Unser tägliches Brot (Lavant)

Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Unser tägliches Brot
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Illustrierter Neue Welt-Kalender
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission)
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Unser tägliches Brot (Lavant).jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[29]

Unser tägliches Brot.

Ich wand’re gern durch feuchtes Halmgeschwanke,
Wenn nah und ferne Lerchenjubel klingt,
Wenn über Laub und blühendes Geranke
Ein Falter sich im Morgenstrahle schwingt,

5
Und seines Pfluges Schar, die arbeitblanke,

Der Landmann rüstig durch den Boden zwingt,
Um auf des Ackers ausgeruhten Breiten
Ein wohlig Bett dem Samen zu bereiten.

Ich wand’re gern das Erntefeld hinunter,

10
Wenn früh der Schnitter seine Arme regt

Und diesen Wald von braunen Aehren munter
In schweren Schwaden sich zu Füßen legt,
Wenn Abends über’m Scheuerthor ein bunter,
Kunstloser Kranz im Winde sich bewegt,

15
Und weit und breit die schwer belad’nen Wagen

Die Ernte schwankend nach den Höfen tragen.

Ich seh‘ im Geist auf jedem solcher Gänge,
Die Vogellied und Blumenduft mir würzt,
Ein freundliches, ein hastiges Gedränge

20
Von schlichten Bildern, daß die Stunde kürzt.

Schon wenn der Plug das Feld in seiner Länge
Durchfurcht und spielend seine Krume stürzt,
Seh‘ ich, beladen mit der Ernte Gaben,
Den Esel langsam nach der Mühle traben.

25
Und wenn der Same niederrauscht zum Grunde,

Indeß die Spreu in alle Winde stiebt,
Seh‘ ich den Ofen schon mit heißem Munde,
In den der Bäcker seine Brote schiebt,
Damit er sie nach einer schwülen Stunde

30
Gebräunt und duftig alle wiedergiebt,

Und zu des Tages mannigfachen Werken
Die Schaffenden und Hungrigen sie stärken.

Und wenn die Garbe sinkt vom raschen Schnitte,
Indeß am Himmel fahles Zucken loht,

35
Seh‘ ich im Geist in eines Stübchens Mitte

Die Kinderschaar bei ihrem Vesperbrot.
Wie klagen sie mit hoffnungsvoller Bitte
Der treuen Mutter ihre kleine Noth,
Um dann von ihr mit freuderothen Wangen

40
Das „liebe“ Brot, das trock’ne zu empfangen!


Im Wetterscheine, wie in Regengüssen
Muß so ich träumen, wie im Abendroth;
Es giebt so viele, die da hungern müssen,
Und eine ernste Sache ist’s um’s Brot!

45
Nehmt uns das Brot, so beugt mit kalten Küssen

Sich über alles Lebende der Tod,
Und aus dem Garten würde bald auf Erden
Ein weiter Friedhof für die Armen werden.
                                                       R.L.