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Topographia Circuli Burgundici: Schencken Schantz

Topographia Germaniae
Schencken Schantz (heute: Schenkenschanz)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 88–89.
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[88] Schencken Schantz / so mitten im Rhein gelegen / alles mit Pfählen geschlagen / grün Reißholtz darein geflochten / und mit Erden außgeschüttet ist. Hat gleichwol seine fürgelegte Wäll / und gantze Brustwehren / aber keine Pasteyen mit Casamaten oder fürgelegten Flügeln; dann sie nach Gelegenheit deß Orts hat müssen gebauet werden / weil sie zu beyden Seiten mit dem Rhein umbfangen / und denselben mit einer scharpffen Spitzen theilet / so zu einer sondern Wehr / mit zween fürgelegten Streichinnen / zu Creutzschüssen / gegen den Strom hinauß / angelegt / und gebaut worden / so der fürnehmste Paß deß gantzen Rheinstroms ist. Und weil sie [89] Winterszeit die gröste Gefahr haben / wann der Rhein überfroren / so beschütten sie alsdann außwendig die Wäll mit Wasser / die hernach so hell und glatt werden / als Glaß / und daher nicht leichtlich können bestigen werden. Herr Joh. Heinrich Hagelganß / in Beschreibung deß Landes Geldern / sagt von dieser Schantz am 146. und folgendem Blat / also: Unter dieses Quartier (nehmlich Neumegen) wird auch zu ziehen seyn die weitberühmte Schenckenschantz / von dem ersten Erbauer / einem tapffern Soldaten / Martin Schencken (welcher auff der Staaden Seiten viel Nutzen geschafft / und Anno 1589. ersoffen ist /) also genannt. Sie liget auff der Spitzen der Insel / so Graffenwaert genannt / allda der Rhein / so biß anher / durch Teutschland herab / einen einigen Strom behalten / sich in zween Aerm zertheilet / davon der rechte / so den Namen behält / seinen Lauff uff Arnheim; der lincke / welcher die Waal genennet wird / auff Neumegen zunimmet. Wird also diese Schantz nicht allein ihres Lagers sondern auch der Kunst halber (sintemal nichts daran verabsaumet / was zu Abtreibung der grösten Gewalt mag dienlich seyn) für unüberwindlich geschätzet. Anno 1635. 25. Junii Neuen Calenders / bekamens die Spanischen durch Stratagema ein: ward aber bald deß dritten Tages hernach wieder von den Staadischen belagert / und erst im Monat Aprill deß folgenden Jahrs mit Beding erobert. Matth. Quade / in Teutscher Nation Herrligkeit / beschreibet diesen Ort / mit folgenden Worten: Schenckenschantz ist so starck bevestigt / daß man drey Schantzen gewinnen muß / ehe man deß gantzen Wercks Meister werden kan. Ist voller guter wohnhaffter Häuser / und geschicht grosse Handthierung darinn. Es können aber / neben der grossen Anzahl der Haußgesessen / noch etlich tausend gewaffneter Kriegsknecht ihr Wesen darauff haben. Und dann so berichtet hievon einer also: Diese Schantz ward An. 1586. von Martin Schencken von Nydecken / vor der Zeit deß Churfürsten Gebhardi zu Cölln gewesten Feld-Marschalcken / erbauet. An. 1635. den 18. (28.) Julii. Morgens noch in der finstere / ist solcher Ort von so grosser Importantz /wegen schwacher Guarnison, durch Spanische gute Vorsichtig- und Behendigkeit / unversehens überrumpelt / und den vereinigten Provintzen / zu ihrem grossen Nachtheil und Schaden / entzogen worden; wiewol sie die Herren Staaden / solche Schantz den 21. (31.) dieses Monats Julii / (andere sagen im Augusto) mit grosser Macht / gleich wieder belagert / und endlich den 20. (30.) Aprilis Anno 1636. mit Accord erobert haben. In der Zeit / als die Staadischen darvor gelegen / haben die Spanischen das Städtlein Griet / Item das Städtlein Stralen / die Häuser Artson / Erkelers / und Halt / nahend der Schenckenschantz / eingenommen; Marienboom / die Clöster Gosendonk / Marienwerder / das Städtlein Wep / Neukirchenheim / und Kesselar / und die Käyserischen das Dorff Botselar / mit dem Städtlein und Abtey Cornelis Münster / außgeplündert. Das Hauß Gennep ward von den Spanischen bevestigt; das Städtlein Hinßberg ist durch Unglück in Brand gerathen / und mit den Gütern zu Aschen verbrandt. So waren Griethausen / und Cleve / damals in Spanischen Händen; die auch das Städtlein Falckenburg wieder eingenommen; Hergegen die Staaden das Hauß zu Beyland: der Gubernator zu Ruermund überfiel die Crabaten zu Wassenburg; Andere Staadischen nehmen das Städtlein Griethausen / Item das Städtlein Schmidtshausen / Item die Schantz Ferdinandus / nahend der Schenckenschantz / mit Sturm ein; die sie hernach geschleifft, Rurort mit Accord / und haben die Brandeburgische lassen außziehen.