Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Vermißte
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, 20, 30, 34, 42, S. 271–272, 338–339, 504, 568, 707–708
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[271] Vermißte. (Fortsetzung von Nr. 35 des Jahrgangs 1881.) Wir wiederholen hier, daß alle Nachfragen nach den in den Vereinigten Staaten von Nordamerika Vermißten nur auf den Umschlägen der Heftausgabe für Nordamerika abgedruckt werden.

1) Alexander Gustav Ronneberger, Barbiergehülfe aus Grimma, den 19. August 1860 geboren, hat sich im März 1879 nach Hamburg und im Herbst desselben Jahres nach London begeben, wo er bei M. W. Brand (Blackman-Street 41, Borough S. E. London) in Arbeit gestanden und von wo er am 10. October 1880 zum letzten Male geschrieben. Er soll früher den Wunsch, nach Australien zu reisen, geäußert haben.

2) Ein Vater, der vor dem siebenzigsten Jahre steht, sucht seinen Sohn, der ihm von sechs Kindern allein geblieben und von dem er seit 1866 keine Nachricht mehr hat. Dieser Sohn ist der Schlossergeselle Ernst Julius Porzig aus Altenburg, jetzt 34 Jahre alt. Er arbeitete auf der Wanderschaft durch Deutschland zuerst in Crimmitschau, Essen und Hamburg. Von letzterem Orte aus schrieb er zum letzten Male, ohne Andeutung über etwaige weitere Reisepläne zu geben. Erst durch einen Mitgesellen erfuhr der Vater, sein Sohn habe nach Aegypten wandern wollen, und durch denselben später (1870), er sei in Jerusalem. Wie viel Wahres an diesen Nachrichten, ist leider bis jetzt unerkundet geblieben.

3) Ein Sohn sucht den Vater. Seit 1866 ist der Kaufmann Wisselinck, der in Aachen sein Geschäft hatte, für seine Familie spurlos verschwunden. In seiner Vaterstadt Wetzlar wohnt jetzt sein Sohn Gustav als Handschuhmachergehülfe und hofft endlich auf diesem Wege den Vater wieder zu finden oder wenigstens eine Nachricht über ihn zu erhalten.

4) Im September 1861 verließ der damals vierundzwanzigjährige Landwirth Julius Adolay aus Kirchheimbolanden (Rheinpfalz) Mutter und Geschwister zu Freiesheim bei Dürkheim, um nach Südamerika auszuwandern. Er war von kleiner, magerer Gestalt, aber von frischer Gesichtsfarbe, Augen und Haare braun, die Nase stark gebogen. Von Buenos Ayres gab er den Seinen Nachricht; Briefe gelangten stets an ihn „– p. adr. Signor Don Leon Vela, Calle Piedad 307“ daselbst. Im letzten Brief, vom 1. September 1871, äußert er den Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren. Seitdem ist jene Adresse vergeblich benutzt und nun über zehn Jahre vergeblich auf seine Heimkehr gewartet worden.

[272] 5) Der Tapezierergehülfe Rudolf Amelon aus Magdeburg, der am 8. December 1880 plötzlich sein elterliches Haus verlassen und seitdem vergeblich gesucht und zurück erwartet wurde, wird – sein Vater ist todt – von Mutter und Geschwistern um Nachricht und um seine Heimkehr gebeten.

6) Der in Seidnitz bei Dresden 1861 geborene Maximilian Angermann, ein Bursche von großer und starker Gestalt, gesunder Gesichtsfarbe, rundem Gesicht, blondgelocktem Haar und blauen Augen, hat sich aus der Lehre bei einem Küchenmeister in Dresden am 9. December 1877 heimlich entfernt und ist seitdem spurlos verschwunden. Die trostlosen Eltern bitten um Nachricht von ihm oder über ihn.

7) In tiefen Kummer versetzt ein Elternpaar das unheimliche Schicksal, das ihren Sohn in Paris betroffen: Ernst Balzar aus Neuwied, am 29. September 1859 geboren, befand sich als Handlungscommis bei I. L. Martini u. Comp. im Boulevard Magenta, wo er in den angenehmsten Verhältnissen lebte. Am Mittag des 1. Januar 1880 verließ er das Haus seines Principals, und seitdem ist, trotz aller Nachforschungen, an welchen sich die Pariser Polizei und die deutsche Gesandtschaft betheiligte, keine Spur von ihm zu entdecken gewesen. Vielleicht ist es Einem der vielen Deutschen in Paris möglich, Nachricht über ihn zu geben.

8) Der Stiftsherr zu Heilige-Leichnam in Danzig, Herr Ferdinand Drusendorff, sucht seinen Bruder Ernst Drusendorff, der, um 1839 zu Soldau in Ostpreußen geboren, 1853 zur See ging und 1873 aus Australien zum letzten Male geschrieben hat.

9) Max Cohn aus Oppeln, Seifensiedergehülfe, 1852 geboren, arbeitete zuletzt in Szitas-Keresztur in Siebenbürgen, von wo seit 1878, trotz eifrigster Nachforschungen, keine Nachrichten über ihn mehr von den betrübten Eltern zu erlangen waren. Letztere, jetzt in Leipzig (Brandvorwerk 89) lebend, warten noch immer auf seine Wiederkehr.

10) Aus Friedland in Mecklenburg geht uns die dorthin brieflich gelangte Nachricht zu, daß auf der Insel Sumatra ein Deutscher im Kriege gegen die Atchinesen tödtlich verwundet worden und im Lazareth gestorben sei. Sein Name war Daalenburg und er sollte aus Pommern stammen. Verwandten desselben können Adressen zu weiteren Erkundigungen mitgetheilt werden.

11) Eine verlassene Gattin sucht ihren Mann: den Techniker Johann (Jenicz) Dolezal aus Kuttenberg (Kotna Hóra) in Böhmen. Derselbe verheirathete sich mit Einwilligung seiner Eltern und standesamtlich 1875 zu Posen, lebte in glücklicher Ehe und schied im Sommer 1877 friedlich von seiner Frau, um sich in Oesterreich um eine Feldmesserstelle zu bewerben. Seitdem ist er verschollen; auch von dem Vater desselben, einem Maurermeister in Kuttenberg, hat die Frau keine Auskunft über ihren Gatten erhalten können[WS 1].

