Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Verlorene Freunde
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Herausgeber: Deutscher Jugendschatz
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Wilhelm Fink
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Erscheinungsort: Leipzig
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Verlorene Freunde.

So oft auf schmalem Lebenspfade
Mich überholt ein rascher Fuß,
So oft ein Wandrer freundlich nahte
Mit hellem Blick und warmem Gruß —

5
Ich schlug, gerührt von seinem Bitten,

In seine Rechte freudig ein
Und weiter sind wir dann geschritten,
Als könnt' es nimmer anders sein.

Doch lange nicht. Das Plaudern stockte

10
Und gar zu einsam war der Weg,

Und auf die breite Straße lockte
Es ihn zurück vom Wiesensteg.
Ich sah ihn eilig weiter wandern
Und oft noch winken mit der Hand,

15
Bis im Gewühl der vielen andern

Der einzelne dem Blick entschwand.

Doch war ich nie darob in Reue,
Daß meinen spröden, kühlen Stolz
Ein Wort voll Biederkeit und Treue,

20
Ein Blick voll echter Güte schmolz,

Daß ich erglühte und erbleichte,
Und daß es seltsam mich beglückt,
Wenn ich die Hand, die dargereichte,
In stummer Innigkeit gedrückt.

25
Wenn lustig zwitschernd Dir und schwirrend

Ein Vöglein auf die Schulter fliegt,
Und an die Wange, leise girrend,
Das Köpfchen Dir vertraulich schmiegt,
Wenn Deine Hand sich ohne Zagen

30
Ein Falter wählt als Ruheziel,

Und auf und zu sich leise schlagen
Die bunten Flügel wie im Spiel —

Bist du nicht bang, daß ein Bewegen
Den lieben kleinen Gast verscheucht,

35
Und macht dir nicht ein tiefes Regen

Der Dankbarkeit die Wimper feucht,
Und hat wie Veilchenduft im Winter,
Dich das Vertrauen nicht gerührt,
Das Dir die schlauen, schnellen Kinder

40
Der freien Lüfte zugeführt?


Daß sie kein Hauch vor Dir vertriebe,
Beherrschst Du jeden Athemzug,
Und stießest rau zurück die Liebe,
Die Dir ein Mensch entgegentrug.

45
Obwohl es nur ein Sicherneuen

Des gleichen holden Wunders ist,
Wenn treulich nahn die Ewigscheuen
Und wenn sein Ich ein Mensch vergißt?

                         Rudolf Lavant.

Anmerkungen (Wikisource)Bearbeiten

Ebenfalls abgedruckt in:

  • Edelsteine deutscher Dichtung. Sammlung bester lyrischer und lyrisch – epischer Gedichte", Bruno Geiser, 1880, Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei.