Von der Veredlung der Schäfereyen im Fränkischen

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Von der Veredlung der Schäfereyen im Fränkischen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 109-112
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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IX.
Von der Veredlung der Schäfereyen im Fränkischen.[1]

Zu Veredelung der Schäfereyen ist im Anspach- und Bayreutischen ein besonderes Schäfereyverbesserungs-Institut errichtet worden, dessen Anstalten und Bemühungen mit dem besten Erfolge belohnet werden. Die Veredelung des Schaafviehes sucht man hauptsächlich durch Spanische Widder zu bewirken, die man für einige, unter diesem Institut stehende Schäfereyen hat kommen lassen. Für die Schäfer ist ein eigner Unterricht entworfen worden, wie sie die ihnen anvertrauten Heerden zu behandeln haben.

 Die dießjährige Wollschur ist ungemein gut ausgefallen. Die meisten Spanischen Nationalwidder lieferten einzeln 7 bis 111/2 Pfund Wolle. Die Zeitlinge von Spanischen Vätern und dergleichen Müttern erzeugt, zum Theil 131/2 Pfund, welche im Fett und ungewaschen 60 fl. für die vom Fett gelaugte, gereinigte| Wolle aber 140 fl. p. Centner geboten worden sind. Sie wird aber nicht verkauft, sondern für Rechnung des Schäferey-Instituts zu feinen Gobelintuch verarbeitet.

 Nachstehende Bemerkungen, die sich auf sorgfältige Beobachtungen, und bey erwähntem Institut gemachte Erfahrungen gründen, verdienen bekannt gemacht zu werden:

 Von einer Abartung der Feinheit der Wolle hat sich noch nicht die mindeste Spur wahrnehmen lassen; und es ist gewiß, daß, wenn die Begattungsregeln pünctlich und strenge beobachtet, auch das Vieh nicht schlecht und auf gut bewachsenen Anhöhen gehalten wird, selbst die Spanische Nationalwolle sich von Jahr zu Jahr noch veredelt. Nicht das etwa kältere Klima, sondern nur die Behandlung des Viehes ist Schuld, wenn bey einer Heerde eine Abartung erfolgt.

 Zur Begattung sind keine schlechte grobwolligte Böcke zuzulassen, auch lasse man keinen über 25 bis 28 Schaafe in der Reitzeit belegen. Die Weide auf trockenen und hochgelegenen Ländereyen ist die beste. Große Hitze, so wie allzu große Kälte ist schädlich;| kühle und temperirte Luft hingegen die gesundeste; daher müssen denn auch die Stallungen trocken, rein und lüftig, aber doch zugleich auch so beschaffen seyn, daß bey großer Kälte und Stürmen das Schaafvieh dagegen verwahrt, und die Stallwärme auf den Temperirpunct, so oft es nöthig ist, aber ja nicht wärmer, gebracht werden könne. Daß im Winter gesundes und gutes Heu gefüttert werden muß, versteht sich von selbst. Pure Stallfütterung im Sommer, wäre es auch grünes Gras, ist schädlich; auch das Melken der Schaafe taugt nichts. Den Schäfern muß man beständig fleißig nachsehen, und niemahls ihren Versprechungen trauen. Es kostet Mühe, sie von ihrer alten Methode abzubringen, und die neue zur spanischen Schaafzucht einzuprägen. Man muß sie dabey so behandeln, daß sie aus Patriotismus für die gute Sache arbeiten. Um das Austauschen des feinen Schaafviehes zu verhüten, ist in dem erwähnten Schäferey-Institut jeder spanische Widder numerirt, und sämmtliches Vieh mit einem Zeichen über der Nase gebrannt, auch sonsten noch die Race und Generation in besondern Tabellen bezeichnet.|  Das Spanische Nationalvieh ist von viel hitzigerer Natur, als das inländische; daher werden auch die Lämmer früher reif. Es ist daher höchst nöthig, daß die Spanischen Bocklämmer 4 Wochen früher, als dort gewöhnlich, von dem Säugen abgestoßen werden, indem man die Erfahrung gemacht, daß einige Schaafmütter von ihren eignen Söhnen belegt worden, wodurch Abartungen entstehen. Das Spanische Schaafvieh ist im Durchschnitt 10 Pfund p. Stück schwerer befunden worden, als das inländische.

 Wider verschiedene bey den Schäfereyen gefährliche Krankheiten, hat der Director dieses Instituts (Herr Hofcammerrath Lehner in Anspach) durch eigne Beobachtungen und Erfahrungen glückliche und bewährte Mittel gefunden. Er besitzt auch ein vortreffliches Recept zur Reinigung der Wolle vom Fett, wozu derselbe eine eigne Reinigungsanstalt hat anlegen lassen.



  1. Aus dem Anzeiger, 1792, 2 B. n. 77. 78.