Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Ratibor

Topographia Germaniae
Ratibor (heute: Racibórz)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 173–174.
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Ratibor.

Ist die Haupt-Stadt deß in Ober-Schlesien gelegenen Fürstenthums dieses Namens / davon auch oben bey Oppelen etwas gesagt worden / und in welches / so sich in das Böhmische Gebürg erstrecket / und das Land Mähren erreichet / die Städte / Oderberg / Sora / Ribenick / Pilzowitz und Mieslowitz / gehörig seyn. Hat vorhin eigene Fürsten gehabt / auß welchen der letzte / Valentinus genant / Anno 1516. gestorben / und ist darauff dieses Land der Cron Böheim dergestalt einverleibt worden / daß es mit Oppeln / zu ewigen Zeiten / beysammen bleiben solle. Besagte Haupt-Stadt Ratibor / ist allbereit vor dem Jahr 1164. erbauet gewesen. Ligt an einem lustigen Ort / 6. Meilen über Oppeln. Hat frische Lufft / erwünschten Waitzen- und Korn-Boden / schöne Wiesen / fruchtbare Obst-Gärten; und bringet ihr der neben sich hinab streichende Oder-Fluß gute Gelegenheit. In der Stadt hat es eine schöne Stifftskirche / einen Probst / Dechant / 14. Chor-Herren / und Vicarien: Item / ein Jungfrauen-Closter / zum H. Geist genant / und ein grosses Hospital. Es seyn auch Jesuiten der Zeit allhie; allda es ingleichem vor diesem der Augspurgischen Confession zugethane Leut geben hat. Es ist aber hernach mit denselben scharpff verfahren / und sie endlich außgejagt worden. Sonsten hat es allhie auch noch ein altes Fürstliches Hauß / hart an der Oder / und ein fein steinern Rathhauß. Die Privathäußer aber seyn mehrern Theils von Holtz. Hat starcke Thor / dicke Mauren und grosse Wälder: ist auch wolfeyl allda / vor diesem / zu zehren gewesen. Sie / die Stadt / führet im rothen Schilde einen halben weissen Adler / und ein halb weisses Rad. Hat durch Krieg / Wasser und Feuer / viel außstehen müssen / wie sie dann in den Jahren 1249. und 1574. und zwar das letzte mal / durch einen Büchsen Schuß im Stall (siehe die Schlesische Chronik lib. 4. cap. 19. fol. 131.) abgebronnen; hat auch Anno 1637. eine grosse Feuers-Brunst erlitten. Anno 1627. konten diese Stadt [174] die Dennemärckischen / oder Sachsen-Weymarischen nicht erobern. Aber Anno 1633. bekam sie der Schwedische General Tubald; und Anno 1642. die Schwedisch-Torstensohnische.