Allgemeines Deutsches Kommersbuch:336

(Weitergeleitet von Vom Wasserbauer (Kost))
Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 670, 671
<< Zurück Vorwärts >>
De Schauenburg Allgemeines Deutsches Kommersbuch 333.jpg
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

[670]

Zecher wird wonnewarm das Herz, hör ich der Gläser Klingen, Gesang
und frohen Scherz.

     4. Dem alten Barbarossa umflog ein Rabenschwarm den Berg,
darin er schlummert, zu seinem größten Harm, doch mir zu Häupten
singet manch lockrer Zeisig hell, manch durstger Fink trinkt fröhlich
von einem guten Quell.

     5. Da kann ich wieder schlummern und träumen süß und fest, die
Welt ist gut, so lange sie nicht vom Zechen läßt!“ Legt sich am Fasse
nieder und schmunzelt still beglückt, hat heimlich eine Thräne, eh er
entschlief, zerdrückt.

Gottfr. Doehler.



          749.     Vom Wasserbauer.

     Singw.: Es steht ein Wirtshaus an der Lahn ec.

     1. Schön Mägdelein, laß warnen dich, nimm keinen Wasserbauer
nich, denn sitzt der erst beim Glase, so fragt er nichts nach Weib und
Kind, das zeigt die rote Nase.

     2. Baut Wasserbauer ’nen Kanal, ist ihm das Wasser höchst fatal.
Bei jeder Grabensohle da flucht er: Elend Element! — und frönt
dem Alkohole.

     3. Und ist der Pegelstand mal schwach, so denkt er gründlich drüber
nach: Jetzt kann ja gar nichts fließen bei dieser trocknen Jahreszeit.
Da muß man flott begießen.

     4. Und ist der Pegelstand sehr hoch, so denkt er: Wart, ich krieg
dich noch. Wenn allzuviel will laufen, vertilgt’s ein weiser deutscher
Mann und fängt flott an zu — saufen.

     5. Und stellt auf Null der Pegel sich, so ist das höchst bedenkelich.
Er denkt: der macht Sperenzen, sucht einen Nachbarpegel auf und
trinkt die Differenzen.

     6. Schön Mägdelein, ich warnte dich. — Nun, willst du oder willst
du nich? Doch laß dich nicht genieren; nur fang beizeiten selber an,
um ihm zu imponieren.

Motiv 1878. R. Kost


          750.     Krok der Alamanne. *)[1]

     Singw.: Schier dreißig Jahre bist du alt ec.

     1. Schon zwanzig Jahre bist du alt, warst noch nicht überm
Rhein! Weißt du nichts auszuführen, nichts zu verrungenieren? Ver=
rungeniert muß alles sein!

[671]

     2. So redet es dem Jüngling Krok die Urgroßmutter ein. Das
Heerhorn ließ er blasen: O du Deutschland, ich muß dich lassen — ver=
rungeniert ec.

     3. O Urgroßmutter, du daheim, siehst du den Feuerschein? Gelobt
sei Thor und Wodan, jetzt thut er ihn’n Schwernot an!

     4. Was rauft das seidne Haargelock des Konsuls Töchterlein?
O du Vesta, hilf vor Schande, die Notnunft rast im Lande!

     5. Was liegt der bleiche Stadtpräfekt gefesselt überm Stein?
Aha, das Blättlein wandt sich — man gab ihm fünfundzwanzig!

     6. Die große Sendung war erfüllt; Krok sah befriedigt drein.
Ja, wenn die Kultur verschwommen, kann nur der Krok (Grog) noch
kommen. Verrungeniert muß alles sein!

Nach Scheffel.



          751.     In Philistinos!.

     Singw.: 's giebt kein schönres Leben ec.

     1. Seht die Gläser winken, laßt uns fröhlich trinken in der frischen,
frohen Jugendzeit! Wo sich Burschen finden, soll der Schlaf ver=
schwinden, sei dem Trinken nur die Nacht geweiht! Wenn die Jahre
kommen, wird die Brust beklommen, und das Trinken hört von selber
auf: In der Jugend doch hält der Becher noch stets die Nächte seinen
Siegeslauf!

     2. Die Philister meinen: wenn die Sterne scheinen, sollst du fein
und sittsam schlafen gehn; doch Studenten denken, sich ins Bett ver=
senken, heißt den wahren Zweck der Nacht verdrehn! Wer bei Tag ge=
büffelt, von der Frau gerüffelt, schleiche leise sich ins Bette drauf: In
der Jugend doch hält der Becher noch stets die Nächte seinen Siegeslauf!

     3. Bald geht er nach Hause von dem Bratwurstschmause, steckt ein
Paar noch seinem Weibe ein; Liebchen, dein gedenken, Glas und Mützen
schwenken, sollt dies nicht ein schöner Leben sein? Laßt ihn unbeklommen
schon um neun Uhr kommen, geht sein Lieben auch in Würsten auf:
In der Jugend doch hält die Liebe noch stets beim Becher ihren
Siegeslauf!

     4. Magst, Philister, träumen du von Riesenbäumen, dran ein
jedes Blättchen ein Prozent; sich beim Glas erwärmen und von Freiheit
schwärmen, nennet schöner träumen der Student! Gönnt ihm ohne
Kummer gerne seinen Schlummer, gebt ihm Eiderdunen noch in Kauf:
In der Jugend doch hält der Traumgott noch stets beim Becher seinen
Siegeslauf!

     5. Drum, ihr Brüder alle, schwört mit lautem Schalle, daß ihr
immer treulich trinken wollt; laßt die Weibersklaven, die Philister
schlafen, ihr Studenten aber trinken sollt! Wenn die Jahre kommen,
wird die Brust beklommen und das Trinken hört von selber auf: In
der Jugend doch hält der Becher noch stets die Nächte seinen Siegeslauf!

M. Degen



  1. *) - Hic autem Chrocus multae adrogantiae fertur fuisse. Qui cum nonnulla inique gessisset, per consilium, ut aiunt, matris inique, collectam ... A amannorum gentem universas Gallias pervagatur cunctasque aedes, quae antiquitus fabricatae fuerant, a fundamentis subvertit etc. Gregorius Turonensis, hist Franc. I. 32