Theodor Körner’s Tod und Todesstätte

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Theodor Körner’s Tod und Todesstätte
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 789–791
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[789]
Theodor Körner’s Tod und Todesstätte.

In jedem Völkermorgenroth
Erglänzt sein Stern den Nationen.

Das ist die wahre Unsterblichkeit des Volkshelden. Ein solcher war auch Theodor Körner, der Jüngling, welcher – obwohl er weder Heere befehligt, noch Schlachten gewonnen – doch Tausende in den Kampf und zum Siege geführt hat. Wir legen heute einen Kranz der Erinnerung auf das Fleckchen Erde, wo er fiel.

Denkmal Theodor Körner’s bei Rosenberg, an der Stelle, wo er gefallen.

Ueber die Vorgänge, welche den Tod dieser Zierde der Lützow’schen Schaar herbeiführten, herrschte vom Anfang an selbst in den Berichten der Augenzeugen viel Widersprechendes. Erst durch die gründliche Forschung, welche Friedrich Brasch dem Gegenstande widmete und deren Ergebnisse er in einer besondern Schrift veröffentlichte, ist eine klare Darstellung des ganzen Verlaufs möglich geworden. Wir müssen jedoch einige Schritte in der Geschichte des Lützow’schen Corps selbst zurückgehen, um unserm Dichterhelden auf seinem letzten Ritte zu folgen.

Nach dem Abschluß des Waffenstillstandes von Pleißwitz (am 4. Junius 1813) führte bekanntlich der würtembergische General Graf v. Normann-Ehrenfels – der Name lebt für immer gebrandmarkt in der Geschichte fort – bei Kitzen unweit Leipzig den Racheplan des französischen Kaisers zur Vernichtung der Lützow’schen Reiterschaar aus. Dem Mann von deutschem Adel gelang im Dienste der gemeinsten Hinterlist und des schändlichsten Verraths ein für immer entehrender Sieg; die tapfere Schaar, die, auf den Waffenstillstand und die friedlichen Versicherungen des französischen Befehlshabers bauend, die Klingen in der Scheide, auf dem geraden Wege zu ihrem Hauptcorps begriffen war, wurde fast aufgerieben. Körner erhielt bei diesem Ueberfall als Lützow’s Adjutant und Parlamentär die erste Wunde, indem der Officier an der Spitze der Hauptcolonne der Gegner dem deutschen Parlamentär, statt der Antwort auf die Frage über die Bedeutung der feindlichen Bewegung, einen Hieb über den Kopf versetzte. Der schwer Verwundete fand erst in Leipzig, dann in Karlsbad und Berlin Heilung und Genesung. Während dieser Zeit hatte Lützow frische Kräfte an sich gezogen; so fand Körner seine schwarzen Reiter am rechten Elbufer oberhalb Hamburg wieder und ward wie ein aus der Unterwelt Zurückgekehrter von ihnen begrüßt.

Mit dem gesammten Lützow’schen Corps war indeß eine große Wandelung in seiner äußern Stellung vorgegangen. Der König von Preußen hatte während des Waffenstillstandes die Selbstständigkeit des Corps aufgehoben und es der unter dem Kronprinzen von Schweden stehenden Nordarmee zugetheilt, und zwar dem äußersten Flügel derselben unter Wallmoden. Dieser General stand dem auf Hamburg basirten Davoust gegenüber und wies das Corps schließlich dem Befehle Tettenborn’s zu, der es mit seinen 1350 Kosaken zu einem „Freikörper“ vereinigte. Als nach dem Ablaufe des Waffenstillstandes Davoust über Wittenberg nach Schwerin vorzudringen suchte, hielt sich Wallmoden ihm rechts zur Seite, bis der Kronprinz von Schweden ihm zur Verstärkung seiner rechten Flanke seine Stellung in Brandenburg an der Havel anwies. In Mecklenburg blieb gegen Davoust nur die Abtheilung Tettenborn und die Division Vegesak mit den Lützowern. Um dem Feinde diese Schwäche an Streitkraft zu verbergen, sollte derselbe durch alle mögliche Beunruhigung irre gemacht werden. Das war die Aufgabe Lützow’s, und sie veranlaßte seine Schaar zu den verschiedenartigsten und kühnsten Streifereien und führte das „lustige Reiterleben“ herbei, das Körner so herrlich besungen hat.

