Topographia Braunschweig Lüneburg: Heerhausen

Topographia Germaniae
Heerhausen (heute: Herrhausen am Harz)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 111.
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Herhausen (Merian).jpg
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Heerhausen.

Heerhausen ist den Herren Hertzogen von Braunschweig Lüneburg Wolfenbüttelschen Theils / mit Adelichen Rittermässigen Roßdienstsleistung verwant / auch sonst mit andern Adelichen Privilegiis nohttürfftig versehen / liget vnterm Hartze / ins Südwesten / in lustiger gegend / eine gute Meil weges von der berühmten Bergstatt Wildeman: Hat guten Ackerbaw / Wiesenwachs / vnd ansehentliche Weide von allerhand Viehe. Dieser Ansitz ist von einem / Nahmens Henin Honrode / zu Hertzogen Heinrichen deß Jüngern Regierungszeiten / bey dessen Fürstl. Gn. er in vornehmen Diensten gewesen / darin auch bey dero Verfolg- vnd Vertreibung deß Landes beständig verharret / erbawet / vnd Adelich Erbfrey besessen / ist aber derselbe zu anfang deß Kriegesunwesens / Anno 1626. da der König in Dennemarck / vnd General Tilly / eben allhie die erste Batalli gegen einander formiret / vnd das Gefechte scharff angetretten / der König aber in der Nacht biß Lutter an Backenberge / sich in höchster stille zurück gezogen / neben der Kirchen ruiniret / vnd folgende Jahr ferner gantz zu grunde gerichtet worden.

Nach deme aber selbiges Gut voriges Jahres / vnd zwar in Anno 1625. der Obriste Johann Koch erblich an sich erkaufft / folgends mit Fürstl. Privilegiis, vnd anderen Lehen vnd Erbstücken verbessert / hat es derselbe in diesen vergangenen Kriegeszeiten / mit grossen Costen in jetzigen zimlichen ansehentlichen Stande gebracht / auch die Kirche auß dem Fundament auff seinen Kosten gantz new vnd thaurhafft auffgeführet.

Es sind bey diesem Sitze vnterschiedene zimlich eingerichtete Gärten / darin neben etzlichen Lust- vnd Küchenstücken / über tausent allerhand Obsbäume verhanden / springet auch darin eine schöne namhaffte Quelle / die Nette genant / treibet ohngefehr ein Büchsenschuß davon einen Mahl- vnd Oligang / vnd wird endlich vff zwey Meil weges so groß / daß sie eine Mahlmühle mit sechs vnd mehr Mahlgängen treiben kan. Es ist dieser Ort auch mit allerhand Fischen / vnd sonderlich Forellen / wol begabet. Sonst will man dafür halten / es hätten vor Alters die Tempelherren diesen vnd benachbarte Oerter inngehabt / wie dann auch eine grosse menge Schlacken allhie verhanden / darauß abzunehmen / daß ein starckes Schmeltz- vnd Hüttenwerck hie in der nähe getrieben / vnd verhanden gewesen.