12) Aus Pforzheim nahm am Abend des 2. November 1876 ein junger Mann stillen Abschied, und zwar mit der ausgesprochenen Absicht, in den Tod zu gehen. Dies vertraute er brieflich von Karlsruhe aus seinem treuesten Freund, der uns das nachstehende Signalement mittheilt: „Gustav Heinrich Firnhaber, geboren in Stuttgart 1850, war Graveur und arbeitete früher in Stuttgart, Hanau, Genf und zuletzt in Pforzheim; er ist mittlerer Statur, hat bleiches Gesicht, dunkle Haare und Vollbart; er trug bei seinem Weggange dunkle Tuchkleidung und Winterüberzieher, spricht gut französisch und auch etwas italienisch.“ Der seitdem Vermißte lebte in guten Verhältnissen, hatte durch Geschicklichkeit, Fleiß und Sparsamkeit sich ein Vermögen erworben und vermachte bei seinem Weggange seine ausstehenden Ersparnisse seinen Eltern. Wieviel er selbst baares Geld mit sich genommen, ist nicht festzustellen. Der Freund glaubt nicht an den Tod desselben, und die armen betagten Eltern klammern sich an die Hoffnung des Wiedersehens dieses ihres einzigen Sohnes an, nachdem sie seinen Bruder in demselben Jahre durch den Tod verloren haben. Könnte doch die Hoffnung der unglücklichen Eltern erfüllt werden!

13) Zwei vermißte Söhne des Schauspielers Fernau: Johannes Fernau, im April 1844 zu Rostock geboren, zuletzt Matrose auf dem Hamburger Schiff „Louis Napoleon", zeigte 1863 von Belfast, wo sich sein Schiff zur Weihnachtszeit befand, dem Vater an, daß dasselbe nach Mexico bestimmt sei. Seitdem ist er verschollen, und alle Nachfragen beim deutschen Consulat in Vera-Cruz, bei dem Hamburger Rheder etc. blieben erfolglos. – Dasselbe Schicksal traf Emil Fernau, der, im September 1847 zu Stettin geboren, ebenfalls Matrose, eine Zeitlang in Callao (Peru) unter dem Namen „Harry Carsten“ in dem Mercantile House Mr. O’Connor u. Comp. in Dienst stand, dann wieder zur See ging und nichts mehr von sich hören ließ.

14) Eine arme 67 Jahre alte Mutter in Leoben (Steiermark) sucht ihre Tochter: Marie Gambbelsberg. Im Jahre 1841 geboren, mußte sie, als Kind vermögensloser Eltern, schon früh in die Welt, um sich selbst zu erhalten. Sie diente zuletzt als Köchin bei einer Herrschaft in Graz, besuchte von da 1872 ihre Mutter in Leoben, als diese aber im März des folgenden Jahres die Tochter in Graz aufsuchen wollte, war dieselbe nirgends mehr zu finden, auch die Nachforschung der Behörden vergeblich gewesen. Sollte keine Spur von diesem als mittelgroß, untersetzt und brünett geschilderten Mädchen zu finden sein?

15) Rudolph Goldfriedrich, Seemann, 1852 geboren, lebte mit Eltern und Geschwistern in Petersburg, besuchte dort ein Gymnasium und fuhr im August von Libau (Kurland) auf einer russischen Brigg, Cap. Böwadt, nach Schottland, dann auf einer preußischen Briggs, Cap. Bünning, nach Westindien und kam mit diesem Schiffe wieder nach England zurück. Im Jahre 1868 befand er sich auf dem englischen Schiff „Jane Butcher“, Cap. Snock, machte mit demselben eine Reise nach Gibraltar und kam von da nach Liverpool zurück. Daselbst erhielt er auf dem Contor der Rhede des Schiffs (Mssrs. Strong, Reid und Paze, Chapel Walks-Castle Str.) seine Löhnung und nahm zugleich einen Brief der Seinen in Empfang, die Antwort auf einen Brief, den er von Gibraltar aus an dieselben geschrieben hatte. Seitdem ist seine Spur verschwunden.

16) Ein zwanzigjähriges Dienstmädchen, Amalie Therese Hesse aus Zschorna bei Radeberg, das zuletzt, vom December 1881 bis 1. Januar 1882, in Neu-Ostra bei Strehlen (Dresden) gedient, hat sich, angeblich um einen andern Dienst zu suchen, von da entfernt und ist seitdem verschollen. Ihre arme Mutter, eine Arbeiterin auf dem Rittergute Zschorna, befürchtet, ihre Tochter möchte, von falschen Vorspiegelungen verlockt, in die Hände gewissenloser Agenten gefallen sein, aus denen bekanntlich die Rettung so schwer ist.

[338] 17) Ein in Berlin verschwundener Gymnasiast! Karl Knetter, am 8. März 1866 zu Czattkau bei Danzig geboren, wohnte seit 1876 bei seinen Eltern in Berlin, besuchte das Friedrich Werder’sche Gymnasium und zählte zu den ersten Schülern seiner Classe. Am 1. März 1881 hat derselbe sich wie gewöhnlich zur Schule begeben, ist nach Schluß derselben noch mit mehreren Mitschülern bis zum Königsplatz gegangen – und von da an ist keine Spur mehr von ihm zu finden. Der Vater des Vermißten, Karl Knetter, ist Portier bei der badischen Gesandtschaft in Berlin, Behrenstraße 70. Der Vermißte war an jenem 1. März mit einem grauen sogenannten Kaisermantel, blauem Rock und dunkler Hose bekleidet und trug einen runden grauen Hut und Schaftstiefel, welche an den Spitzen mit Eisenblech beschlagen waren. Größe etwa 1,53 Meter, Wuchs etwas schmächtig, Haare dunkelblond, Augen blau, Gesichtsfarbe blaß. – Eltern, Behörden, Private und Tagespresse haben seit einem Jahr das Mögliche zur Erspürung des Verschwundenen gethan.

18) Am 29. December 1877 nahm die Wittwe Johanna Louise Heinze geborene Kirchheim aus Stadt-Ilm, welche zum Besuche aus Kiew gekommen war, die beiden Mädchen Anna Bartholomaeus, geboren den 25. Mai 1863, und deren Freundin, Ida Stief, geboren den 18. December 1861, mit nach Kiew, woselbst sie bei dem Schwiegersohn [339] der Heinze, Herrn Karl Bouillon, Fleischwaarenhandlung und Wurstfabrik in Kiew im Hause Ritscheff auf Kritschatik, in Dienst gingen. Seit Ende des Jahres 1880 sind beide Mädchen aus diesem Dienste ausgetreten. Nach den letzten, Ende vorigen Jahres eingegangenen Nachrichten befanden sich beide Mädchen noch in Kiew, und zwar die Anna Bartholomaeus im Dienste bei Petschärski und Esplonatna, Straße Nukolska, Haus Urbanski, obere Etage. Seitdem sind keinerlei Nachrichten von den beiden Mädchen an ihre Angehörigen gelangt. Ein am 25. April vorigen Jahres an die Anna Bartholomaeus abgesandter Brief kam als unbestellbar zurück. Jede Auskunft über die Vermißten würde die Angehörigen derselben zum größten Danke verpflichten.