Zu einem solchen Streifzug gab eine Meldung des Oberjägers Natus Veranlassung. Nach derselben sollte sich eine starke Abtheilung Franzosen an der von Gadebusch nach Schwerin führenden Straße befinden, ein Theil derselben das Dorf Rosenow, ein anderer den Eulenkrug besetzt halten, ein kleinerer Trupp sich zwischen beiden umhertreiben. Um diesem Völkchen einen Besuch zu machen, brach der Major am 26. August Morgens 3 Uhr von Gottesgabe auf, sich der Gadebuscher Straße nähernd. Die Poststraße von Gadebusch nach Schwerin führte über Rosenow und Rosenberg und hatte zwischen diesen beiden letztern eine halbe Stunde von einander entfernten Orten auf der größern Hälfte freies Ackerfeld; näher nach Rosenberg hin jedoch befand sich auf der rechten Seite der Straße ein Tannenwald, an dessen Nordende die Straße entlang führte, und welcher noch jetzt durch die Größe und Schönheit seiner Bäume von dem spätern Anwuchs auf der rechten und linken nördlichen Seite deutlich zu unterscheiden ist. Letztere war damals freies Feld, nur das Grabenufer trug längs des Weges etwas Birkengebüsch. In jenem Tannenwalde nun hatte sich Lützow mit den Seinen verborgen, um von diesem Verstecke aus zu recognosciren. Hier im Walde war es, wo der Heldenjüngling, dem schon immer „seit der Weihe im Rogauer Gotteshause eine Todesahnung durch’s Herz zuckte,“ dieser Ahnung seinen letzten Ausdruck geben sollte.

„Und bringst Du mir,“ fragte sein Freund Förster, „heute kein neues Leid für unsere Feldcapelle?“

„Das Ding ist nicht fertig zu Papier gebracht,“ antwortete Körner, „aber schon zurecht gelegt; auch etwas Melodie summt mir im Kopfe herum; sobald der Tag graut, will ich’s aufschreiben, dann sollst Du es haben.“

[790] Der Tag graute, und Körner schrieb in schwindender Dämmerung sein letztes Lied: „Du Schwert an meiner Linken.“ Kaum hat er’s vollendet, so schmettert die Trompete! Auf sitzen die schwarzen Husaren und traben dem Feinde entgegen. Einige auf einer Anhöhe lauernde Kosaken hatten um 7 Uhr Morgens einen heranrückenden Transport von Munition und Lebensmitteln gewahrt, welchen zwei Compagnien Infanterie deckten. Dieselbe Kundschaft war dem Grafen Hardenberg im Kruge von Lützow durch einen von Gadebusch zurückkehrenden Fuhrmann gebracht worden. Man beschloß sofort, diesen Zug durch einen gleichzeitigen Angriff von drei Seiten auf dem freien Felde zwischen Rosenow und dem Rosenberger Gehölze aufzuheben. Vom Gehölze aus sollte er durch die von vorne angreifenden und ihn an seiner Spitze umschwärmenden Kosaken abgeschnitten und aus den Rosenberger Tannen von einer Abtheilung der schwarzen Reiter angegriffen werden, während der Major selbst, an seiner Seite Körner, in der Richtung vom Hofe Lützow über den Weg sprengend, dem Feinde von hinten in die Flanke fallen wollten. Die Kosaken kamen jedoch zu spät an ihre Stelle und fielen dann gleich über die Beute her, wie ein Mann zu Rosenhagen von einem hohen Baume aus deutlich sah. Dadurch geschah es, daß die ersten Wagen in das Gehölz fast bis nach Rosenberg gelangten. Von den übrigen Fuhrleuten, die von den Franzosen zwangsweise in Anspruch genommen waren, machten sich manche die Verwirrung zu nutze, schnitten die Pferde los und jagten querfeldein. Die Bedeckung aber mußte bald fliehen und zog sich neben und unter der den Weg versperrenden Wagenreihe entlang nach dem Gehölze hin, aus dem sie tiraillirend auf die erbitterten Verfolger schoß.

Unter den eifrigsten Verfolgern befand sich Theodor Körner. Entflammt von jenem Enthusiasmus und jener „Lützower Weise“, nach welcher ohne Commando und Erlaubniß, im Drange nach persönlicher freier That, allezeit drauf losgegangen wurde, verließ Körner den Major und gelangte mit einer Zahl Cameraden auf die Nordseite des Gehölzes, an dessen Anfang die dichteste Tirailleurskette sich befand. Hier war die Verwirrung am größten, hier die Verfolgung der aus dem Gebüsche feuernden Feinde am heftigsten. Und hier ist die Stelle, wo von Rosenowern noch jetzt die hohe, dunkele Fichte gezeigt wird, die alle anderen bei weitem überragt und aus deren sicherem Versteck die Kugel eines Feindes, den Hals von Körner’s Schimmel streifend, den kühnen Reiter zum Tode traf. Unter der Herzgrube in den Unterleib dringend, verletzte sie Leber und Rückgrat. Lautlos sank der Held vom Pferde, zweien heraneilenden treuen Freunden, Helfritz und dem edlen Friesen, in die Arme, die ihn unter dem Feuer der Feinde eine Strecke forttrugen und ihn unter eine Birke niedersetzten, mit dem Rücken an den Baum gelehnt. Noch einmal öffnete der todeswunde Held den Mund; dann sank er sprachlos um. Mit stummem Schmerze hoben ihn die Waffenbrüder auf ein Fuhrwerk. Noch wenige Augenblicke leisen Athems, dann stand das Herz still. Mit Blumen und Eichenlaub bekränzt fuhren die Genossen die Leiche nach Wöbbelin und mit ihr die des jungen Grafen Hardenberg, der mit noch zwei anderen Lützowern in dem Rosenberger Gefechte auch den Heldentod gefunden hatte. Dort ruht Theodor Körner unter seiner Eiche, neben seiner einzigen Schwester, die aus Gram über den Tod des geliebten Bruders starb, und neben seinem Vater, der den letzten Ruheort bei seinen Kindern suchte.

