Vermißte (Die Gartenlaube 1883)

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Titel: Vermißte
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aus: Die Gartenlaube, Heft 28, 36, 46, S. 463–464, 591, 756
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[463] Vermißte (Neue Folge). Wir wiederholen hier die schon mehrfach ausgesprochene Bitte, daß diejenigen, welche von ihren vermißten Angehörigen Kunde erlangt haben, uns sofort davon Nachricht geben, damit wir den so vielfach beanspruchten Raum unseres Blattes nicht zu vergeblichen Aufrufen verschwenden müssen.

1) Hermann August Paul Schütz, Seemann aus Berlin. 1845 geboren, ging 1863 über Stettin zur See, kam auf dem Schiffe „John Watt“ Februar 1865 nach St. Helena. Die letzte briefliche Nachricht von ihm datirt vom 26. April 1865 aus Hallmouth. Seitdem verschollen.

2) Im November 1869 brachte der Eisenbahnsecretär W. Felix, damals in Saarbrücken, seinen achtzehnjährigen Sohn Heinrich Felix, welcher Seemann werden wollte, nach Hamburg, wo derselbe als Schiffsjunge auf den Dreimastschooner „Ernst“, Capitain Jacobsen, kam. Nach einer zweiten Fahrt mit diesem Schiffe nach Valparaiso verließ er dasselbe und fuhr seitdem auf chilenischen, nordamerikanischen und englischen Schiffen und schrieb von verschiedenen See-Orten, zuletzt, am 20. März 1877, von Capstadt aus, von wo er mit dem Schiffe „Caernarvon Castle“ nach London zurückkehrte und am 10. Oktober 1877 ausgemustert wurde. Letztere Nachricht erhielten die Eltern durch das deutsche Generalconsulat in London. Seitdem ist Felix verschollen.

3) Vor acht Jahren verließ der Matrose Theodor Georg Becker Hamburg auf einem nach Südamerika segelnden Schiffe. 1877 erhielt sein Vater die Nachricht, daß sein Sohn gefangen gehalten werde; auf Veranlassung der deutschen Regierung wieder frei gegeben, schrieb er, daß er heimkehren wollte. Seine damalige Adresse lautete: „Sennor Carlos Weiss para entregar à Teodoro Becker. Las Flores, Republica Argentina.“ Alle unter dieser Adresse abgesandten Briefe blieben bis jetzt erfolglos.

4) Joseph Bell von Luzern begab sich im October des Jahres 1867 nach Argentinien, Santa Fe. Die letzten Nachrichten von ihm datiren vom October 1869; seither konnte trotz aller Nachforschungen nichts von ihm vernommen werden.

5) Wer den Aufenthalt des Graveurs Julius Hermann Bergmann weiß, wird gebeten, denselben seiner in der größten Dürftigkeit lebenden, kranken Frau in Görlitz, Pragerstraße 4, anzuzeigen, damit selbige von ihm die Erlaubniß erhalten kann, seine monatliche Pension zu erbeben.

6) Eine halberblindete Wittwe sucht ihren Sohn! Derselbe, Hermann Brockel, gebürtig aus Ohlau in Schlesien, diente von 1873 bis 1876 als Unterlazarethgehülfe in Bautzen. Neujahr 1880 hat derselbe von Liegnitz in Schlesien aus zum letzten Male geschrieben. Der Vermißte ist seiner Profession nach Barbier.

7) Ein junger Deutscher, Hieronymus Brenner, der längere Zeit in Amerika lebte und vor circa einem Jahre eine Stelle in Liverpool als Kellner einnahm, kam Ende vorigen Jahres in Streit mit dem Koch des Hauses, wollte seine Kraft mit jenem messen, wurde aber bezwungen und hingeworfen und fiel so unglücklich, daß er nach wenigen Stunden starb. Ein nach Berlin an die Eltern des jungen Mannes gerichteter Brief kam als unbestellbar zurück. Der Wohnort der Eltern wird behufs Auslieferung der Hinterlassenschaft des Verstorbenen gesucht.