19) Die etwa 20 Jahre alte Constanze Auerswald aus Leipzig, welche 1878 ihre Heimath verließ, als Erzieherin bei einer englischen (?) Familie 1879 in Palermo verweilte und dann nach Paris gegangen sein soll, wird von ihrer Mutter um Nachricht und Heimkehr gebeten.

20) In einer Maurerfamilie in einem Dorfe bei Leipzig ist ein Kind in Pflege gegeben, das am 23. August 1878 zu Buttelstädt im Weimarischen das Licht der Welt erblickte. Der Pfleger desselben bittet die Mutter, Hedwig Marie Hertzer aus Heidelberg (deren es 7 giebt), und ebenso deren ehemaligen Dienstherrn, Herrn Dr. von Breda, der von Buttelstädt nach London gezogen sein soll, um freundliche Mittheilung ihrer dermaligen Adressen.

21) Seit October 1879 befindet sich der jetzt 26 Jahre alte Glasergeselle Johann Heinrich Karl Dommrich aus Nordhausen auf der Wanderschaft, ohne daß seine in schwerer Angst und Sorge um ihn lebenden Eltern bis jetzt eine Kunde von ihm oder über ihn erlangt haben. Er hatte damals die Richtung über Hannover nach Hamburg eingeschlagen.

22) Albin Feodor Engelmann, aus Nebra an der Unstrut, geboren den 8. Februar 1848, ging im Juni 1864 von Blankenese auf dem Schooner „Doranna“, Capitain Bener, nach Rio Grande, soll aber auf dem Rio Plata im Staate Corrientes vom Schiffe desertirt sein. Erst 1869 kam von ihm die Nachricht, daß Briefe ihn unter der Adresse: „Signor Don Guillamo Jolé, Bucco, s. Montevideo“ treffen würden. Seitdem ist auf keinen Brief eine Antwort und trotz aller Bemühungen unserer Consuln keine Kunde mehr über ihn zu den Seinen gekommen.

23) Ein alter Vater ruft hiermit seinen nunmehr neunundzwanzigjährigen Sohn, der ihm die Freuden der Wanderschaft zu lange genießt, während er ihm eine Stütze in Haus und Werkstatt sein könnte, an den heimischen Herd zurück. Dieser Sohn ist der Schmiedegeselle Johann Gottfried Greubel aus Kissingen, der am 15. August 1876 seine Wanderschaft antrat, sich nach alter guter Handwerksburschensitte im In- und Auslande, in Baiern, in der Schweiz und in Italien umsah und arbeitete und zuletzt im September 1878 aus Saarbrücken heimschrieb. Vielleicht treffen ihn diese Zeilen und mahnen ihn als ein Gruß aus dem alten Kissinger Vaterhause.

24) Eine 74 Jahre alte Mutter in Ungarn, die Wittwe Katharina Gutter zu Szegszard im Tolnaer Comitat, sucht ihre letzte Stütze im Alter, ihren einzigen Sohn, August Gutter. Derselbe weilt seit 1865 in Südamerika, wurde 1875 vom k. k. Consulat im Staate Buenos Ayres, auf einer Farm bei der Stadt Carmen de las Flores, aufgefunden und stand nun mit seiner Mutter in Briefwechsel bis 1878, wo er ihr einen längeren Brief versprach. Seitdem wartet die arme Frau vergeblich auf eine Nachricht.

25) Der jetzt 30 Jahre alte Seemann Georg Ludwig Hermann ging am 20. Januar 1872 von Glückstadt aus einem amerikanischen Vollschiff nach Valparaiso in Chile und schrieb gleich nach seiner Ankunft; ein zweiter Brief, datirt Coronel den 13. März 1874, kam am 24. Juni in die Hände der Seinen, und seitdem hörte man nichts mehr von ihm. Die Eltern wohnen in Salzwedel.

26) Der Zimmergeselle Ernst Eckarius aus Ernstroda bei Friedrichroda in Thüringen hat vor drei Jahren das elterliche Haus verlassen, im (wir dürfen gestehen: gerechten) Zorn über seinen Vater. Von Naumburg an der Saale aus schrieb er damals den Seinen, sie möchten seine Kleider und Habseligkeiten verkaufen, da er nicht wieder nach Hause kommen werde. Ein Arbeiter aus Brotterode sah ihn später in Leipzig und vermuthete, daß er nach Hamburg und von da vielleicht nach Amerika gegangen sei. Ihn, ihren einzigen Sohn, bittet seine arme Mutter nun, wo sein Vater gestorben und ihm selbst ein kleines Erbtheil zugefallen, dringend, zu ihr zurückzukehren und die Freude und der Schutz ihres Alters zu sein.

27) Der Uhrmacher Karl Ludwig Krauth, geboren am 12. März 1825 in Dresden, in der französischen Schweiz in seinem Beruf ausgebildet, hat acht Tage vor Weihnachten 1880 auf der Polizei zu Dresden nach der Adresse seiner Mutter geforscht, ohne diese selbst zu finden. Die 81jährige Greisin möchte so nahe vor ihrem Ende den so lange Vermißten noch einmal wiedersehen. Ihre Adresse ist: Fr. Johanna Sophie Praßer, Dresden, Webergasse 28, II, im Hintergebäude A.

28) Eine Erbschaft von etwa 800 Mark steht für zwei Geschwister bereit, die bisher obrigkeitlich vergebens gesucht wurden. Es sind die ledige Pauline Lamm, geboren zu Grottkau am 15. Juni 1850, und der Gärtnergehülfe Adolf Lamm, geboren ebendaselbst am 27. Mai 1952, Beide Kinder eines Kutschers. Der nach ihnen sucht, ist der zum Erbschaftspfleger bestellte Seilermeister F. Berger in Neufalz a. d. Oder.

29) Wieder eine alte, achtzigjährige Mutter, eine arme Wittwe in Trebur (Provinz Starkenburg im Großherzogthum Hessen), welche ihren einzigen Sohn sucht: Peter Lösch, der sich in seiner englischen Adresse Losh schreibt. In seinem letzten Briefe vom 11. Februar 1865 nennt er seinen Wohnsitz „Kyamba bei Jareutta“ in Neu-Süd-Wales. Die unrichtigen Adressen spielen eine starke Rolle in unserem Vermißtenwesen; so sind auch die Briefe unter dieser Adresse ohne Antwort geblieben. Da aber Peter Lösch ein braver, gutherziger Sohn war, der seine Mutter stets nach Kräften unterstützt und ihr auch mit dem letzten Brief wieder zehn Pfund Sterling geschickt und dazu versprochen, nun bald, gleich seinem Freund Fz. Kinz aus Mainz, nach Deutschland zurückzukehren, so ist hier böswilliges und trotziges Schweigen nicht vorauszusetzen. Lösch ist 1835 geboren, lernte als Schneider in Darmstadt und ging 1857 nach Australien, wo er zuerst Schäfer, dann Koch bei einem Mr. John Smith wurde, in welcher Stellung er sich 1865 noch befand.

