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Textdaten
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Autor: Roderich Benedix
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Titel: Verkümmerte Existenzen/III
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 474-475
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Verkümmerte Existenzen.
Aus den Aufzeichnungen eines alten Wanderers.
Mitgetheilt von Roderich Benedix.
3. Halbes Talent.

Man hat gesagt, der Lorbeerkranz eines Dichters sei eine Märtyrerkrone, man hat umgekehrt diesen Ausspruch als unrichtig angegriffen. Je schärfer man von einer Seite das Loos des Dichters als ein Märtyrerthum zu schildern versucht hat, destomehr ist man von anderer Seite beflissen gewesen, diese Schilderungen in’s Lächerliche zu ziehen, und namentlich hat man bestritten, daß Dichter und Künstler andere Ansprüche an’s Leben zu machen hätten und anders beurtheilt werden müßten, als andere Leute. Die Wahrheit mag hier wohl wie immer in der Mitte liegen. Allerdings hat der Dichter und der Künstler Kämpfe zu bestehen, die Leute in anderer Lebensstellung gar nicht oder nicht in dem Maße kennen, Kämpfe gegen Mißgunst, Gleichgültigkeit des Publicums, Vernachlässigung, der deutsche Dichter insbesondere noch die Kämpfe des leidigen Broderwerbs, und oft mögen diese Kämpfe bittere, bittere Stunden erzeugen. Allein auf der andern Seite hat der Dichter und Künstler gewiß auch Stunden der Erhebung, des Schaffens, die ihm einen Genuß gewähren, welcher durch Nichts zu ersetzen ist. Hier wird also wohl Eines das Andere ausgleichen, und demnach ist das Geschenk des Genies oder der bedeutenden schaffenskräftigen Kunstbegabung eines der schönsten und edelsten, das die Natur einem Menschen verleihen kann. Ein gefährliches, ein unglückliches Geschenk aber ist das eines halben Talents.

Ein halbes Talent ist eine mehr als gewöhnliche Empfänglichkeit für die Kunst, der aber die Fähigkeit des Erzeugens mangelt; ein halbes Talent ist die Lust, ja der Drang Etwas zu schaffen ohne die Kraft dazu. Solcher halben Talente giebt es viele, sehr viele, mehr als man gewöhnlich glaubt. Sie mühen sich ab, sie schaffen, sie erzeugen, aber ihren Erzeugnissen fehlt nicht nur der Stempel der Vollkommenheit, es fehlt ihnen meistens das, was das Talent überhaupt kennzeichnet. Seitdem in den Künsten die erlernbare Fertigkeit (Technik) so ungemein ausgebildet ist, seitdem in Bezug auf die Dichtkunst unsere Sprache die hohe Stufe der Bildung erreicht, die wir der classischen Zeit unserer Dichtung verdanken, ist das Erzeugen an sich viel leichter geworden. Menschen mit halbem Talent werden durch diese Leichtigkeit wiederum weit mehr zum Erzeugen angeregt, fast möchte man sagen verführt, als es sonst der Fall sein würde. Wenn nun halbe Talente irgend einen Beruf, ein Amt des bürgerlichen Lebens haben und nur in den Mußestunden, zu ihrem Vergnügen sich mit der Kunst beschäftigen, wenn sie nur Dilettanten sind und nichts weiter sein wollen, so mag sich ihnen durch die Kunst das Leben vielfach verschönern und es mögen sich ihnen Genüsse bieten, die edler und reiner sind als die gewöhnlichen Vergnügungen. Sobald indeß solche Menschen auf ihr halbes Talent ihre Lebensstellung gründen wollen, sobald sie als Künstler von Fach auftreten und eben durch die Kunst auch den Lebensunterhalt erwerben wollen, entsteht ein trauriges Mißverhältniß.

Die Kämpfe, die dem begabteren Künstler nicht erspart sind, der Unmuth über das Mißlingen, die Verbitterung über den Mangel an Anerkennung hat der ungenügend begabte Mann doppelt und dreifach durchzumachen. Die Folge davon ist, daß Neid, Verbitterung, tiefer Unmuth sich seiner bemächtigen. Und sonderbar ist es, daß die Fehler, die man den Künstlern, einigen mehr, andern weniger, mit Recht vorwirft, Selbstüberschätzung, Eitelkeit etc., bei den wenig Begabten immer im vollsten Maße sich vorfinden. Der Mangel an Anerkennung ist ein Wurm, welcher am Gemüthe nagt und die edelsten Blüthen desselben zerstört. Wenige sind ehrlich genug, kennen sich selbst genug, um die Ursachen dieser mangelnden Anerkennung in der Schwäche ihrer Werke zu suchen, die meisten – und dazu gehören alle Menschen von halbem Talent – suchen sie in der Ungerechtigkeit des Publicums, in dem Vordrängen anderer Mitstrebender, in deren Neid und Ränken, kurz überall, nur nicht da, wo sie liegen.

