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Topographia Germaniae
Namen (heute: Namur)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 239–241.
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[239] Namen / Namur / Namurum, Diß ist die HauptStatt der Graffschafft / so von ihr den Nahmen trägt / und welche man ins gemein unter die 17. Niederländische Provintzen zehlet. Justus Lipsius will / das man soll Namurum, und nicht Namurcum schreiben / und sagt / daß deß Nahmens Ursprung bekant seye. Dann in der Niederländischen Sprach Na-Muer so viel / als nahend der Maur gelegen / seye. Theils sagen / es heisse diese Statt auff Teutsch / und Niederländisch Namen / auff Frantzösisch aber Namur. Sie ligt zwischen zween Bergen / auff der lincken seiten der Maas / da sie das Wasser Sambre / oder Sabim / so durch die Statt lauffet / in sich empfahet / und zwar 8. Meilen [240] von Löven 10. von Lüttich / und gleich so viel von Brüssel. Ist an Geld / und Gut reich / auch mit gemeinen Gebäwen / und Privat-Häusern / schön gezieret. Hat feine Brucken. Der Thürn auff den Mauren sind 24. der Märckte 5. und der Kirchen 6. unter denen die schöne und herrliche Hauptkirch S. Aulbin / oder Albano dem Märtyrer ist; welche Albertus II. Graff zu Namur / Anno 1047. mit 20. Chor-Herren gestifftet; und Anno 1559. sie Pabst Paulus IV. zu einer Bischofflichen Kirche erhöhet hat / deren Gebiet sich zimlich weit hinauß erstrecket. Es wird darinn ein Theil deß Haupts von dem gedachten Märtyrer Alban / den Guilelmus, Abbt deß Closters S. Alban bey Mäyntz / umbs Jahr 1040. hieher geschickt hat / auffbehalten. Es ist auch da in grossen Ehren ein grosses Stuck vom Creutz Christi / und andere heilige Reliquien / die der Constantinopolitalnische Käyser Henricus, so Anno 1216. gestorben / dem Graffen Philippo von Namur / auß der Statt Constantinopel / zu einem Geschenck gesandt hat. Von Klöstern seyn allhie / der Creutz-Brüder / der Cordelier oder Franciscaner / der Capuciner / und der grawen Schwestern. Aubertus Miraeus, in Fastis Belgicis, sagt pag. 392. daß bey Namur / in der Canonicorum regularium Kloster Malonia, S. Bertuinus, der Bischoff und Beichtiger / ruhe. Von Weltlichen Gebäwen seyn zu sehen 1. das Rahthauß auff dem grossen Marckt / 2. das Kornhauß / oder der Kornmarckt / 3. das Fleischhauß an dem Fluß / das stattlich gebawet ist / 4. der Hoff / oder Pallast deß Land-Rahts / dahin von allen Orten dieser Graffschafft / von dannen aber allein gen Mecheln / appellirt wird / 5. das Castell bey der Statt / auff einem von Natur bevestigten Felsen gelegen. Und stehet ein Thurn / auff einem hohen wol gelegnen Felsen / und noch einer auff einem hohen Berg / so / der Inwohner Sag nach / von deß Julii Caesaris Wercken noch übrig seyn solle. Es pflegten in diesem Castell die Graffen von Namur / den Eyd zu leisten / auch ihnen huldigen zu lassen / Landtäge zu halten / und den Gesandten Audientz zu geben. Der Zeit gehört Statt / und Graffschafft / dem König in Spanien. Auff der lincken seiten der Sambre / so eben / ligt der vornehmste Theil der Statt / und daselbst auch das Rahthauß / und viel steinerne Gebäw; zur rechten aber deß Flusses viel Privat-Häuser / über welchen das oberanannte hohe / veste / und wolerbaute Schloß zu sehen. Wo die Sambre bey der Stattmauer in die Maas fällt / hat es ein steinerne Bruck / wie auch über die Maas. Es ist diese Statt insgemein schön / lustig / und wol erbauet: und geben die Burger gute Soldaten. Die Sprach allda ist grob Frantzösisch. Anno 1571. den 7. Februarii / hat gedachter Fluß Sambre dieser Statt einen unschätzlichen Schaden zugefügt / wie man noch an vielen Häusern / wie hoch sie gestiegen / zusampt der Zeit / lesen thut. Das Eisen / so allhie in grosser Menge ist / wird wegen seiner Güte / gar hoch gerühmet / und gibt es dieses Metalls im Ardenner Wald / so gleich auff der andern seiten der Maas gelegen / viel Werckstätte. So hat es allda Stein / so gleichsam aschenfärbig außsehen / und weit auff der Maas / zu Erbawung der Häuser / verführet werden: Item gleicher Farb andere Stein / deren sie sich / an statt der Schindel / weil man sie gar dünn schneiden kan / zum Dachdecken gebrauchen. Es gibt auch da allerhand Marmolstein / so von unterschiedlichen Orten an der Maas dahin gebracht werden. Den man von Dinant dahin führt / ist gar schwartz. Der weisse / oder rohtlechte / von vielen Farben gesprengt / wird unter dem Schloß Agimont gefunden. Man hat auch schwartzen Marmor / so mit den weissesten Striemlein unterzeichnet. Und auß solchen machen sie Säulen / Gräber / und andere Sachen zur Zierde. Sihe / was von dieser Statt gesagt worden / oder noch zu sagen wäre / Ludovicum Guicciardinum, in Beschreibung Niederlands / p. 298. seqq. den Neuen Atlantem Joh. Janssonii, deß Abrahami Ortelii Itinerarium Gallo-Brabantinum, pag. 205. seqq. obgedachten Miraeum, pag. 332. seq. C. Ens, in deliciis apodem. per German. [241] p. 96. seq. Georg. Braun im 2. und 3. Theil seines Stättbuchs / und Johann. Baptist. Grammaye, in einem besondern Büchlein davon. Anno 1578. den 1. Oct. ist allhie Johannes Austriacus, Käyser Carls deß fünfften Sohn / und gewester Königl. Spanischer Statthalter in den Niederlanden / gestorben.

Zwischen Namur / und Dinant / sihet man / auff dem Berg / den man ins gemein Polvag nennet / noch Wände / und altes Gemäuer / von der Statt Chevremont, das ist / Gaißberge / welche in den innerlichen Kriegen / so zwischen den Namischen / und Lüttichischen / vorgangen / zerstört worden / und nicht mehr sich hat auffrichten können / wie obgedachter Guicciardinus p. 299. berichtet.