30) Noch einmal derselbe Fall! Die Wittwe Meyer in Minden hat einen Sohn, Gustav Meyer, der, jetzt neunundzwanzig Jahre alt, seit November 1875 bei Adelaide in Süd-Australien lebt. Sie nennt seinen Aufenthaltsort: „Gentia“. Seit zwei Jahren sind drei Briefe mit dieser Adresse ohne Antwort geblieben. Es müßte ein Wunder von Zufall sein, der uns diesen Verschollenen finden ließe. Dennoch erfüllen wir den Wunsch der alten Mutter; es ist ja ihr letzter Trost.

31) Karl Meyer, geboren am 12. Juli 1848 zu Eppinghafen bei Mülheim an der Ruhr, jüdischer Confession, gelernter Kaufmann, Statur: groß, schlank; Haare: schwarz, kraus; Augen: groß, braun; er trug eine Brille. Am 1. September 1866 reiste er nach Amerika und am 21. December 1867 von New-York nach Brasilien. An diesem Tage gingen von New-York zwei Schiffe ab mit Namen: „the Red Republican“ und „the Guiding Star“; es war nicht zu ermitteln, mit welchem er abgereist; beide Schiffe sind glücklich in Brasilien angekommen, aber seit dieser Zeit ist kein Lebenszeichen von K. Meyer zu den Seinen gedrungen.

[504] 32) Die Verwandten eines Tobten werden gesucht. Am 21. Mai 1877 wurde dem Vorstande der kleinen evangelisch-lutherischen Gemeinde in der russischen Kreisstadt Jelez, im Orelschen Gouvernement, Herrn E. Jansen, die Anzeige gemacht, daß im Hospital ein schwererkrankter fremder Deutscher liege. Er fand denselben in hoffnungslosem Zustande, doch erfuhr er noch von ihm, daß er Karl Müller heiße, Schlosser und auf der Reise von (oder nach, es war nicht mehr zu verstehen) Moskau sei, daß eine Schwester von ihm als Schauspielerin in Königsberg (wahrscheinlich in Preußen) lebe und er von gut situirten Verwandten Geldbriefe erwarte, die man vielleicht unterschlagen habe. Wo er geboren, sagte er nicht. Er starb, nachdem ihm der lutherische Prediger das Abendmahl gereicht, nach wenigen Tagen und wurde auf dem russischen Friedhof von Jelez begraben. Hat diesen Karl Müller Niemand vermißt?

33) Zu Ostern 1878 ist der Schieferdecker Otto Müller von Schellenberg in Sachsen, wo er die Stütze seiner verwittweten Mutter und seiner jüngern Geschwister war, abgereist, zuletzt in Bodenbach gesehen worden und seitdem für die Seinen verschwunden.

34) Im russischen Gouverment Saratow, und zwar, wie der Ort in den Briefen geschrieben ist, in „Samolet-Sadon Alexnew“ (?!), lebte noch im April 1874 ein im Jahre 1840 zu Gotha geborener Tapezier Ernst Otto Müller, von dem seine Mutter, eine Wittwe in Gotha, seitdem nicht die geringste Kunde erlangen konnte.

35) Der Schlosser Andreas Noack aus Bautzen, am 23. Februar 1851 geboren, hat, laut Mittheilung der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Actiengesellschaft, vom 5. August bis zum 8. December 1873 auf dem Bremer Dampfschiff „Schmidt“ als zweiter Maschinisten-Assistent gedient. Als solcher schrieb er am 4. Januar 1874 an seine Mutter und ist seitdem verschwunden und trotz aller obrigkeitlichen Bemühungen noch nicht aufzufinden gewesen.

36) Emil (Julius August) Müller, Seemann, den 4. November 1847 in Stettin geboren, schrieb zuletzt am 22. April 1878 von Dunedin auf der Insel Neu-Seeland, daß er auf einem Auckland-Dampfschiff Fahrten zwischen Dunedin und Sydney gemacht, aber, da das Schiff verkauft werde, nach Auckland zurückkehren werde, wohin Briefe an ihn (unter der Adresse „William“ Müller) „Eingeschrieben“ gerichtet werden möchten. Dies geschah, aber weder von dem Sohn, noch von dem deutschen Consul in Auckland kam eine Antwort an die angstvoll harrende Mutter des Vermißten.

37) Ein Karl Gustav Louis Albert Müller ist am 9. Januar 1850 zu Szarde, Kreis Memel geboren, als Maurer im März 1875 von Berlin aus nach Rußland oder in die Türkei gegangen, um sich bei Bauunternehmungen als „Architekt“ zu betheiligen – soll auch in Odessa gesehen worden sein. Aber wo nun?

38) Ein jetziger Seemann, Oswald Waldemar (Oscar) Schulze, aus Koberziniz bei Libus in Polen, am 28. December 1843 geboren, wurde in Bromberg erzogen, begab sich 1859 nach Danzig zur königlichen Marine, diente bis zum Matrosen zweiter Classe und ging im Mai 1866 von der „Bineta“, Capitain Kruhn, ab. Am 15. November 1871 reiste er nach Melbourne ab, machte dort am 25. Januar 1872 sein Steuermanns-Examen und erhielt am 28. sein Steuermanns-Patent. Seit dieser Zeit bekam seine Mutter alle recommandirten Briefe an ihn als unbestellbar zurück, und dennoch richtete Schulze im Jahre 1873 in einem Briefe, welcher einem andern an den Herrn Prediger Serna in Bromberg beigelegt war, die Frage: „ob sie todt sei?“ und die Bemerkung: „wenn er wieder keine Antwort bekäme, so möge sie annehmen, er sei für sie todt.“ Nun schrieb die Mutter sofort unter der neuen Adresse, und abermals kommt, nach sechs Monaten, der Brief als unbestellbar zurück.

39) Robert Peschke aus Kayna bei Zeitz, Seemann, jetzt 31 Jahre alt, ging 1875 mit der Corvette „Louise“ in See, die er krankheitshalber in Rio de Janeiro verließ, diente dann auf einem englischen Schiff und schrieb im Hochsommer 1876 aus Liverpool, daß er nach Buenos-Ayres fahren werde. Seitdem ist er verschollen.