Ich habe viele derartige Menschen gekannt, die in dem fruchtlosen Streben, Künstler sein zu wollen, zu Grunde gingen, indem sie entweder zur tiefsten Verbitterung gelangten, oder auch gar dem Kampfe mit Mangel und Noth erlagen. Ich will eines dieser Beispiele aufzeichnen.

Als ich im Anfange der vierziger Jahre nach **** kam, fand ich eines Tages im Feuilleton der dortigen Zeitung eine kleine Ballade im niederdeutschen Dialekt, die mich ungemein ansprach. Im echten Volkston, kurz und bündig, stellte sie eine kleine geschichtliche Anekdote dar, und zwar war Alles in ihr, Ton, Darstellung, Form, so treffend, daß ich mich nicht enthalten konnte sie als ein Meisterstück in ihrer Art zu betrachten. Ich fragte nach dem Verfasser. Er war in **** ziemlich bekannt und nicht schwer war es, ihn kennen zu lernen. Bei einem Glase Maitrank traf ich zuerst mit ihm zusammen. Mittelgroß, etwas beleibt, war Holder eine anspruchslose Persönlichkeit. Leicht erregt, mit vielem Sinn für Kunst war er lebhaft im Gespräch, und wenn er auch seine Meinung standhaft verfocht, war er doch harmlos gutmüthig und weit entfernt Jemanden zu beleidigen. Ich ward rasch mit ihm bekannt und besuchte ihn bald darauf. Dabei zeigte er mir mehrere kleinere lyrische und epische Dichtungen, die indessen jener Ballade sehr weit nachstanden. Nur ein Vaterlandslied machte eine Ausnahme, das voll Feuer und Schmerz den besten Liedern dieser Art an die Seite zu setzen war, an denen jene Zeit so reich sich erwies. Jene Ballade und dieses Lied halte ich noch heute für ein paar Perlen deutscher Dichtung. Sie hatten damals nicht nur mir, sondern allgemein gefallen, Holder bekam viel Schmeichelhaftes darüber zu hören, sie wurden componirt, gesungen, in vielen Zeitschriften nachgedruckt, kurz, Holder’s Name wurde damals genannt. Das war sein Unglück.

Einige Monate nach unserer ersten Bekanntschaft kam Holder eines Tages zu mir und begehrte meinen Rath zu hören. Er theilte mir mit, daß er ein kleines Geschäft besäße, das ihm wenig Arbeit mache und ihn, wenn auch nicht glänzend, doch anständig ernähre. Allein er fühle sich nicht behaglich in seinem Wirkungskreise, die Dichtkunst sei es, die ihn anziehe. Nun wisse er wohl, daß es ihm an classischer Bildung fehle. Diesem Mangel müsse er allerdings abhelfen, ehe er wirklich Schriftsteller werden könne, das fühle er wohl. Indessen müsse das gehen, obwohl er schon dreißig und etliche Jahre alt wäre. Er wolle sein kleines Geschäft verkaufen, mit dem dafür erhaltenen Gelde nach Heidelberg gehen und dort studiren.

Ich erschrak über diesen Vorsatz. Lebenslustig wie er war, besaß er durchaus nicht die Ausdauer, um in seinem vorgerückten Alter nachzuholen, was er an wissenschaftlicher Bildung in der Jugend versäumt hatte. Ich sagte ihm das offen. Ich stellte ihm [475] vor, wie unendlich schwer es für einen Mann wäre, durch schriftstellerische Arbeiten sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Man könne das nur durch größere dramatische Arbeiten oder erzählende Schriften, oder auch als geistreicher Publicist und Feuilletonist, wozu aber unbedingt Leben und Bewegen in einer großen Stadt gehöre. Mit kleinen Gedichten, und wären sie noch so schön, ließe sich nicht viel verdienen. Ich bat ihn, sich zu prüfen, ob er glaube, größeren Arbeiten gewachsen zu sein; ich bat ihn geradezu, sich nicht dadurch verleiten zu lassen, daß ihm ein paar hübsche Gedichte gelungen seien. Diese bewiesen noch nichts für die Nachhaltigkeit seines Talents. Ich erinnerte ihn an Schiller’s trefflichen Ausspruch:

„Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache,
Die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon Dichter zu sein.“

Holder hörte mich an, widersprach, gab zu, widersprach wieder und schied endlich von mir etwas empfindlich, aber von meinen Worten nicht überzeugt.

Bald darauf erfuhr ich, er habe seinen Vorsatz ausgeführt, sein Geschäft verkauft und sei nach Heidelberg gegangen, um dort zu studiren.

