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Topographia Circuli Burgundici: S. Omar

Topographia Germaniae
S. Omar (heute: St. Omer)
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S. Paul
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 211–212.
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[211] S. Omar / Sainct Omer, Audomaropolis, Fanum S. Audomari. Diese in Artois / oder Artesia, gelegene vornehme Stadt / hat vor Zeiten / ehe sie mit einer Mauer umbgeben worden / Sithiu geheissen: hernach hat sie von dem H. Audomaro, Bischoffen zu Terouanne, einem Teutschen / so nicht weit von der Stadt Costnitz / in dem jenigen Thal / so selbiger Zeit Goldthal genannt ward / von Adelichen und vornehmen Eltern / wie in deß Jacobi Manlii Costantzischer Chronic zu lesen / gebohren worden / und im Jahr 661. (al. 695.) gestorben / den Namen bekommen / welcher jetzt allhie in der Haupt-Kirchen seines Namens begraben liget / die Pabst Paulus der Vierdte Anno 1559. zu einer Bischofflichen Kirchen erhaben / und das halbe Bischoffliche Morinensische / oder Teruanensische Einkommen / nach dem die gedachte Stadt Terouanne, gäntzlich Anno 1553. zerstöret worden / hieher geben hat. Besagter heilige Audomarus ist in seinem Alter blind / aber zu Atrecht / als er der elevation deß heiligen Vedasti Cörper beygewohnt / wieder sehend worden; welches er so übel auffgenommen / und durch sein Gebet erhalten / daß er das Gesicht wieder verlohren hat. Vossius sagt hievon also: Sithui olim Vicus fuit in Artesia, percelebris monasterio suo S. Bertini: hodie autem est oppidum S. Audomari, cujus Sancti corpus ibidem quiescit, ex monasterio translatum in primarium templum. Neben dieser Bischofflichen Kirchen ist allhie zu Sanct Omer auch deß H. Bertini Closter berühmt / in welchem er der H. Bertinus, so von Constantz bürtig / und Anno 698. gestorben / der erste Apt gewesen / und auch da begraben worden ist. Es ruhet ingleichem daselbsten der [212] heilige Silvinus, der heilige Folquinus, Bischoff zu Terouanne, so Anno 855. gestorben / und die H. Jungfraw Rotrudis, oder Ortrudis. Als Anno 891. die Nortmannen diese Stadt überfallen / und 12. auß ihnen deß H. Bertini Kirch plündern wolten / seyn sie alle miteinander jehling erblindet / wie P. Georgius Tholosanus lib. 33. Syntagm. J. Univers. c. 16. gegen dem ende auß Jacobi Meyeri Annal. Rerum Flandricar. schreibet. Es ist S. Omer heutigs Tags eine herrliche / wolgebaute / Volckreiche / veste / und Gräntz-Stadt gegen Franckreich / an dem Wasser Ha / oder Aa / so nahend bey Terouan seinen Ursprung hat / gegen Nord-West durch diese Stadt lauffet / und nahend Grävelingen in das Meer fället. Georg Braun im 4. Theil seines Städtbuchs / da er diese Stadt beschreibet / ist der Meynung / daß S. Omer der Alten Iccius Portus seye. Aber Philippus Cluverius meldet / daß deß Caesaris Iccius Portus heutigs tags Bononia oder Boulogne, so vorzeiten Gesorich geheissen: wie dann auch P. Bertius sagt / daß Iccius Portus Caeseris, Gessoriacum navale Ptolemei, und Bononia, eines seye. Vorgedachter Braun schreibet / daß nicht weit von der Stadt ein See lige / der immerzu fliesse / und darnach in Aa falle. Derselbige hat viel zugehörige Gründ / oder Aecker / wie kleine Insulen / und mit grünen Sträuchen besetzte Wiesen / die beweglich seyn / und sich von einem Ort zum andern ziehen lassen / wann einer ein Seil ans Gesträuch darauff bindet. Und seyen solche so groß und breit / daß Rinder darauff weyden können. Gleiches schreibet auch Ludovicus Guacciardinus, und sagt am 266. Blat der Beschreibung Niederlands / daß bey solchem sehr lustigen und grossen See / der auß lebendigen Wassern / so von allen Orten zusammen fliessen / gesamblet werde / unter andern Gebäuen / ein gar grosse und vornehme Abbtey / S. Bernhardi Ordens / lige / welche man insgemein Clermarets nenne. Anno 1487. kam der Frantzösische Obrist Cordaeus mit 400. Männern / meistens vom Adel / für die Stadt S. Omer / leinte bey Nachts Laitern an / und kam darüber hinein / welches er sich nicht unterstehen dörffen / wann er nicht viel daselbst auff seiner Seyten gehabt hätte; sagt Gerardus de Roo lib. 10. fol. 371. Aber Anno 1489. als etliche Bürger der Frantzosen Herrschung überdrüssig worden / nahm durch ihre Hülff und Beystand Herr Veit von Wolckenstein / mit seinen Tyrolischen / dem König Maximilian zum Besten / ins Niederland geschickten Völckern / die Stadt wieder ein / und weichten hernach auch die Frantzosen in aller frühe auß dem Schloß / und machten sich mit ihren Sachen davon. Anno 1638. versuchten ihre Nachkömmlinge diese veste Stadt wieder zu erobern / musten aber mit zimlichem Schaden darvon abziehen: ingleichem blocquirten sie solche An. 1644. vergebens; gieng auch ihr Anschlag Anno 47. auff dieselbe nicht an.