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Topographia Germaniae
Landau (heute: Landau in der Pfalz)
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Landscron
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643/44, S. 28–30.
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[28]
Landau / Landavum, Landavia

Es ligt diese Reichs-Stadt / dem Lager nach / nicht mehr im Elsaß / wird aber noch darzu gerechnet / weiln sie der Land-Vogtey Hagenau incorporirt ist. Hat aber ihre sonderbare Reichs-Freyheiten /

[T18]
Topographia Alsatiae (Merian) p 013.JPG

[29] und Reichs-Anschlag / welcher ist Monatlich 2. zu Roß / 18. zu Fuß / oder 96. Gülden; und zu Underhaltung deß Kammer-Gerichts Jährlich 75. fl. den Thaler zu 69. Krützer gerechnet. Und ist also in der Reichs-Matricula, wird auch zu den Reichs-Tägen beschrieben / und ist dem Römischen Reich ohn Mittel underworffen. Sie ligt gegen dem Vosagischen Gebürg / an dem Fluß Queich / an und ümb das Pfältzisch Ampt Germersheim / und gräntzet an das Ampt Neustadt. Man vermeinet / Sie sey durch Attilam zerstöret / hernach wieder von einem Allemannischen Hertzogen / Namens Landfried / den Pipinus erschlagen / ümb das Jahr Christi 750. erbauet / und mit drey Dörffern / Oberbornheim / Itzingen / und Mülhausen / die hinein kommen / noch mehrers erweitert worden; und sie also von ihme den Namen haben. Vermuhtlicher aber scheinet es / daß dieser Nam von der Auen herkomme; dieweil man auß dem dicken Waldächtigen Gebürg Waßgäu hie herauß in eine schöne lüstige Auen / gleichsam deß gantzen Lands Aue / kompt. Dann etliche innerhalb zwo Meilen / Zirckweiß herümb / auff 350. Flecken und Dörffer gezehlet / welche die Wochen- oder ja die Jahrmärckt zu Landau / vor diesem Landverderblichen Krieg / besucht / haben; weil der Boden herümb so lustig und Fruchtbar / der alles überflüssig darreicht / ist; und man von dannen nur vier Meilen auff Speyer / anderthalb Stundt zu dem im Gebürg stehenden vesten Bischofflich-Speyrischen Schloß Magdeburg / zwo Meilen zum Rhein / und eine kleine Meil zum Waßgäu hat. Ist mit starcken Mauren / Thürnen / Bollwercken / und gefütterten Wassergräben verwahret / und hat drey eigene Dörffer / und soll das Dorff Dautheim Käyser Adolff der Stadt geschenckt haben. Sie ist vor 700. Jahren von den Hertzogen in Francken / die diese Gegend / wie auch das Speyr- und Wormsergäu / ingehabt / regiert und besessen worden / ehe sie an das Reich kommen. In der Zweyspalt / zwischen Käyser Ludovico IV. und Friderico III. waren die Landgauer gut Oesterreichisch / und thäten den Speyrern / so Bäyrisch / viel Trangsal an / darümb sie gemeldter Käyser Ludovicus Bavarus, ümb 5500. Pfundt Heller den Speyrern Pfandtsweiß versetzt / und die Stadt gestrafft; wolte solche auch belägern / und nach Erober- und vorgehabter Demolierung der Mauren und Thürnen / auch Schläiffung der Gräben / der Stadt Speyer so lang übergeben / biß gemeldte Summa wieder abgelöst würde: Aber die Landauer haben die Belägerung abgebetten / und der Stadt Speyer besagte 5500. Pfundt Heller erlegt. Anno 1388. in der Verbündnuß und Krieg der Städte am Rheinstromm / im Elsaß / und Wetterau / wider die Fürsten daselbst herümb / haben diese beyde Städt / Landau und Speyer / abermahls miteinander zuthun gehabt. In dem Bauren-Krieg Anno 1525. haben sich die von Landau mit Chur-Pfaltz / wieder die Bauren verglichen / als der Chur-Fürst daselbsten ankommen. Anno 1552. ist Käyser Carolus V. von Hagenau gen Landau gezogen / welches ihm so wol gefallen / daß er / mit aller Verwunderung / 16. Tag / bey schönem hellen Wetter / allda verblieben ist. In diesem Teutschen Krieg hat diese Stadt auch sehr viel erlitten; und ist / ausser den vorgehenden / noch neulich auch / nämlich 1639. im Augusto den Schwedisch-Weymarischen; aber bald hernach von den Käyserischen wieder eingenommen worden. Auß schrifftlichen Verzeichnüssen / zum Theil auch auß Munstero, und Chr. Lehmann Speyrischer Chronick. lib. 4. cap. 9.

