Topographia Palatinatus Rheni: Lützelstein

Topographia Germaniae
Lützelstein (heute: Lützelstein, frz. La Petite-Pierre)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 58–59.
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Lützelstein.

Es ligt dieser Ort an den Gräntzen Lothringen / und ist gleichsamb ein Schlüssel darzu / und ins Westerreich / 6. Meilen von Straßburg / dahin man entweder durch Zabern / oder Buchsweiler (so ein Meil von Lützelstein gelegen) / oder Herrenstein / ein Schloß / und Flecken der Stadt Straßburg gehörig / kommet. Man gibt vor / daß einer / Nahmens Lützelmann / den man zu Käyser Carls deß Grossen Sohn machet / und die Pfaltz inn gehabt / das Schloß allhie erbaut und allda umbß Jahr Christi acht hundert und fünffzehen / seinen Sitz gehabt habe / von welchem die alte Grafen von Lützelstein herkommen seyen. Siehe oben den Eingang dieses Tractats. Es hat in derselben einen reichen Zoll zu Aurentzhausen / daselbst ein Schloß / und hat Käyser Maximilianus solchen Ort zur Stadt zu machen bewilliget. Pfaltzgraf Oth Heinrich Churfürst hat diese Grafschafft / neben dem halben Theil / an seinem Theil der Grafschafft Sponheim; Item einen vierdten Theil an der Gemeinschafft Guttenberg; Item der Chur-Pfaltz Theil am Weinzehenden zu Weissenburg / beyden Vettern / Hertzog Wolffgang / und Georg Hannsen zu Zweybrüggen / legirt, und verschafft; so hernach durch Uberlassung Pfaltzgraf Wolffgangs / an den gedachten Pfaltzgraf Georg Hannsen / sampt dem halben Theil der Gemeinschafft Guttenberg / kommen / der das Städtlein allhie zu Lützelstein erbaut; da vorhin auch ein Flecken / wie gelesen wird / gestanden ist. Und hat desselben Herr Sohn / auch dieses Namens / ein alter [59] Herr / (so keine Kinder / sein Gemahlin auch von dannen sich begeben hat) noch Anno 1641. diesen Orth besessen; so der Augspurgischen ungeänderten Confession zugethan. Siehe oben Lautereck. Es hat sich solcher Ort / in diesem Krieg / gleichsam Neutral gehalten / und ist dardurch biß anhero auffrecht blieben; wiewol es auch ein schöne und hoch auff einem Felsen gelegne Vestung ist; so man / beedes dem Lager / und dem Gebäu nach / schier vor unüberwindlich hält / wie es dann statliche Wäll / und sehr starcke Pasteyen; und an statt der Gräben / Thäler herumb hat. Es ist das Schloß wol gebaut / und ligt das Städtlein gleich daran / so nur ein Thor gegen Morgen; daher es einen Backofen verglichen / auch bißweilen vexationsweise von den Benachbarten also genant wird; darinn auch nidere / hültzene / mit Leim / und Kalck überzogene / auch theils mit Schindeln / theils mit Ziegelsteinen bedeckte Häuser; und nur eine Kirch / sampt einem Superintendenten / und einem andern Kirchendiener hat / in welche Kirch auch der Fürst / und die Hoffstatt / weil eine im Schloß ist / zu kommen pflegen; wiewol auch solche schlecht / und eng gebauet ist; aber einen hohen Thurn / mit gutem wolklingendem Geläut / hat. Im Schloß ist ein Röhrkasten / dahin das Wasser von einem andern Berg / durch Teuchel / geleitet wird. Im Städtlein ist auch ein einiger Brunn / den man mit Rädern treibt. Es hat da ein Vorstädtlein / darinn etwan auff die 40. Personen wohnen können; und von welchem man hoch herab zu den Feldgütern kompt; davon sich die Bürger meistentheils ernähren; welche fast alle auch die Lothringische Sprach / so etwas gröber als die Frantzösische / können. Und in besagter Vorstadt ist auch eine / und zwar alte / Kirch / darinn die Leichpredigten gehalten werden. Und obwoln dieser Ort mit Bergen fast allenthalben umbgeben / so hat er doch eine gute gesunde / und reine Lufft; auch einen fruchtbaren / und lustigen Boden herumb; wie mir von einem guten Herrn / und Freund / deme dieses Orts Gelegenheit / von etlichen Jahren her bekandt gewesen / günstig berichtet worden ist. Anno ein tausend sechs hundert zwey und dreyssig / starb allhie der Frantzösische Marschall von Efiat, oder d’ Esfiat, an einem hitzigen Fieber.