40) Der Bäckergeselle Gottlieb Sauer, 1843 in Nordenburg (in Ostpreußen) geboren, ging als Wanderbursche 1869 in die Türkei, kehrte 1870 zurück, um als Reservist beim Train (als Bäcker in der Ersatzreserve I) den Feldzug in Frankreich mitzumachen, soll dann in oder bei Stettin gearbeitet haben. Sein Bruder Julius in Neuwied sucht ihn.

41) Eine arme Lehrerwittwe, deren Gatte am 7. September 1881 gestorben ist und ihr außer einem erwachsenen Sohn noch vier unversorgte Kinder hinterlassen hat, sucht diesen Sohn als die einzige Stütze in ihrer Noth und Verlassenheit. Derselbe, Constantin Sauter, aus Luisendorf bei Cleve, jetzt 24 Jahre alt, Mechaniker, arbeitete über vier Jahre in Pforzheim in einer Werkzeugsfabrik (Insel), schrieb vor Jahresfrist den Seinen, daß er nach Oesterreich gehe, um in Wien Stellung zu suchen, und ist seitdem verschollen. Auch die kaiserliche Gesandtschaft hat vergeblich nach ihm geforscht. Sauter ist groß und schlank von Gestalt blondhaarig; sein linkes Auge ist durch eine Stahlsplitterverwundung besonders kenntlich. Könnte Sauter vom Tode seines Vaters Kunde erhalten, so würde er ohne Säumen zu seiner unglücklichen Mutter heimkehren.

42) Johannes Schad, bis Anfang 1881 Kellner in Berlin, von wo er am 15. Januar zum letzten Male geschrieben, wird von seiner Mutter (in Aue bei Schmalkalden) gesucht.

43) Vor 27 Jahren ist der Kattundrucker Christian Eduard Schick aus Glauchau (Sachsen) nach Brasilien ausgewandert; er wird von seinem Bruder Karl gebeten, Nachricht zu geben.

44) Der Schlosser Ernst Robert Emil Schneider aus Magdeburg hat sich vor vierthalb Jahren auf die Wanderschaft begeben und seitdem kein einziges Mal an seine Eltern geschrieben. Indeß ist sein Vater gestorben; die Mutter bittet den Sohn um eilige Heimkehr.

45) Der ehemalige Gymnasiast Albert Schneider aus Bunzlau in Schlesien, ein junger Mann von 20 Jahren, etwa 1,60 Meter groß, mit dunklem Kopfhaar, untersetzter Gestalt, ist auf einer Reise von Regensburg heimwärts bis Görlitz gekommen und seitdem verschwunden. Die armen Eltern bitten dringend, ihnen den einzigen Sohn auffinden zu helfen.

46) Karl Nüsch aus Schwerin hat, als Schneidermeister in Genf wohnend, vor zwölf Jahren zum letzten Mal an seine jetzt im achtundachtzigsten Jahre stehende Mutter geschrieben. Die Greisin fragt, was aus ihrem Sohn geworden sei?

47) Hermann Pohle, Buchbindergehülfe aus Oltschütz bei Wurzen in Sachsen, lernte und arbeitete in Leipzig, von wo aus er am 10. Mai 1873 sich über Jena nach Stuttgart begab. Seitdem fehlen alle Nachrichten über ihn. Seine arme kranke Mutter und sein Vater, vom Tagelohn in Stünz bei Leipzig lebend, befürchten, daß der Vermißte ausgewandert sei, aber wohin?

[568] 48) Der Techniker und Telegraphist, Vincenz Hübsch, 1850 in Prag geboren, war bei der privilegirten österreichischen Nordwestbahn von 1872 bis 1874 Beamter, von 1875 bis 1877 Calculant des obersten Rechnungshofes und ist seit dem 13. Mai 1877 verschwunden. Er war von mittlerer Größe, untersetzt, hatte kastanienbraune Haare, dunkelblonden Vollbart, im Knöchel des linken Fußes eine veraltete Luxation.

49) Doppelt zu beklagen als arme Wittwe und unglückliche Mutter ist Frau M. Wandt in Schneidemühl, die ihre einzige Stütze, ihren Sohn, nun schon seit vier Jahren vergeblich aus unbekannter Fremde zurückerwartet. Dieser Vermißte, Hermann Wandt, geboren den 1. September 1854 zu Greifswald, wo sein Vater Nagelschmiedemeister war, wanderte als Tapezierer und Decorateur 1878 nach Nordhausen und schrieb von da, daß er nach Berlin gehen wolle. Von dieser Zeit an ist keine Nachricht mehr weder von ihm noch über ihn zu erlangen gewesen. Bei der Berliner Polizeibehörde war er nicht angemeldet worden. Man vermuthet nun, daß er nach Rußland gegangen sei. Der noch nicht achtundzwanzigjährige junge Mann hatte, als er seine Mutter verließ, ein bleiches Aussehen und trug keinen Bart; er ist blondhaarig. Vielleicht haben unsere Leser in Rußland das Glück, ihn dort zu finden und ihm diese Zeilen mitzutheilen.

50) Der Schuhmachergehülfe Moritz Wartenberg aus Dresden, 1855 geboren, ein junger Mann von mittlerer Größe, blondhaarig und mit etwas gekrümmten Beinen, ging 1876 nach Stuttgart, reiste von da ab, ohne den Seinen darüber zu schreiben, und ist seitdem verschollen. Er wird von seinem alten Vater gesucht.

51) Friedrich Waschmann, Sohn des verstorbenen Dr. Rudolf Waschmann auf Windheim in Kurland, ging, weil sein Fortkommen dort aussichtslos war, im Oktober 1862, achtzehn Jahre alt, als Seemann mit einem Dampfer von Memel nach England und ist seitdem verschollen, während beim Magistrat von Libau ein Erbe von 15,000 Silberrubel auf ihn wartet. Seine Geschwister leben noch.

52) Aus Oberspaar bei Meißen in Sachsen ging August Wolf als zwanzigjähriger Zimmermannsgeselle nach Hamburg und von da nach Australien. Dort kaufte er sich ein Landstück in, wie uns geschrieben wird, „Lonigbek bei Gobanton“, von wo zwei Briefe, im November 1871 und im August 1876, an seinen nun achtzigjährigen Vater kamen. Im letztern Briefe, von anderer Hand, steht, daß er vollständig erblindet sei, und daß seine Frau und die ältesten seiner sechs Kinder alle Arbeit allein verrichten müssen. Briefe unter obiger Adresse kamen seit 1876 theils als unbestellbar zurück, theils blieben sie ohne Antwort.