Es hat Herr Philippus Christohorus, Weyland Chur-Fürst zu Trier / Bischoff zu Speyer / Administrator zu Prümm / Probst zu Weissenburg / und Odenheim / Commendator zu S. Maximin, etc. Christlichen Angedenckens / bey den Jüngsten General Friedens-Tractaten / die Stadt Weissenburg am Rhein / dem Kloster daselbst / wegen deß Königs Dagoberti in Franckreich Geschenck; Diese Stadt Landau aber dem Stifft Speyer / wegen einer dargeschossenen Summa Gelds / zueignen wollen: Darwider aber beyde Städte Anno 1648. m. 4. eine Schrifft mit diesem Titul: Deduction, daß deß Heiligen Reichs-Städte / Weissenburg am Rhein / und Landau / ihren Immediat-Stand / Session und Stimm / bey dem Heiligen Römischen Reich / und dessen Versamblung / gleich andern Immediat-Reichs-Ständen / von unverdencklichen Jahren / wol / und löblich / hervorgebracht haben: und daß derentwegen die von deß Herrn Ertz-Bischoffs zu Trier Chur-Fürstliche Gnaden am 31. Augusti, verflossenen 1647. Jahrs / wider solche Immediataet, eingewandte / und hernach zu Münster / bey den gemeinen Friedens-Tractaten, spargirte Protestation, von keinen Würden; sondern als mehrfältigen Käyserlichen Rescripten, Verträgen / und Confirmationen, auch dem offenbaren Herkommen selbsten / zuwider / auß der acht zu lassen / und zu verwerffen seye; mit angehenckter Gegen-Protestation Contradiction, und Reservation; außgehen lassen: darinn / under anderm / vermeldet wird / daß Käyser Ludovicus Bavarus, Landau / weil Sie es mit Friderico Austracio gehalten / dem Stifft Speyer in Pfandschafft gegeben / so die folgende Käyser vermehret hätten; und seye diese Stadt / in solcher Pfandschafft / biß auff Maximilianum I. geblieben; da solche zum Theil abgelöst / zum Theil auffgehoben worden. Der Bischoffliche Secretarius, Philippus Simonis, sagte in seiner Anno 1608. zu Freyburg gedruckten Speyerischen Chronick / es seye Landau 1516. mit 14. tausend fl. wieder abgelöst worden; darümb der 68. Bischoff / Georgius, das Schloß Magdeburg / nicht fern von Landau gelegen / mit aller seiner Zugehörde / ümb Hertzog Ulrichen von Würtenberg / der es neulich darvor / von den Frey-Herren von Heydegg / an sich gebracht / abgekaufft habe: ümb die übrigen achtzehen tausend Gülden seye das Stifft / auff die Vogteyen Odenheim / und Weibstadt / in dem Craichgau / verwiesen worden / so vor vielen Jahren / [30] dem Stifft Speyer / von dem Reich / umb 32. tausend Gülden / Verpfändet worden. Ferners stehet in der gedachten Deduction, pag. 24. seq. es hätte zwar das Bischthumb Speyer annoch einen Hoff in Landau / und ein Probst zu Weissenburg / auch daselbst allerhand Freyheiten / Gefäll / Zehenden / Haupt-Recht / und Schultheissen Satz; aber es komme deß Bischofflichen Hoffs-Befreyung / guten Theils / ex speciali Pacto cum civitate, her / und seyen die Freyheiten / Gefälle / etc. deß Probsts / an ihn nicht Jure superioratis territorialis kommen. In der Anno 1650. gemachten / und gedruckten Designation Restituendorum tribus terminis, stehet: Landau / contr. Decanum deß Stiffts S. Mariae ad Scalas, die in der Kirchen daselbst geklagte Turbation und Enderung / betreffend.

Es hat der Johanniter Orden von Malta / bey Landau / zu Heimbach / ein Kloster / und Ritter-Hauß. Dergleichen hat Er auch zu Weissenburg am Rhein / zwischen der Stadt / und dem Dorff Altenstadt / zu den Aichen genandt / vor diesem gehabt; welches Weissenburgisch aber in Abgang gerathen; wie Hertzog lib. 10. cap. 4. berichtet.