8) Der Bäckergeselle Anton Dettki aus Rössel in Ostpreußen, der vor einigen Jahren seine Vaterstadt verließ und seit zwei Jahren nichts mehr von sich hat hören lassen, wird gebeten, seinen Eltern Nachricht von sich zu geben, respective selbst nach Hause zu kommen. Da die Mutter schwer krank darniederliegt und der Vater sehr schwach ist, so soll er die Bäckerei seines Vaters übernehmen.

9) Der Schlossergeselle Gustav Dittmann aus Halberstadt war im Jahre 1878 bis 1879 beim Schlossermeister Herin. Sandes in Köln in Arbeit. Darauf ist er nach Ruhrort a. Rh. und dort auf einem Schlepper angestellt gewesen. Im Juli 1879 haben seine Eltern den letzten Brief von Ruhrort erhalten. Alle Nachforschungen nach ihm sind bis jetzt fruchtlos gewesen.

10) Die Wittwe Joh. Driescher in M.-Gladbach in Rheinpreußen sucht ihren Sohn, den Klempner Friedrich Wilhelm Driescher. Derselbe ist 1851 in Rheydt geboren. Sein letzter Brief datirt aus Dresden, 1875; er schreibt darin, er würde noch an demselben Tage mit seiner Braut abreisen, ohne Angabe wohin; nach Aussagen einiger seiner Freunde soll er den Vorsatz ausgesprochen haben, nach Japan auszuwandern. Seine Braut soll Adele Weisdorn heißen und Verwandte in Japan haben.

11) Der Bäckergeselle Johann Buch, geboren 1863 in Neuwied, ging im Mai 1883 auf die Wanderschaft, arbeitete zuletzt im Badischen und schickte vor einem halben Jahr seine sämmtlichen Kleider nach Hause mit dem Bemerken, daß er auf seiner Durchreise dieselben wieder in Empfang nehmen wollte. Dies ist bis jetzt noch nicht geschehen und fürchtet die arme, alte Mutter, daß ihm ein Leid zugestoßen sei.

12) Rudolf Eiberger aus Mondsee im Salzkammergute, 1853 geboren, ging nach Abdienung seiner Militärjahre zur Marine, seit 1874 verschollen.

13) Alfred Eiberger, ebenfalls aus Mondsee, 1854 geboren, war bei der Marine, wurde 1875 zur Infanterie commandirt, desertiere kurze Zeit darauf, schiffte sich in Triest auf einem Kauffahrteischiffe ein. Sein letzter Brief datirt von 1878 aus einem englischen Hafen.

14) Eduard Ender, 1830 geboren zu Warmbrunn in Schlesien, Buchhalter, begab sich October 1864 von Breslau nach Russ. Polen, um sich dort eine Existenz zu gründen. Seitdem verschollen. Seine alten, bekümmerten Eltern bitten um Nachricht.

15) Hugo Engel, geboren 1850, Seemann, wird von seinem Vater gesucht. Die letzten Nachrichten datiren vom 18. Aug. 1878 aus Cadix und theilte er damals mit, daß er auf sieben Monate von einem nach Rio Grande in Brasilien fahrenden englischen Schiffe gedungen worden sei.

16) Der Sattler Friedrich August Vogel aus Leubsdorf, der seinen Bruder am 1. Januar 1881 zum letzten Male besucht, wird von seinen Geschwistern um Nachricht gebeten.

17) Lucie Pabst. Signalement: Alter: 20 Jahre, Größe: 1,60M., Statur: schlank, Haare: hellblond, Stirn: gewölbt, Augenbrauen: blond, Nase und Mund: gewöhnlich, Kinn: rund, Gesicht: etwas länglich. Gesichtsfarbe: gesund. Lucie Pabst, die einzige Tochter eines geachteten Bürgers von Quedlinburg, entfernte sich am Abend des 29. November gegen 8 Uhr aus der elterlichen Wohnung, um angeblich in einem Hôtel, wo das junge Mädchen zur Erlernung der Küche thätig war, sich noch mit der Anfertigung von Weihnachtsarbeiten zu beschäftigen. Lucie Pabst ist jedoch nicht m dem betreffenden Hôtel gewesen, und bis jetzt noch nicht zu ihren Eltern zurückgekehrt, auch trotz aller Nachforschungen noch Nichts über ihren etwaigen Aufenthalt ermittelt.