53) Ein anderer Zimmergeselle, Max Wolff, aus Berlin, geboren am 20. November 1861, ging am 2. März 1879 auf die Wanderschaft, schrieb seiner Mutter, einer Wittwe, am 9. November desselben Jahres, daß er über Straßburg, Metz, Luxemburg, Namur und Brüssel nach Antwerpen oder Amsterdam reisen wolle, um den Schiffbau zu lernen und dann zur See zu gehen. Das war sein letzter Brief. In ihrer Angst wandte sich die Mutter im März 1881 mit der Bitte um Erkundigung nach ihrem Sohne an den „Deutschen Hülfsverein in Antwerpen“ und erhielt am 30. März die Nachricht, daß Max Wolff am 14. April 1880 zum letzten Male Unterstützung von demselben erhalten habe. Sollte man in der holländischen Armee wohl den Namen kennen? Da ist wieder einmal einer Mutter die Stütze ihrer alten Tage zerbrochen.

54) August Wilhelm Wunderlich, aus Landwüst im sächsischen Vogtlande, geboren den 13. September 1846, stand 1877 bis 1880 im Dienst der Indo-Europäischen Telegraphen-Gesellschaft als Mechaniker, und zwar im Kaukasus. Einige Zeit war er in Suchum Kaleh, dann in Station Mineralwasser, zuletzt in Georgiewsk. Von da an schweigen die Nachrichten über ihn; auch der Oberingenieur E. Günzel in Tiflis konnte nur die Kunde geben, daß Wunderlich Mitte des Jahres 1880 den Dienst verlassen habe.

55) Der Seemann Hans Zinserling aus Erfurt wurde am 15. August 1881 als Bootsmann auf Sr. Maj. Schiff „Vineta“ in Port-Elizabeth, Capland, auf Urlaub entlassen und ist seitdem verschollen.

56) Der 1853 zu Dresden geborene Schreinergehülfe Franz Zwintscher begab sich 1872 auf Wanderschaft nach der Schweiz, schrieb 1874 und zuletzt 1877 aus Basel und ist seitdem von seinen Eltern vergeblich gesucht worden.

57) Aehnliches haben die Eltern Hartwigsen in Meyn-Mühle bei Wallsbüll im Kreise Flensburg zu beklagen. Ihr achtzehnjähriger Sohn Andreas Lorenz Hartwigsen diente als Knecht bei einem Bauern in Hochstedt, verließ diesen am 29. Mai 1880, wurde zuletzt noch auf der Station „Nordschleswigsche Weiche“ bei Flensburg gesehen, auf dem Zuge nach Süden, und seitdem nicht wieder. Der junge Mensch ist von mittlerer Statur, blondhaarig und besonders kenntlich an den auf die linke Hand tättowirten Buchstaben A. H. und an einem Muttermale am rechten Unterarme.

58) Eine unglückliche Frau sucht ihren verschollenen Gatten, Johann Kündig aus Augsburg, der, nach dem Aufgeben seiner eigenen Fabrik, sich in die Schweiz begab, um eine Stelle als Werkmeister in einer Weberei anzunehmen. Er wollte, sobald ihm dies geglückt, seine Familie nachkommen lassen. Leider schien ersteres nicht der Fall gewesen zu sein; denn nach längerer Zeit überraschte die Gattin ein Brief aus Liverpool, nach welchem ihr Gatte an einer dortigen Maschinenfabrik Stellung gefunden, aber auch den Auftrag erhalten habe, erst in Brasilien, dann in Indien neue Fabriken anzulegen. Von Brasilien aus wollte er wieder schreiben. Da nun aber wieder eine lange Zeit vergangen ist und die mit ihren Kindern verlassene Frau weder die Firma in Liverpool noch den Namen der betreffenden brasilianischen Stadt kennt, so muß sie, das Schlimmste befürchtend, die Hülfe der Oeffentlichkeit zur Auffindung des Vaters ihrer Kinder in Anspruch nehmen.

59) Der Bruder einer armen Näherin, Tischler Gustav Hermann Geißler, am 7. April 1839 in Bautzen (Sachsen) geboren, arbeitete zuletzt in Düsseldorf am Rhein, wo er Bolkerstraße 20 gewohnt hat. Der letzte Brief an seine Schwester ist vom März 1876 datirt; die Antwort derselben kam am 29. April 1877 mit dem Postvermerke zurück: „Auch mit polizeilicher Hülfe nicht zu ermitteln.“

60) Gustav Neumann, ein Müller, geboren den 10. September 1849 zu Groß-Hoppenbruck, Kreis Heiligenbeil in Ostpreußen, ging im Sommer 1870 auf die Wanderschaft, war bis zum Herbst 1872 in Berlin bei einem Kaufmann Sommer, soll dann nach Süddeutschland, nach anderer Vermuthung nach Amerika, abgereist sein und ist seitdem verschollen.

61) Lebt in Punta Arenas, Mina Martha, im chilenischen Territorium Magallanes, ein Maschinenbauer Rudolf Schultz aus Berlin? Er ist 1859 geboren und reiste 1880 über Bremen nach Südamerika.

62) Den jetzt etwa vierzigjährigen Kaufmann Theodor Frömel aus Wenden in Ostpreußen bittet sein Bruder in Berlin (Lindenstraße 63, III.) um Heimkehr.

63) Vor etwa zwanzig Jahren verließ der Kaufmann Matthäus Schumacher die Stadt Chur in der Schweiz; inzwischen sind alle Glieder seiner Familie gestorben bis auf seine Tochter Katharina, die einst sein Liebling war.

64) Ob sich wohl Jemand noch des Seemannes Ludwig Bähre erinnert? Er stammte aus Groß-Goltern in Hannover, besuchte die Schule in Bremen, von wo er als Steuermann eines Kauffahrers in See ging, ohne, stürmisch und leichtlebig, wie er als junger Mensch war, je wieder nach den Seinen zu fragen. Jetzt, da er ein höherer Fünfziger geworden, erfreut es ihn vielleicht, von einem Neffen in Wesel zu hören.

65) Der Nagelschmied Gottfried Hermann Bork aus Scharnikan bei Posen, den 20. December 1837 geboren, kam auf seiner Wanderschaft 1867 nach Hamburg, von wo er zum letzten Mal schrieb und wohin ihm sein Taufschein nachgeschickt wurde. Jetzt fragt seine Schwester Auguste in Berlin nach ihm.

66) Ebenfalls eine schwesterliche Nachfrage ergeht nach Hermann Goedecke aus Magdeburg, welcher 1866 Deutschland verlassen, sechs Jahre in Algier in der Fremdenlegion gedient und, zuletzt aus dem Lazareth daselbst (1873) geschrieben hat, daß er nach Brasilien reisen werde. Seine Schwester lebt zu Rositz in Sachsen-Altenburg.