An der Stätte aber, wo den Dichter und Helden die tödtliche Kugel getroffen, hat in jüngster Zeit eine edle Hand ihm ein Denkmal gesetzt. Schon vorher war jene Stätte nach der Localangabe eines Rosenowers von Tannen frei gemacht und mit zwei Trauereschen bepflanzt worden. Hier erhebt sich seit dem Jahre 1850 eine Denksäule von Granit in Form eines Obelisken, welcher unten 3, oben 1¼ Fuß im Geviert mißt und mit dem Grundsteine eine Höhe von 19 Fuß erreicht. Die vordere Seite schmückt „Leyer und Schwert“, darunter stehen Körner’s Worte:

„Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unseren Leichen,
Vaterland, höre den heiligen Eid!“

Auf der andern Seite sind die Worte eingegraben: „Hier fiel Karl Theodor Körner, ein deutscher Mann, am 26. August 1813. Gewidmet von Karl Griefenhagen auf Rosenhagen.“ Den Hintergrund bildet eine dunkele Tannenwand, die im Halbkreise das Denkmal umgiebt.

Des Dichters schöne Mahnung:

„Vergeßt der treuen Todten nicht und schmücket
Auch ihre Urne mit dem Eichenkranz,“

sie ist in dankbare Herzen gedrungen; noch ist kein Jahr vergangen, ohne daß sein Grab und sein Denkmal ihre frischen Kränze trugen und ein Ehrenlied für den Gefallenen an dieser der Vaterlandsliebe heiligen Stätte erklang. Theodor Körner’s Ehrentage sind zu frommen Jugendfesten jener Gegend geworden.

Andere Zeiten verlangen andere Feste. Es gab eine Zeit, wo die Feier der Siegestage des „Befreiungskriegs“ an vielen höchsten Orten ungern gesehen wurde, ja, in manchem deutschen Lande sogar verboten war. Man scheute die Erinnerung an jene Kampfthaten der Völker, für welche man in der Dankbarkeit der Noth so sehr viel ganz vergeblich versprochen hatte. Damals verging der Nation die Lust zu öffentlichen Ehrenfeierlichkeiten für ihre großen Todten. Oeffentliche Pracht entfalteten nur die Familienfeste der Fürsten, zu welchen die Schaulust der Menge sich unterthänigst hinzudrängen durfte. Der Erinnerung an die Helden des Volks weihete man prunklose Feierstunden in engeren Kreisen, wenn dies nicht gar insgeheim geschehen mußte; ja, schließlich wagte es fast nur noch die akademische Jugend, eine freie politische Meinung öffentlich zu äußern, weil sie durch die begeisternde Anschauung des Idealen über Gefahr und Gram der Gegenwart emporgehoben wurde, während die durch bittere Erfahrungen enttäuschten Männer verdrossen und schweigend zu Boden sahen. Deutsches Leben blühte fast nur noch in den patriotischen Jugendfesten geheimer Verbindungen.

Diese Zeiten sind vorüber. Das Volk entfaltet seine Fahnen wieder am hellen Tage und auf offenem Markt, aber eine dunkele Wolke schwebt an seinem Himmel;

„Wohl mischt sich selbst in seine Feier,
     Ins Freudenroth der ernste Flor,
Doch tritt gerüsteter und freier
     Der Geist zu Werk und That hervor;“