18) Heinrich Stammerjohann, geboren 1846, auf Grevenköper Riep bei Krempe in Holstein, reiste als Seemann von 1865 an nach Südamerika, China, Californien, Mexico, England und von da nach Rio Grande in Brasilien, von wo er 1870 zuletzt geschrieben hat. Seitdem verschollen. Seine Mutter und seine Geschwister bitten um Nachricht.

19) Am 3. Juli 1881 hat sich der Bäckerlehrling Otto Junker heimlich aus Barmen entfernt. Trotz aller Bemühungen des bekümmerten Vaters konnte bis jetzt nichts über seinen Aufenthaltsort in Erfahrung gebracht werden.

20) Eine unglückliche Frau bittet die „Gartenlaube“, ihren Mann zu suchen. Derselbe, der Schriftsetzer Karl Kegler, hatte, da er an zeitweiliger Geisteskrankheit litt, acht Wochen im Irrenhaus zu Dalldorf verbracht, war dann wieder entlassen worden und zu seiner Frau zurückgekehrt. Nach vierwöchentlichem Aufenthalt in Berlin unter der Obhut derselben, verschwand er aber am 11. Februar 1882 plötzlich; es ist bis jetzt noch nicht die geringste Spur von ihm aufgefunden worden. K. ist 66 Jahre alt, von kleiner Gestalt, hat dunkelblonde mit grau vermischte Haare, dunkelblaue Augen.

21) Seit vierzehn Jahren warten die Eltern des Kaufmanns Friedr. Ferd. Robert Schlippe auf eine Nachricht von ihrem Sohn. Derselbe, 1818 geboren, lernte in Leipzig die Kaufmannschaft, verließ aber 1868 plötzlich Leipzig, um, wie er seinen Eltern schrieb, in China eine Stelle anzunehmen. Am 3. April schrieb er nochmals aus London, resp. vom Bord eines Schiffes. Seitdem fehlt jede Spur und Nachricht.

22) Der Tapezierer H. Sahlmann aus Kiel sucht seine einzige Schwester Katharine Sahlmann, geboren in Kiel, 43 Jahre alt. 1862 war sie bei eitlem Kaufmann in Berlin (Prinzessenstraße) angestellt, seitdem der Aufenthalt unbekannt.

23) Der Bäckergeselle Paul Alban Richter aus Zwönitz, geboren 1863, ging 1880 auf die Wanderschaft und schrieb das letzte Mal an seine Eltern Ende April 1880 aus Schlesien. Seit dieser Zeit ist der Mann verschollen. Die tief betrübten Eltern, welche beide noch leben, erwarten sehnsüchtig Auskunft über den Vermißten und setzen ihre letzte Hoffnung auf die „Gartenlaube“.

24) Adolf Rahn, geboren 1865 zu Mohrin bei Königsberg, welcher zuletzt als Knecht in Krukow in Mecklenburg gedient hat, wird von seiner bekümmerten Mutter aufgefordert, Nachricht zu senden.

25) „August Off! Der Du vor zwanzig Jahren nach Rio gingst, gieb Deiner alten achtzigjährigen, allein noch lebenden Mutter, die täglich Deiner gedenkt, ein Lebenszeichen! Dorothea Off.“ Die Adresse der bittenden Greisin theilt die „Gartenlaube“ mit.

26) Hans Jacob Nommensen, geboren auf der Hallig Gröde, Provinz Schleswig Holstein, 1848, ist, nachdem er in der deutschen Marine als Einjähriger gedient, 1872 als Matrose mit einem Hamburger Schiff „Atalanta“ nach Hongkong abgegangen. Unsicheren Nachrichten zufolge, sollte er in Hongkong bei einem Hamburger Namens Peter Schmidt logirt haben, dann an Bord eines anderen Schiffes, welches an der chinesischen [464] Küste fuhr, gegangen sein. Alle von den alten Eltern angestellten Nachforschungen blieben resultatlos.