67) Eine Mutter, welche in kurzer Zeit ihre vier Töchter von sieben, siebenzehn, neunzehn und einundzwanzig Jahren verloren und indeß Wittwe geworden, sucht ihren einzigen Sohn schon seit Jahren vergeblich auf allen Meeren. Egydius Friedrich Georg Kleeblatt aus Oedenburg in Ungarn, der sich auch Georg Kossuth genannt, diente vom April 1859 bis 1862 als Matrose auf verschiedenen Schiffen, trat am 25. April 1862 wieder eine Reise nach St. Jago in Cuba an und schrieb am 25. December desselben Jahres aus Marseille um Verlängerung seines Passes zu einer Fahrt nach Valparaiso. Von da am 5. März 1863 zurückgekehrt, theilte er den Seinen seinen Vorsatz mit, sich von Neuem zu verheuern. Das ist die letzte Nachricht von ihm. Um seine Spur zu finden, ließ die bekümmerte Mutter mit großen Opfern alle Schiffskataloge und Mannschaftsbücher in Marseille revidiren und Aufrufe in amerikanischen und englischen Blättern ergehen – aber Alles vergeblich! Nun setzt sie ihre letzte Hoffnung auf die „Gartenlaube“. Sollte vielleicht doch Einer von unseren Lesern an den fernen Oceansgestaden dem Verschollenen begegnet sein?

68) Der Schweizer Franz Huber aus Oberwyl bei Bremgarten im Aargau hat sich, in Liebe und Frieden von den Seinen scheidend, erst nach Lausanne und von da nach Marseille begeben, seit 1876 aber die Seinen ohne Nachricht gelassen, während daheim ihm eine ansehnliche Erbschaft zugefallen ist.



[707] 69) Der Sohn einer Wittwe, Robert Fromm aus Berlin, am 24. December 1850 geboren, früher als Jockey im königlichen Marstall dienend, verließ Berlin 1871, schrieb ab und zu aus Belgien, und zum letzten Male, am 12. Juli 1877, aus Wittleria auf dem Cap der guten Hoffnung. Auf Nachforschungen durch das „Auswärtige Amt“ des Reichs erfolgte am 25. April 1879 die Mittheilung, daß Fromm als Polizeibeamter im Caplande angestellt und gesund sei. Dennoch blieben die Briefe der Mutter unbeantwortet, weshalb sie sich an die britische [708] Gesandtschaft in Berlin wandte. Von dieser erhielt sie am 16. Juni dieses Jahres den Bescheid, daß ihr Sohn seit dem 15. April 1880 aus seinem Dienst entlassen und jetzt nicht zu ermitteln sei.

70) Eine Mutter in Czernowitz (in der Bukowina) lvartet vergeblich auf die Heimkehr ihres nun einundzwanzigjährigen Sohnes. Denselben, Markus Hutschneker, trieb es im letzten russisch-türkischen Kriege während der Belagerung von Plewna (1878) als siebenzehnjährigen Untergymnasiasten auf den Kriegsschauplatz. Er schrieb zuerst von Alexandri in Rumänien, dann, gegen Ende des Jahres, aus der Festung Rustschuk in Bulgarien.

71) Der im Jahre 1865 von Breslau fortgewanderte Tischlergeselle Gustav Wilhelm Igel wird aufgefordert, behufs Erhebung einer Erbschaft, seinen jetzigen Aufenthalt dem königlichen Amtsgericht zu Breslau anzuzeigen.

72) Ein Sohn deutscher Eltern aus Ludwigslust in Mecklenburg, der in St. Petersburg geborene Friedrich Ludwig Meyer, lebte dort als Inhaber eines Uhrengeschäfts, hat aber – nach Mittheilung des deutschen Consulats – St. Petersburg zu Anfang Juli 1880 verlassen, um sich nach Deutschland zu begeben, und ist seitdem verschwunden.

73) Sollte der vor dreißig Jahren nach Melbourne in Australien ausgewanderter Adolf Perzel, der vor achtzehn Jahren zum letzten Mal geschrieben, oder dessen einziger Sohn noch leben, so bittet der alte Bruder Perzel’s um Nachricht durch die „Gartenlaube“.

74) Der Seemann Jürgen Priehn aus Rendsburg fuhr vor etwa achtzehn Jahren mit einem Schiffe von Nord-Amerika nach Australien, ließ sich in Queensland nieder und schrieb von dort vor zwölf Jahren zum letzten Mal an die Seinen. Seine sechs Geschwister bitten um Nachricht von ihm.

75) Der Sohn eines Magdeburger Handelsmanns, Fritz Röber, den 24. December 1850 in der Vorstadt Sudenburg geboren, war im Geschäft seines Vaters thätig, als er sich plötzlich, am 9. Januar 1878, ohne jede äußere Veranlassung, aus dem elterlichen Hause entfernte. Er hatte sich von Dammdorf, wo er Geschäfte verrichten sollte, nach Braunschweig begeben. Seitdem ist keine Spur mehr von ihm zu finden gewesen. Er ist ein Mann von schlanker Gestalt, gesundem, vollem Gesicht, mit stark aufgeworfenen Lippen, bartlos, hat dagegen sehr starke Augenbrauen und hellblondes, sehr krauses Haar.

76) Aus Hernals bei Wien ging die zu Littau in Mähren geborene, jetzt etwa vierunddreißigjährige Ottilie Schwarz im Jahre 1866 nach Wien in Dienst, folgte von da einer Herrschaft nach Aegypten und befand sich 1875 wieder zu Hause, worauf sie Anfang 1876 mit einer englischen Familie nach Ostindien reiste und zuletzt in Singapore gelebt haben soll. Sie wird von ihrem Bruder gesucht.

77) Vor zwölf Jahren ist der Heiligenbildermaler Felix Tomaskiewicz aus Wien verschwunden, und seitdem warten Mutter und Kind vergeblich auf seine Heimkehr.

78) Der Schlossergeselle Georg Werner, geboren 1859 in Berlin, ging im October 1877 auf die Wanderschaft, arbeitete zuletzt in Oldesloe bis zum Juli 1878, um welche Zeit er, nach polizeilicher Mittheilung, diese Stadt verließ, ohne seitdem den Seinigen Nachricht zu geben. Indessen sind die Eltern gestorben, und seine Schwester bittet ihn nun um Heimkehr oder Nennung seines Aufenthaltsortes.

79) Im Jahre 1862 wanderte der damals zwanzigjährige Goldschmied Theodor Christian Daniel Wiese aus Lübeck nach Valparaiso aus, schrieb nach zwei Jahren, daß er feste Stellung in einer Druckerei dort erhalten und sich mit einer Chilenerin verheirathen werde. Seitdem ist seine Mutter, die als Wittwe in Hamburg lebt, auf alle Briefe ohne Antwort geblieben.