und wenn vordem der Mann schwieg und die Jünglinge redeten, so ringen jetzt die Männer laut und offen nach dem nationalen Staate, während die Jugend in ihrer großen Mehrzahl kopfhängerisch oder gar gleichgültig vor der großen Bewegung der Zeit steht. Oder sind die paar tausend Turner, welche von den Millionen deutscher Jünglinge allein nach freiwilliger Wehrhaftigkeit streben, etwa ein Zeugniß für etwas Besseres? – Oder fehlt es für die neuerdings offen ausgesprochene Behauptung – „daß der größere Theil unserer (namentlich „vornehmen“) Jugend, wenn er noch nicht wirklich blasirt ist, doch Blasirtheit heuchelt und, an realistische Anschauungen hingegeben, es nicht mehr der Mühe werth hält, sich von den Helden der Geschichte, wie der Poesie, oder durch Werke der Kunst und Natur, überhaupt durch das Ideale erheben zu lassen“ – irgendwo in Deutschland an zahlreichen leibhaftigen Belegen? Hier gilt es, Baader’s Ausspruch: „Nicht erhoben werden – ist sinken!“ der Jugend alles Ernstes zuzurufen und ihr ein Beispiel aus ihren Reihen, ein Muster, das selbst den Reihen der Männer zur Zierde gereichen würde, zur Verehrung und Nachahmung aufzustellen.

Und das ist Theodor Körner! – Ihr fragt, was er war? Ein Jüngling war er, der in den Tagen von Deutschlands tiefster Schmach des Vaterlandes Jammer und Noth im deutschen Herzen getragen und des Vaterlandes Schande mit seinem Heldenblute gesühnt hat, ein Jüngling, „der sich zum Helden gesungen und zum Dichter geschlagen“, ein Heldensänger im Schmucke der ersten Jugend. Ja, gerade das erhebt unsern Körner auch für die ernsten Männer zu einer ewig das Herz anziehenden Erscheinung, daß sich in ihm im edelsten Bilde darstellt die reine deutsche Jugendlichkeit, in der sich Held und Dichter einen.

Trotz all der Mängel, die das Auge des Alters an der Jugend erkennt, wird kein rechter Mann jemals vergessen, daß gerade in der Jugend sich etwas Höheres, für alle Zeit Bleibendes darstellt, welches als deren schönster Schmuck mit innerer Gewalt die Herzen der Menschen bezwingt, welches der Mann nicht wegwerfen darf, und welches noch am Lebensabend aus dem Auge des jugendlichen Greises leuchtet. Von Theodor Körner mögen wir es lernen. Es ist jene reine, vom Leben nicht abgeschwächte ursprünglich aus des Schöpfers Hand hervorgerufene Kraft heiliger Begeisterung, die in ungetheilter Fülle sich allem Edlen und Hohen ganz hingiebt, selbst mit Aufopferung der schönsten Güter dieses Lebens. [791] In solcher Kraft lag dieses Jünglings Größe. Triumphirender Glaube an Gott, helle Zuversicht für die Sache des Rechtes und glühende Vaterlandeliebe erfüllten sein Herz ganz und gar. Und wie er singend in der Kriegsrüstung den deutschen Jünglingen voranschritt, schlugen seine Töne wie zündende Blitze ein in ihre Brust und erfüllten wiederum auch sie mit aller Kraft und Hingebung der edelsten Begeisterung.

Und das ist’s, was unserer Jugend Noth thut! Und darum sollten unsere geschäftsseligen oder hochgelahrten Jünglinge, – statt sich am frostigen Urtheil einer herzlosen Kritik über „die jugendlichen Leistungen der Körner’schen Muse“ vorzeitig abzukühlen – vor Allem die hohe ethische und nationale Bedeutung einer solchen Erscheinung begreifen, achten und lieben lernen; sie sollten die Geschichte der erbärmlichen Zeit, aus welcher Körner’s Geist und Herz sich erhob, recht eifrig studiren, damit aus ihr das Bild des Heldenjünglings in voller Klarheit vor ihr Auge trete; sie sollten all das herrliche Glück des Lebens, das Körner für seines Vaterlandes Freiheit und Ehre opferte, in ihren eignen Herzen abwägen: und wahrlich, es müßte das Blut der Jugend anders geworden sein, wenn sie nicht zu einem Körnertag sich aufschwänge, alljährlich ein Körnerfest mit ihren blühendsten Ehren feierte.

Die Männer, die jetzt rüstig im Kampfe stehen, werden Greise, wenn der Kampf selbst sie nicht vor dem Alter aufreibt; nur eine kräftige Jugend der Gegenwart könnte wieder Männer liefern. Jede Generation hat aber eine doppelte Verpflichtung: die ererbten Kämpfe tapfer fortzuführen und für die Kämpfe, die sie nicht vollenden kann, der Zukunft die rechten Streiter zu erziehen. Darum gilt’s, die Jugend vor ihr gerechtes Vorbild zu führen, denn auch des Helden Dichterwort wird in Erfüllung gehen:

Und noch einmal mußt du ringen
Wohl in ernster Geisterschlacht,
Und den letzten Feind bezwingen,
Der im Innern lauernd wacht!
Haß und Mißgunst mußt du dämpfen,
Neid und Streit und böse Lust;
Dann, nach langen, langen Kämpfen
Kannst du ruhen, deutsche Brust!