27) Im Januar 1882 hat sich der fünfzehn Jahre alte Hermann Noe von seinem Lehrherrn, dem Bäckermeister Schwarz in Apolda, heimlich entfernt, ohne bis jetzt etwas von sich hören zu lassen, Nachrichten von oder über ihn werden durch die „Gartenlaube“ von seinen Eltern erbeten.

28) Joseph Müller, Maschinenschlosser, reiste 1870 von Werschetz in Ungarn nach Rußland, wo er in Elisabethgrad bis 1873 beschäftigt war und im Juli das letzte Mal geschrieben hat. Indirekten Nachrichten zufolge, soll J. M. sich 1876 in Kaukasien aufgehalten haben. Sein Vater bittet um Nachricht.

23) Anna Matt, geboren 1862 in Woksach, verließ 1877 ihre Mutter, um in der Schweiz eine Stelle zu suchen; nachdem sie in Zürich bis 1879 gedient, erhielt ihre Mutter einen Brief aus St. Etienne in Frankreich, wohin Anna Matt sich einer Stelle wegen begeben; da sie dieselbe nicht erhalten, so befand sie sich in der traurigsten Lage. Auf an sie gerichtete Briefe und Geldsendungen erhielt die Mittler keine Antwort. Bis jetzt ist noch keine Spur ihres Aufenthalts entdeckt worden.

30) Ende der vierziger Jahre wanderte ein gewisser Friedrich von Lueders aus Thüringen nach Amerika aus. In seiner Heimath hinterließ er einen Sohn Namens Wilhelm Lueders. Der Aufenthalt desselben wird von seinem in Amerika geborenen Bruder Robert Lueders gesucht.

31) Maria Lauer aus Essen an der Ruhr wird gebeten, ihre Adresse an ihren Bruder, Fr. Lauer, Essen, Herkulesstraße 70, einzusenden.

32) Heinrich Georg Hauck, geboren 1864 zu Stötteritz bei Leipzig, hat sich am 1. September 1882 heimlich mit seinem Arbeitsbuche entfernt. Alle Nachforschungen vergeblich. Sein besorgter Vater bittet alle, die Näheres von ihm wissen, um Nachricht.

33) Karl Moritz Lange, geboren 1862 zu Lützen, arbeitete als Stellmacher in Dresden und Meißen. 1880 wieder nach Dresden zurückgekehrt, gab er seinen Koffer seinem Onkel zum Aufbewahren und ging in die Fremde mit dem Versprechen, bald zu schreiben und seine Sachen nachkommen zu lassen. Seitdem ist alle Nachricht von ihm ausgeblieben. Seine besorgte Mutter bittet um Nachricht über ihn oder seinen Aufenthalt.

34) Robert Ziegler aus Neustadt a. d. Haardt verließ 1868 im Alter von siebenzehn Jahren die Heimath; schrieb dann einmal von Bueuos-Ayres, später noch einmal von England, darnach niemals wieder. Sein Bruder sucht ihn.

[591] 35) Der Brauergeselle Heinrich Fröhlig, geboren in Langenbielau in Schlesien, welcher seit fünf Jahren in Neumünster in Holstein in Arbeit gestanden, ist am 11. April 1862 von Neunmüster nach Flensburg gereist, soll am 14. April von da nach Neumünster zurückgekehrt sein, ist aber dort bis heute noch nicht eingetroffen. Derselbe hatte circa 2400 Mark baar bei sich. Alle diejenigen, welche Fröhlig in dieser Zeit gesehen oder seinen jetzigen Aufenthalt wissen, werden dringend ersucht, uns darüber Mittheilung zu machen.

36) Der Klempnergeselle Fr. Oswald Gläß, geboren 1837 in Siebenlehn in Sachsen, ging im Juni 1858 auf die Wanderschaft, schrieb im August desselben Jahres aus Leipzig und soll 1859 in Magdeburg gearbeitet haben. Seitdem haben die alten Eltern vergebens auf irgend eine Nachricht von ihm gewartet.

37) Eine Tochter sucht ihren im Jahre 1857 von Ostrowo nach Brasilien ausgewanderten Vater Ernst Traugott Fiscal. Derselbe schrieb 1860 von Bahia, daß er in einer Fabrik arbeite, durch die Explosion des Dampfkessels verwundet, aber wieder hergestellt worden sei. Seit dieser Zeit fehlt jedes Lebenszeichen von ihm.

