtig copiren, und wenn früher oder später solche Fehler zu Tage kommen, so sind Schwierigkeiten und Geldopfer die unausbleiblichen Folgen. Ebenso sollte auch immer durch competente Leute untersucht werden, ob das zu verkaufende Land nicht durch Hypotheken belastet ist, die vor dem Verkauf gelöscht werden müssen. Weit vorsichtiger aber muß man sein, wenn man mit eigentlichen Landspeculanten oder ihren Agenten handeln will. [590] Der Congreß der Vereinigten Staaten hat ungeheure und unsinnige Schenkungen von Regierungsländereien an Eisenbahncompagnien gemacht, die nach Millionen von Aeckern zählen und sich über das ganze westliche Gebiet der Vereinigten Staaten erstrecken. Daß diese Ländereien sehr werthvollen Boden enthalten, ist wahr; aber es sind in diesen verschenkten Strecken auch unermeßliche Striche, die ganz unbrauchbar und unfruchtbar sind, und es wird kein Mensch so unvernünftig sein zu glauben, daß jene Landagenten dieses Land im Detail kennen; wenn sie es überhaupt kennen, so können sie blos einen Begriff in Bausch und Bogen davon haben, und wenn diese Agenten auch wirklich so ehrlich sein wollten, wie es die Umstände erlauben, so ist es dennoch ein bloßer Zufall, wenn sie ein gutes Stück verkaufen, denn sie haben blos eine Liste der Landesnummern und vielleicht eine oberflächliche Beschreibung der Regierungsfeldmesser zu ihrer Verfügung. Die besten Strecken dieser Ländereien, vorzüglich solcher, auf denen voraussichtlich eine Station oder eine Stadt angelegt wird, sind meistentheils schon reservirt und belegt, und nur der Schund soll so theuer wie möglich an den Mann gebracht werden. Es sind hier zu Lande aber auch schon Verkäufe ausgeführt worden, bei denen das Land nur in der Einbildung existirt hat und nirgends zu finden war. Daß gewissenlose Schwindler solche Experimente auch in Europa versuchen sollten, wo die Untersuchung eines Rechtstitels gar nicht möglich ist, ist mehr als wahrscheinlich. Du begreifst, daß eine eingehende Beschreibung und Erklärung der amerikanischen Landverhältnisse hier zu weitläufig wäre. Auswanderer mögen nur vorsichtig sein und positiv nicht kaufen. Wenn sie erst Eingewanderte sind, werden sie schon gescheidt werden.