Hauptmenü öffnen

Verbrechen und Wissenschaft (Die Gartenlaube 1857/7)

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Verbrechen und Wissenschaft
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 100
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[100] Verbrechen und Wissenschaft. In Nr. 4. der Gartenlaube 1857 wurde die Thatsache besprochen, daß in dem Prozesse wider Palmer den englischen Chemikern nicht gelungen ist, durch chemische Prozesse den Beweis zu liefern, daß Cook in Folge des ihm beigebrachten Strychnins gestorben sei. Es wird deshalb für die Leser der Gartenlaube nicht ohne Interesse sein, zu hören, daß gleichwohl die Chemie nicht blos in Deutschland, sondern auch namentlich in London auf dem Standpunkte sich befindet, um das Strychnin, wenn es mit andern Substanzen vermischt ist, genügend nachweisen zu können.

Nach der Methode des Professor Dr. Otto wird die zu untersuchende Substanz bei auf einander folgender Behandlung mit einigen Tropfen concentrirter Schwefelsäure und einem kleinen Krystall von rothem chromsaurem Kali intensiv violett gefärbt, wenn sich Strychnin darin befindet. Diese Färbung konnte von den zur Untersuchung von Cook’s Leichnam beigezogenen Chemikern nicht hervorgebracht werden und die Ursache hiervon glaubte man darin suchen zu müssen, daß Palmer seinem Opfer Antimon hatte zu sich nehmen lassen und daß hierdurch die obige Probe paralysirt worden sei. Allein der zur Untersuchung wider Palmer nicht beigezogene Chemiker von Sicherer in London hat durch seine, im Interesse der Wissenschaft gemachten Untersuchungen constatirt, daß es ein Irrthum sei, wenn behauptet werde, Antimon könne die Erzeugung der violetten Farbe verhindern, eine solche Wirkung komme lediglich der Weinsteinsäure zu, welche sich in dem mit Antimon vermengten Brechweinstein, den Cook genommen hatte, befand. Von Sicherer machte diese Untersuchungen öffentlich bekannt und gab sein Verfahren genau an, mittelst dessen er das Strychnin, selbst wenn es mit Weinsteinsäure vermengt wurde, unfehlbar entdecke. Er behandelt nämlich die zu untersuchende Substanz eine halbe Stunde lang mit concentrirter Schwefelsäure gelinde erwärmt, neutralisirt dieselbe hierauf mit kohlensaurem Kali und verdampft die Lösung bis zur Trockne. Durch Behandlung des trocknen Pulvers mit Chloroform wird nun eine Lösung erhalten, in welcher sich blos Strychnin befindet, weil die Weinsteinsäure durch die Schwefelsäure zerstört worden ist. Nach dem Verdunsten des Chloroforms kann aber mittelst Schwefelsäure und chromsaurem Kali die violette Farbe erzeugt, und somit das Strychnin entdeckt werden.

Professor Dr. Otto hat in seinem kürzlich erschienenen Werke über das Auffinden der Gifte nicht blos die vorberührte Methode des von Sicherer, sondern auch eine von dem Chemiker Staß erfundene Methode, das Strychnin mittelst Aetherlösung zu entdecken, angeführt. Daraus ergibt sich zur Genüge, daß es nicht dem Standpunkte, auf dem sich die Chemie befindet, zugemessen werden dürfe, wenn im Palmer’schen Prozesse die obengedachte Nachweisung nicht hergestellt wurde.