38) Heinrich Henkel, Schlossergeselle aus Lauterbach in Oberhessen, ist seit 1874, wo er in Leipzig einen kleinen Geldbetrag empfing, verschollen. Er wird von seiner Mutter, welche schon mehrere Jahre Wittwe ist, gesucht.

39) Henry Greiffenhagen, geboren 1846 zu Berlin, ist 1866 nach Brasilien gegangen. Sein letzter Brief datirt aus Rio de Janeiro (1868), in welchem er mittheilt, daß er sich in Brasilien, Colonie Brusque, Provinz St. Catharina, angekauft. Trotz vieler an ihn unter dieser Adresse abgesandter Briefe, trotz Inanspruchnahme des auswärtigen Amtes, der Brasilianischen Gesandtschaft, Consulate etc., ist bis jetzt noch nichts über den H. Greiffenhagen in Erfahrung zu bringen gewesen.

40) Der Sattler und Tapezierer August Hoferichter, geboren 1851 zu Neudorf in Schlesien, ist seit August 1878, zu welcher Zeit er von Berlin weggewandert ist, verschollen.

41) Andreas Ludwig Jensen aus Ellhöfft, Kreis Tondern, ging im Frühjahr 1863 nach Australien. Seit September 1880 hat er seine Schwester ohne Nachricht gelassen. In dem letzten Briefe aus Queens Land schrieb A. Jensen, daß er nach den Goldfeldern zu gehen gedenke.

42) Eine arme, sich mühsam mit Waschen ernährende Wittwe, deren einziger Sohn auf der Wanderschaft verschollen ist, hofft auf diesem Wege Nachrichten über dessen Verbleib zu erhalten. Franz Jaksch, geboren 1862 zu Graudenz, lernte Buchdruckerei und ging October 1881 auf die Wanderschaft. Seit seiner Abreise hat die Mutter kein Lebenszeichen mehr von ihm gehört. Als einzige, nicht ganz zuverlässige Nachricht gab ein Dachdecker an, daß er mit ihm in Köslin im November 1861 zusammengetroffen sei. „Darnach habe ich,“ schreibt uns die brave Mutter, „trotzdem ich bei jedem mir zu Gesicht kommenden Handwerksburschen flehentlich nach dem Verschollenen geforscht, nicht die leiseste Spur von demselben gesunden.“

43) Albert Heuduck, geboren 1834, wanderte 1862 unter dem Namen Charles Smidt nach New-Jersey aus; im Jahre 1870 soll er in Hamburg gesehen worden sein; sonst ist jede Spur von ihm verloren. Seine greise, von Kummer gebeugte Mutter bittet Alle, die von ihm gehört, ihr Nachricht zu geben.

44) Friedrich Karl Krauß, Kaufmann aus Dresden, verließ 1855 Bremen, ging nach Amerika, hielt sich 1858 in Philadelphia, 1859 in Baltimore als Buchhalter auf und trat 1662 in die Nordarmee ein. Sein letzter Brief datirt vom 21. November 1862 aus Alexandria Virginien; seitdem sind seine Angehörigen ohne Nachricht von ihm geblieben.

45) Friedrich Krieg, geboren zu Althof bei Doberan, begann 1866 seine Seemanns-Carriere; reiste nach Dublin, Petersburg, Constantinopel. Von hier schrieb er 1871 seinen Eltern, daß er sich auf einem Harburger Schooner befinde, der nach Amsterdam bestimmt sei. Seitdem ist er verschollen.

46) Hans Nicolay Jochimsen, geboren 1624 in Soholmbrück in Schleswig-Holstein, reiste nach Melbourne 1859. Sein letzter Brief kam 1870 aus New-Seeland. Seine noch lebenden sechs Geschwister bitten um Nachricht von ihm.

47) Franz Klug aus Niederlahnstein diente 1880 bis Juni 1881 als Commis und Reckender bei Herrn Th. Bilstein in Köln. Seit dem 15. Juni, an welchem er sich auf der Reise nach Opladen befand, ist er spurlos verschwunden.