80) Aus Berbersdorf bei Hainichen in Sachsen ging 1878 Karl Hermann Diehnelt, der damals sechszehnjährige Sohn eines armen alten Handarbeiters, nach Berlin, diente drei Jahre als Kellner in der Spenger’schen Restauration in der Von-der-Heydt-Straße, zog dann zu einem Herrn Karl Freyer in die Lützowstraße 12 und verließ Mitte April 1881 seine Wohnung, um sich in eine Restauration zu begeben, in welcher er sechs Tage auf Probe arbeiten sollte. Er hatte Herrn Freyer versprochen, am nächsten Sonntag wieder zu kommen, hat jedoch seitdem nichts wieder von sich hören lassen. Daß er auch seinen Koffer mit seinen Kleidern etc. nicht abgeholt, erregt den Verdacht, daß hier ein Unglück oder ein Verbrechen vorliege. – Der Vermißte ist von langer Statur, hat blondes Haar und an der linken Wange ein sogenanntes Erdbeermal.

81) An einen ebenso unheimlichen Fall müssen wir, um der sich in Gram verzehrenden Mutter den einzigen, letzten Trost nicht zu versagen, noch einmal erinnern. Wilhelm Eschhoff, ein sechszehnjähriger Präparandenschüler in Barby, von Aussehen klein und schwächlich, mit röthlich-blondem Haar und einer unbedeutenden Narbe über dem einen Auge, war am 27. Januar 1877 der Einladung eines Realschülers zu einem Besuch in Magdeburg gefolgt, und am Abend des nächsten Tages mit diesem in’s Theater gegangen. Beim Herausgehen aus dem Schauspielhause verschwand er plötzlich von der Seite seines Gefährten und ist seitdem spurlos verschollen. Die beklagenswerthe Mutter, die schon vier Kinder in der Jugendblüthe durch den Tod verloren, klammert sich an jeden Strohhalm von Hoffnug, ihren Jüngsten wieder zu finden.

82) Hermann Richard Strunz wanderte als achtzehnjähriger Schlossergeselle mit Bewilligung seiner Eltern im Mai 1872 von seiner Heimath Oberschlema bei Schneeberg in Sachsen erst nach Amerika und von da nach Australien. Von New-York, San Francisco und Sydney hat er heimgeschrieben; der letzte Brief datirt vom 2. Juni 1875 und erzählt, daß Strunz von San Francisco aus mit auf den Walfischfang ging, daß ihr Fahrzeug in einen starken Sturm gerieth, an einen Felsen geschleudert wurde und Schiffbruch erlitt. Es gelang ihm, in einem der vier Rettungsboote unterzukommen, aber erst nach drei Tagen erreichten sie Land, und zwar eine der Fidschi-Inseln. Hier mußten sie vier Monate warten, bis ein Schiff des Weges kam, das sie nach Australien mitnahm. Am Schlusse verspricht Strunz noch: „Ich werde bald nach Hause kommen.“ Seitdem fehlt alle, Nachricht.

83) Ernst Hermann Krauße aus Langenhessen bei Werdau, achtundzwanzig Jahre alt, Tischler, wanderte 1878 nach Argentinien, gab zuletzt Nachricht 1879 von Villa Libertad bei Buenos Ayres und beabsichtigte damals eine Reise mit einem gewissen Wurlitzer, der schon zweiunddreißig Jahre dort gelebt, sowie mit dem aus Baiern stammenden Colonisten Schottenhofer vom Uruguay nach Missiones. Von Krauße ist seitdem keine Kunde mehr zu erlangen gewesen.

84) Leopold Gottlieb Kirsch, geboren in Nakel den 22. Februar 1845, hat die Maschinenbauerei in der Werkstatt der königlichen Ostbahn zu Königsberg in Preußen gelernt, ist als Heizer und Maschinenbauer in Kowno, Wilna, Dünaburg beschäftigt gewesen, ging aus dem Dienst der Eisenbahn Dünaburg-Witebsk im Jahre 1873 in einen neuen Dienst als Maschinenbauer oder Locomotivführer im südlichen Rußland. Alle Bemühungen des Vaters, durch Vermittelung früherer Collegen an genannten Eisenbahnen von dem Sohne etwas Genaueres zu erfahren, sind vergeblich gewesen.

85) Moritz Reinhold Schmidt, ein Tischlergeselle, 1858 zu Wilsdruff bei Dresden geboren, 1872 bis 1875 in Meißen in der Lehre, seit August 1878 auf der Wanderschaft, hat am 20. Februar 1879 aus Remptendorf in Reuß-Greiz zum letzten Mal geschrieben. Das dreijährige Schweigen versetzt seine Eltern in große Sorge.

86) Von drei Schwestern Brombach aus Insterburg, die das Schicksal aus einander gerissen, befindet sich Bertha in St. Petersburg und sehnt sich nach ihren Schwestern Wilhelmine, die zuletzt in Stallupönen, und Auguste, die in Königsberg in Preußen war, und von welchen sie, seit sechszehn Jahren keine Kunde erhalten hat. Wird die „Gartenlaube“ sie aufzuspüren vermögen? Die Adresse ihrer Schwester liegt für sie bereit.

87) Karl Schmidt, der Sohn des verstorbenen Lehrers Schmidt in Dänschendorf auf Fehmarn, jetzt einundvierzig Jahre alt, ging nach Australien und schrieb den letzten Brief aus Woods Point im November 1869. Spätere Briefe der Angehörigen blieben ohne Antwort; Nachforschungen waren vergeblich. Später (1877) erfuhr die Mutter, er lebe in Melbourne, sei Fuhrmann und es gehe ihm gut. Seine kranke Mutter hofft auf diesem Wege Nachricht von ihm zu erhalten.

88) Der Tischler Julius Sorge in Berlin ist seit dem 7. März 1880 spurlos verschwunden. Es wird vermuthet, daß er entweder verunglückt ist oder sich nach Amerika begeben hat. Seine Frau und drei Kinder bitten um Kunde von ihm.

89) In Australien suchen zwei Thüringer Kinder ihren Vater: Karl Schwarz aus Schmalkalden, einen tüchtigen Sattler, der sich jetzt im 53. oder 55. Jahre befindet. Er stand bis 1848 als Werkstellenchef und Unterofficier bei der Feuerwerkscompagnie der kurhessischen Artillerie, wanderte 1856 mit mehreren Cameraden nach Australien aus, landete glücklich in Sydney und folgte der Einladung eines fremden Herrn in das Innere des Landes, und zwar mit noch einem Landsmann, Wenzel aus Schmalkalden. Dieser gab den Seinen daheim gute Nachricht; leider sind durch den Tod seiner Angehörigen die Briefe verloren und damit auch die Adresse Beider, die nun durch die „Gartenlaube“ wiedergefunden werden soll.


  1. Vorlage: könnnen