Nach einigen Jahren kam er zurück. Anfangs vermied er mich, ich erfuhr nur von Andern, daß er wieder da sei und nach seiner alten Gewohnheit fleißig „kneipe“. Indessen suchte er mich bald auf. Er brachte mir ein Lustspiel in zwei Aufzügen und bat mich um meine Vermittelung bei der Theaterdirection, daß es zur Aufführung käme. Aus seinen halben Andeutungen entnahm ich, daß er das Geld, welches er für sein Geschäft erhalten hatte, in Heidelberg glücklich verstudirt habe und daß ihm viel an dem Erfolge seines Stückes läge – da er eine Einnahme brauche. Ich las das Stück. Es war tief unter der Mittelmäßigkeit, es konnte keinen Erfolg haben. Zu den unangenehmsten Aufgaben im Leben gehört es, von einem Autor zur Beurtheilung eines seiner Werke aufgefordert zu werden und dasselbe tadeln zu müssen.

Will man sich nicht mit allgemeinen Redensarten durchhelfen, will man redlich sein und seine volle Ueberzeugung aussprechen, so erwirbt man sich regelmäßig einen Feind. Ich konnte mich dennoch nicht entschließen, Holder meine Meinung vorzuenthalten – er hat mir meinen Tadel später niemals vergessen. Indessen im Augenblick bedurfte er meiner Vermittelung, er unterdrückte seine Empfindlichkeit und bat mich trotz meines ungünstigen Urtheils das Meinige zu thun, um das Stück auf die Bühne zu bringen. Holder war ein bekannter Mann in ****, seine Name auf dem Zettel versprach ein besuchtes Haus, das kleine Stück war leicht zu geben und so ging die Theaterdirection auf seinen Wunsch ein. Der Erfolg bestätigte mein Urtheil. Das Stück fiel durch.

Es verging darnach längere Zeit, in der ich Holder nicht sah. Es kam das Jahr 1848. Auch in **** waren Aufregung, Unruhe, kurz alle die Erscheinungen, die jene Zeit bot. Da begegnete ich eines Tages Holder. Er ging dicht an mir vorüber, maß mich von oben bis unten mit verächtlichem Blicke und grüßte mich nicht. Ich war erstaunt, doch das Räthsel seines Benehmens war leicht gelöst. Holder gehörte der äußersten Linken an und war, obschon kein guter Sprecher, doch einer der lebhaftesten Agitatoren. Die Bewegungen in **** hatten eine entschieden communistische Färbung. „Bei der Theilung bekommt Jeder achtzehntausend Thaler,“ war das Axiom, an das ein zahlreiches Proletariat glaubte, wie an das Evangelium. Im Sinne dieser communistischen Partei erschien ein kleines Sudelblatt, das eine rothe Fahne als Vignette trug und in cynischer Weise zum tausendsten Male wiederkäute, was zum Ueberdruß schon neunhundert neunundneunzig Mal gesagt worden war. Von Geist, von Phantasie, von eigenen Gedanken war in dem Blättchen nicht die Rede, nur vom Nachbeten dessen, was andere große Zeitungen in besserer Form gaben.[1]

Der Redacteur und Herausgeber jenes Blättchens war Holder. Seltsamer Umschwung! Holder, ein Mann, der sich nie um den Staat, um Politik gekümmert hatte, der ohne alle Kenntniß der Geschichte war, der bis dahin nichts wollte und konnte, als mit guten Gesellen beim Näpfchen sitzen, der harmlose, gutmüthige Mensch, dessen frühere Lieder nach ganz andern Richtungen gingen, war ein rother Communist der cynischsten Art geworden. Hätte er sein kleines Geschäft noch gehabt, ich bin überzeugt, die Politik wäre ihm fern geblieben oder er wäre nicht zu dieser Partei gerathen. Aber so war er arm, er war von seinem Talent überzeugt, er fühlte sich zurückgesetzt, verkannt, er war durch und durch verbittert, und so kehrte sich sein Unmuth gegen die Besitzenden. Diese verkannten ihn ja, diese zollten ihm nicht den Tribut, den er zu verdienen meinte, diese waren demnach seine Feinde. Und so schloß er sich denen an, die den Besitzenden gleichfalls feindlich waren und die ihm als einem der Führer der Partei Geltung gewährten. Denn Geltung zu gewinnen ist das Streben aller halben Talente, mag es zuletzt sein in welcher Richtung es wolle.

Die Zeit der Aufregung ging vorüber, die Reaction gewann die Oberhand, jenes kleine Blättchen war schon früher verschwunden. Die Proletarier wollten wohl theilen, aber sie wollten die Kraftergüsse Holder’s nicht bezahlen, deren sie genug umsonst in jeder Volksversammlung hören konnten.