48) Johannes H. Kuyper, geboren 1629 auf Terschelling in Nederland, fuhr als Seemann nach Malta, Constantinopel, Palermo, New-Orleans. Sein letztes Schreiben datirt aus dem Jahre 1850 aus Texas. Nach dieser Zeit hat sein ihn suchender Bruder nichts mehr von ihm vernommen.

49) Der Seemann Bernhard Karl Ludwig Gabbert ging im Jahre 1876 von Schwerin fort. Seit 1870 sind seine Eltern ohne Nachricht von ihm. Sein letzter Brief kam aus Falmouth in England. Angestellte Nachforschungen über seinen Verbleib hatten bisher keinen günstigen Erfolg. Gabbert soll sich zuletzt in Southampton aufgehalten haben.

50) Hermann Schulz aus Berlin, am 23. Juli 1854 geboren, gelernter Schlosser, zuletzt dritter Maschinist an Bord des Schiffes „Katharina II. (der St. Petersburger Dampfschifffahrtsgesellschaft gehörig), verließ Ende Juli 1881 in Antwerpen seinen Posten und gab seiner alten Mutter seit dieser Zeit keine Nachricht. Ihr heißester Wunsch ist, zu erfahren, ob er noch am Leben ist.

51) Der Schiffer Karl Wonde, 1824 geboren, hat vor 15 Jahren seine Schwester in Crossen besucht, reiste dann nach Stettin und hat seitdem nichts von sich hören lassen.

52) Der Schuhmacher Gustav Winkelmann, 32 Jahre alt, zu Woxtzallaender im Warthebruch geboren, der zuletzt vor 13 Jahren von Pommern aus Nachricht von sich gegeben hat, wird gebeten, von seinem Aufenthalte seiner Mutter, die nun Wittwe ist, Mittheilung zu machen.

63) Anna Maria Waldhaus, geboren zu Rödelheim, Provinz Hessen-Nassau, später in Wiesbaden wohnhaft, reiste im Jahre 1859 mit einer polnischen Familie nach Paris, ohne seit jener Zeit irgend welche Nachricht von sich gegeben zu haben. Wer über den Aufenthaltsort oder das Schicksal derselben etwas Näheres mittheilen kann, wird gebeten, die Redaction der „Gartenlaube“ hiervon zu unterrichten.

54)n Der Conditorgehülfe Richard Wack aus Magdeburg, 19 Jahre alt, schrieb seinem Vater zuletzt am 7. Juni 1882. Da seitdem alle Nachrichten ausgeblieben sind, und da er auch seinen Koffer mit unentbehrlichen Effecten bei seinem Bruder in Köln bis jetzt noch nicht abgefordert hat, sind seine Angehörigen in größter Besorgniß über das Schicksal des jungen unerfahrenen Menschen.

55) Anton Ullmann, geboren 1839 in Tost in Schlesien, Pharmaceut, ist 1861 ausgewandert; schrieb in diesem Jahre zuletzt aus Paris, daß er über Marseille nach einem überseeischen Lande reisen würde. Um Nachricht über ihn bittet seine Mutter.

56) Ein Sohn sucht seinen verschollenen Vater! Dieser, Fr. Wilhelm Textor aus Memel, verließ 1862 seine Familie. Seit dieser Zeit hat er nichts von sich hören lassen. Da man mit Bestimmtheit glaubte, daß er nach Rußland gegangen sei, reiste sein Sohn jahrelang in diesem Lande herum, ohne eine Spur von ihm zu finden.

57) Lebt der Schiffsofficier Johannes Scherl noch, eventuell wo? Er lief im Jahre 1881 mit der „Caprera“ von Havre aus – seitdem keine Nachricht.

58) Jacob Stern aus Sassendorf bei Soest, geboren 1851, Israelit, war bei dem Kaufmann Schönstedt in Marsberg in der Lehre. 1866 entfernte er sich von dort, wurde kurze Zeit darauf im Franziskaner Kloster zu Paderborn und 1876 in Utrecht gesehen. Seitdem verschollen.

