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Topographia Germaniae
Diest
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Dormalen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 49–50.
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[49] Diest / Distemium, Distha, eine Statt in Brabant / 3. Meilen von Hasselt / 1. Meil von Halem / und 3. von Tillemont / an dem Fluß Demere, da man gutes Tuch machet. Hat 2. Canonicat Stiffter / und gehört eigentlich sonsten dem Hauß Nassau zu. Von hinnen war der gelehrte Mann Nicolaus Clenardus, so Anno 1542. zu Granata in Spanien gestorben / und zum Schüler / oder Discipel / den Joannem Latinum, einen Aethiopem, oder Mohren / gehabt / und verlassen hat / wie Miraeus in seinem Leben / in den Elogiis Belgicis, pag. 129. schreibet. Guicciardinus berichtet / daß eins der besagten Stiffter zu S. Sulpitio, das andere zu S. Johann genant werde. Es habe Diest eine freye Herrschaft / und seye sein Herr / so seiner Zeit der Printz von Oranien gewesen / nach altem Herkommen / Vitzgraff / oder / wie man ihn ins gemein nenne / Burggraff zu Antorff. Das Hauß Nassau habe / durch Tausch / gegen dem [50] Stättlein Sittart / diesen Ort/ vom Hertzog zu Cleve / bekommen. Es lige bey Diest / der sehr fürnehme Convent Beckenvord / deß Ordens der Teutschen Ritter. Das Land herumb seye sehr lustig / vnd mit Reben allenthalben voll / welche Wein in der menge tragen. Joh. Bapt. Gramaye, sagt in Brabantia ultra Velpam, p. 55. seqq. daß die Freye Herrschafft Diest ein Lehen von Brabant seye. Es habe die Statt / wie sie jetzt in derRingmaur begriffen / in ihrem Umbkreiß / was einer innerhalb einer Stund herumb gehen könne / 4. grosse / vnd so viel kleine Thor zu den Wiesen. An der Mauer stehen über die 30. Thürne herumb / deren einen man auff etliche tausent Schritt sehen könne / darauff stetigs ein Wächter gehalten werde. Es seyen allhie über die dreissig öffentliche Strassen / acht Märckt / oder Plätz / allerhand darauff zu verkauffen / 7. steinerne vnd zwo hültzerne Brucken über den Fluß. Das Rahthauß sehe etwas alt auß. Die Hauptkirch seye wol zu sehen / vmb die man oben zweymahl gehen könne. Sonsten seyen da drey Pfarrkirchen / deren die ältiste obgedachte S. Johann deß Täuffers / die andere zu S. Sulpitio, so jetzt die vornehmste / vnd die Stattkirch. Es seyen auch Manns- vnd Weibs-Clöster allhie. Vnd ob woln P. Divaeus, vnd die Brabantische Chroniken / der Freyen Herrschafft Diest / gewisse Dörffer geben; so gehöre doch in der Warheit nichts zu Diest / vnd seinem Gebiet / ausser die vor Jahren geweste grosse / vnd ansehenliche Vorstätte. Als Alexander Farnesius Anno 1583. Diest wieder erobert / hab er solche Statt nicht wenig bevestiget; also / daß sie folgends vor dem Feind sicher gewesen / aber / weiln die Spanischen Soldaten nicht gleich bezahlt worden / so hätte sie viel Schaden von ihnen gelitten. Es schreibet L. Wurffbain de num. Sept. pag. 321. seq. daß diese Statt innerhalb 17. Jahren / 6. oder 7. vnterschiedliche mahl von beeden Partheyen belagert / eingenommen / verlohren / vnd wieder erobert worden sey. Vnd hat sie vnter andern Anno 1572. der Printz von Oranien / vnd gleich darauff der Hertzog von Alba / Anno 78.der von Parma / eingenommen / vnd weil sich der Orth Anno 1581. wieder an den von Oranien begeben / so ward er hernach Anno 85. von dem von Parma wieder erobert.