Wieder mochten einige Jahre vergangen sein, in denen ich von Holder nichts hörte, ihn nicht sah. Seine Pläne für die Laufbahn eines Schriftstellers blieben unausgeführt. Kein Gedicht, keine Erzählung, kein Drama kam von ihm zum Vorschein. Da fand ich eines Tages in der Zeitung einen kleinen Aufsatz mit einem Vorschlage – über Sprachverbesserung. Der Aufsatz war so geistlos, so albern, so ohne alle Sprachkenntniß, daß ich mich ärgerte, ihn in der sonst so trefflichen Zeitung zu finden. Als ich ausging, traf ich den Redacteur des Blattes und fragte ihn, von wem der Aufsatz sei. Er erwiderte mir: „Von Holder.“ „Aber wie können Sie etwas so Albernes aufnehmen?“ frug ich weiter.

Der Redacteur zuckte mit den Achseln und entgegnete nur: „Je nun, er brauchte die paar Thaler Honorar.“

Es war ein braver Mann, der Redacteur, der keine Beleidigung nachtrug, denn er besonders war von Holder in jenem Sudelblättchen mit Schmutz und Koth beworfen worden. Ich ging weiter. Als ich um die nächste Straßenecke bog, stieß ich auf Holder. Es war im kalten Winter. Er trug einen dünnen Sommerrock, seine Stiefeln waren zerrissen, er war mager geworden und sah blaß und elend aus. Ich stutzte und blieb unwillkürlich stehen, ich wollte ihn anreden. Doch ohne mich anzusehen, zog er höflich seinen Hut ab und ging an mir vorüber. Ich begriff jetzt, warum der Redacteur jenen Aufsatz abgedruckt hatte. Welch ein Abstand! Als ich Holder das erste Mal sah, war es im Kreise munterer Gesellen. Eine Bowle Maitrank bildete ihren Mittelpunkt. Heiter und fröhlich flog das Gespräch von Munde zu Munde. Alle Anwesenden waren in Verhältnissen, die ihnen eine Behaglichkeit des Daseins gewährleisteten. Und jetzt begegnete mir Holder hungernd und frierend! Ich forschte nach seinen Verhältnissen, ich besprach mich mit Andern, ob ihm nicht zu helfen wäre. Da rief mich plötzlich ein Antrag von **** weg. Holder kam mir aus dem Gedächtnisse. Nur noch einmal wurde ich wieder an ihn erinnert, als ich ein paar Jahre später in der Zeitung las, er sei im Armenhause gestorben.

Und seltsam: an demselben Tage, wo ich diese Nachricht fand, kam ein mir sehr nahe stehender Mann zu mir, der mir, genau wie Holder siebenzehn Jahre früher, seinen Plan mittheilte, Schriftsteller werden zu wollen. Ich redete ihm ab, ich erklärte ihm offen, daß sein Talent, das ich wohl kannte, durchaus unzureichend sei, ich bat und beschwor ihn, von seinem Vorsatze zu lassen, ich erzählte ihm Holder’s Geschichte und zeigte ihm die Nachricht von dessen Ende im Armenhause. Was war die Folge? Er ging beleidigt von mir hinweg und am andern Tage schrieb er mir einen groben Brief – und brach jede Beziehung mit mir ab. Ein halbes Talent ist die unglücklichste Gabe, welche die Natur einem Menschen verleihen kann!

  1. Das Jahr 1848 brachte neben vielem anderen auch das Gute mit, daß es unter den obengeschilderten halben Talenten – namentlich unter den Journalisten und Publicisten gründlich aufräumte. Vor achtundvierzig ersetzte bei vielen Schriftstellern die Gesinnung, was ihnen an Talent abging. Man half sich mit Ausfällen, mit banalen Angriffen auf Persönlichkeiten und einzelne Behörden, spielte den Märtyrer und entschuldigte die Massenhaftigkeit der Phrase mit der Censur, die das Beste unterdrücke und das Talent nicht zur freien Entwickelung kommen lasse. Als endlich durch die Erhebung des Volkes die polizeilichen Censurschranken fielen und der „freien Entwickelung“ nichts mehr im Wege stand, als es nunmehr galt nicht mit Gesinnung allein, sondem auch ein klein wenig Talent zu haben, d. h. die Gesinnung mit Talent zu vertreten, und die Entschuldigung der Censurstriche ein Unsinn geworden, da wurden über Nacht viele dieser „Talente“ ihres Heiligenscheines beraubt und ihre innere Gehaltlosigkeit trat glänzend zu Tage. Es ist einer der segensreichsten Erfolge der freien Presse, daß sie das wahre Talent in der eklatantesten Weise heraufgefördert und dem halben Talent alle Entschuldigung genommen hat.
    D. Red.