59) Klas Stelck, aus Peffade (?) in Holstein, geboren 1788, soll in den vierziger Jahren in Brüssel gestorben sein. Auskunft über sein Ende ist von Wichtigkeit für die Angehörigen.

[756] 60) Karl Stein, geboren 1853 zu Festenberg in Schlesien, lernte in Berlin die Handlung, hatte dort mehrere Stellungen innegehabt und überall günstige Führungsatteste erhalten. Seit 26. Oktober 1881 ist er spurlos verschwunden, nachdem er seine Stelle aufgegeben und sich bei der Polizei abgemeldet hatte. Er soll die Absicht gehabt haben, nach Java zu gehen; da er aber alle Sachen in seiner Wohnung zurückgelassen hat, befürchten seine Eltern, es sei ihm ein Unglück zugestoßen.

61) Der Bäcker Wilhelm Spier aus Kleinenbremen bei Minden (Westfalen) hat wegen unglücklicher Verhältnisse 1861 seine Heimath verlassen. Nachdem derselbe drei Jahre in London als Bäcker gearbeitet hatte, machte er auf einem russischen Schiffe Reisen nach Triest, England und Australien. Seit 1867 hat er nicht mehr an die Seinen geschrieben.

62) Der Schuhmacher Gustav Schöps aus Eisenberg in Altenburg ging 1861 von Schandau aus auf die Wanderschaft. Von Köln schrieb er, daß er nach Paris zu gehen beabsichtige. Dies ist die letzte Nachricht, die er seiner um ihn bekümmerten Schwester zukommen ließ.

63) Eduard Rudolf Schröter, geboren 1810 zu Radeburg, früher Buchbinder, zuletzt Bahnbeamter, reiste vor viereinhalb Jahren nach Hamburg, um angeblich eine Erholungsreise zu machen, und ist seitdem spurlos verschwunden. Schröter trug schwarzen Voll- und Schnurrbart, graumelirtes Kopfhaar, hatte graue Augen er war kurzsichtig und trug eine goldene Brille. Mutter und Sohn desselben bitten dringend um, Nachricht.

64) Eine arme Wittwe und verlassene Mutter, Frau A. M. in Danzig, sucht ihren Sohn aus erster Ehe, A. Rudolf Soth. Derselbe hat sie seit fast zehn Jahren ohne Nachricht gelassen. Rudolf Soth, geboren 1839, begab sich 1870 mit seiner Frau nach Moskau, wo er als Mechaniker arbeitete; 1873 schrieb er, daß er im Poltaw’schen Gouvernement Beschäftigung gefunden. In seinem letzten Briefe theilte er die Absicht mit, wieder nach Moskau überzusiedeln. Seitdem wartet die Mutter vergeblich aus Kunde.

65) Aehnliches haben die Eltern Schmidt in Soldin zu beklagen. Ihr Sohn, der Maurer Friedrich Adolf Schmidt, ist seit April 1880 verschwunden. Zuletzt hat er sich in Berlin aufgehalten, von da ist er angeblich nach Schweden gegangen. Schmidt hatte schwarzes Kopfhaar, röthlichen Schnurrbart; auf der Pupille des linken Auges hatte er ein Hornpickel von der Größe eines Stecknadelkopfes.

66) Der Schneider Karl Eduard Seifert, geboren 1835, ging 1862 aus Freiberg fort, ohne zu hinterlassen wohin, schrieb darnach aus Reichenbach im Voigtland, daß er auswandern werde. Seitdem hat er nicht wieder geschrieben und ist auch trotz aller von seinen nunmehr im Greisenalter stehenden Eltern aufgewendeten Mühen und Kosten nicht zu finden gewesen.

67) Joseph Popper aus Wällischbirken in Böhmen, 33 Jahre alt, ist seit 1878, zu welcher Zeit er sich in Paris aufhielt, verschollen. Sein alter Vater bittet um Nachricht über ihn.

68) Der Aufenthaltsort Moritz Platow’s, der bis 1878 in Hill Farm bei Framglingham in der englischen Grafschaft Suffolk wohnte, wird von dem Bruder des Vermißten gesucht.

