Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Verlassen
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Omnibus
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Fink
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die Gartenlaube (1888) b 520.jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[2]
Verlassen.


So komm doch, Bärbel, laß hinein uns gehn!
Und willst du heim, so geb‘ ich dir’s Geleite.
Ich kann dich nicht so starr und düster sehn . . .
Hörst du mich auch? Du blickst so fremd ins Weite!

5
Du warst doch sonst geschnitzt aus festem Holz

Und widerwärtig war dir alles Klagen —
Kannst du den Kopf nicht mehr so hoch und stolz,
Der ganzen Welt zum Trotz, wie früher tragen?

Ach Vroni, red‘ nicht so verzweifelt klug!

10
Mir ist zum Sterben weh — ich kann’s nicht zwingen;

Es ist ja wahr, daß hoch den Kopf ich trug —
Nun will das Herz vor Jammer mir zerspringen.
Daß uns die Lieb‘ so gründlich elend macht,
Daß sie den Stolz wie Rohr zerknickt, für immer —

15
Das hätt‘ ich freilich selber nicht gedacht . . .

Nun weiß ich’s Vroni, und verwind‘ es nimmer!

Ach, Bärbel, Bärbel — ich versteh dich nicht.
Ist’s mit dem Sepp vorbei — was ist’s denn weiter?
Lach' ihm und seiner Kathi ins Gesicht,

20
Dem dummen Ding, und sei nun doppelt heiter!

Meist, daß nicht Jeder fliegt auf deinen Wink,
Daß sich nicht alle Bursche um dich reißen?
Komm, Bärbel, komm! sei wieder frisch und flink!
Und bist du traurig, such’s halt zu verbeißen!

25
Nein, Vroni, nein! ein arm’s, verzagtes Ding

Bin ich von dieser Stunde an fürs Leben;
Als mit der Kathi er vorüber ging,
Hat einen Stich es mir ins Herz gegeben.
Die Kathi sah mir spöttisch ins Gesicht?

30
Ich soll nur sehn, wie Alle mich betrachten?

Was kümmert’s mich? ihr Mitleid brauch‘ ich nicht
Und ihre Neugier kann ich nur verachten.

Geh, Bärbel, geh! Das kann dein Ernst nicht sein!
Du bist im Traum — du mußt daraus erwachen.

35
Mag immerhin der Sepp die Kathi frei’n,

Wenn sie nur nicht auf deine Kosten lachen!
Schau, Bärbel, dazu bist du mir zu gut;
Du sollst dich nicht vor allen Leuten grämen,
Sonst lacht der Sepp, der . . . .Geck, voll Uebermuth,

40
Statt sich die Augen aus dem Kopf zu schämen.


Was gilt das mir? Meinst, daß mich das noch rührt?
Ich bin zu elend, um daran zu denken,
Und selbst die Straf‘, die ja dem Sepp gebührt,
Als einem Schelmen, will ich gern ihm schenken.

45
Ich weiß nur Eins: daß keinen Trost es giebt

Für dieses Weh, das bitterste der Erde;
Ich weiß nur Eins: daß ich umsonst geliebt
Und nie und nimmer wieder lieben werde!
                                                                           R.L.