69) Der Uhrmachermeister August Schumann, 55 Jahre alt, bis 1878 fast immer in Petersburg wohnhaft, wird gebeten, seine jetzige Adresse in der Redaction der „Gartenlaube“ abzugeben. Gleichzeitig ergeht die Bitte an diejenigen, welche etwas Näheres über den Aufenthaltsort des Schumann wissen, gütigst kurze Notiz darüber niederzulegen.

70) Ein Niederösterreicher, Namens Rohringer, wanderte in den 1830er Jahren als Begleiter eines ungarischen Grafen nach Amerika aus. Mitte der 1860er Jahre brachten österreichische Blätter eine Ladung Seitens französischer Behörden an die unbekannten Erben eines in Frankreich auf der Rückreise von Amerika in seine Heimath verstorbenen Oesterreichers, gleichen Namens, welche Aufforderung in den Jahren 1872 oder 1873 wiederholt wurde. Die Verwandten jenes Rohringer erfuhren hiervon erst mehrere Jahre später, weshalb es ihnen trotz aller Bemühungen nicht mehr gelang, jene Blätter, in denen die Kundmachung enthalten war, oder die Behörde, von welcher selbe ausging, ausfindig zu machen. Es ist ihnen nur bekannt, daß der Ort, woselbst Rohringer mit Tod abging, Charlier oder Charlieu genannt worden sei. Aber auch Nachfragen an verschiedenen Orten ähnlichen Namens in Frankreich blieben erfolglos. Vielleicht ist Jemand in der Lage, durch einige Zeilen an die „Gartenlaube“ der Familie eine nähere Mittheilung zu machen.

71) Paul Sander, geboren 1847 zu Greulich bei Bunzlau, war als Former in Prenzlau beschäftigt, fuhr dann nach England und arbeitete dort wiederum als Former in Liverpool und Edinburgh. Im Jahre 1867 ließ er sich von einem Bremer Schiffe „Else“ oder „Elisa“ zu einer Fahrt nach Ostindien werben. Vor seiner Abreise schrieb er zum letzten Male. Seitdem für seine greisen Eltern verschollen.

72) Die Geschwister Pavesch vermissen seit 1858 ihren Bruder Karl Pavesch. Derselbe, geboren 1830, fuhr mit seinem siebenzehnten Jahre als Schiffsjunge, später als Schiffsschreiber auf verschiedenen amerikanischen Handelsschiffen. Die letzten Briefe datiren aus London und aus Bombay.

73) Martin Christoph Ommen, geboren zu Wittmund, 32 Jahre alt, welcher von Essen an der Ruhr im December 1881 die letzte Nachricht an seine Eltern gelangen ließ, wird aufgefordert, seinen jetzigen Aufenthaltsort anzugeben.

74) Karl Höpker aus Wiesbaden hat seit August 1880, wo er aus Glasgow schrieb, nichts von sich hören lassen und wird hiermit aufgefordert, Erbschaftsangelegenheiten halber seine Adresse der Redaction der „Gartenlaube“ zukommen zu lassen.

75) Heinrich Ellerbrock, 1857 in Kleinborstel bei Hamburg geboren, im Waisenhause erzogen, ging, nachdem er einige Zeit bei einem Krämer gelernt, im Jahre 1871 zur See. Seitdem ist er verschollen. Einem ungewissen Gerüchte nach soll er sich in Montevideo aufgehalten haben. Ihn sucht seine Schwester.

76) Ende der 1840er Jahre wanderte aus Schwersenz bei Posen Karl Klose nach Australien aus, beschäftigte sich dort mit Goldgräberei und hinterließ bei seinem ungefähr 1860 erfolgten Tode ein Vermögen von circa 40,000 Dollars. Auf einen in den Zeitungen 1874 erfolgten Aufruf hin übergaben die in Lodz in Russisch-Polen wohnenden Verwandten einem Neffen des Verstorbenen ihre Papiere zur Erhebung des Vermögens. Dieser Neffe gab als seinen Wohnort. Adelaide an; er konnte aber vom Cousulat dort nicht aufgefunden werden. Warum? Vielleicht kann von einem Leser der „Gartenlaube“ der Wohnort des Verstorbenen oder des Neffen ausfindig gemacht werden.