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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Theodelind und das Meerwunder
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 47-49
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 067.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[47]
401.
Theodelind und das Meerwunder.

Altdeutsches Gedicht im Dresdner Heldenbuch.
Hans Sachs, Buch IV. Kemptn. Ausg. Bl. 130–132.

Eines Tages wandelte Theodelind, Agilulfs Gemahlin, in der grünen Au, nahe am Meerufer, sich zu erfrischen und Blumen zu brechen. Da stieg plötzlich ein scheußliches Meerwunder ans Land, rauchbehaart, mit glühenden Augen, faßte die zarte Königin und überwältigte sie. Aber ein Edelmann, der in der Nähe Hirsch und Hind jagte, hörte ihr klägliches Wehgeschrei, ritt eilends hinzu, und sobald ihn das Meerwunder kommen sah, ließ es die Königin und sprang in das Meer zurück. Der Edelmann geleitete Theodelinden heim; seit der Zeit war ihr Herz traurig und betrübt, doch sagte sie niemand, was ihr geschehen [48] war. Hierauf brachte sie ein Kind zur Welt, rauch und schwarz und rothäugig, gleich seinem Vater; Agilulf erschrak innig, daß er einen solchen Sohn erzeugt hätte, doch ließ er ihn sorgfältig auferziehen. Das Kind wuchs auf, und war bös und tückisch, andern Kindern griff es mit Fingern die Augen aus, oder zerbrach ihnen Arm und Beine, daß sich jeder vor ihm hütete, wie vor dem leidigen Teufel. Und als es älter wurde, schwächte es Frauen und Jungfrauen, und tödtete die Männer; da zürnte der edle König, und dachte es mit Worten zu strafen, aber es wehrte sich, und schlug auf seinen Vater selber los, daß es ihn beinahe umgebracht hätte; seit der Zeit strebte es ihm und des Königs rechtem ehelichem Sohne nach dem Leben. Dieser Teufel kann Nimmermehr mein Kind seyn, dachte der König, und ermahnte seinen Sohn, daß sie mit dem Ungeheuer streiten, und es erlegen wollten, ehe es noch mehr Mord beginge. Viele Helden tödtete es in dem Kampfe, und schlug seinem Vater und Bruder manche tiefe Wunde; das Blut rann im Saal, da nahm seine Mutter selbst Pfeil und Bogen, und half mit fechten, bis es zuletzt von vielen getroffen zu Boden niedersank. Als das Ungeheuer todt lag, sprach der König zu Theudelinde: „nimmermehr war das mein Sohn, bekenne mir frei, von wem du es empfangen hattest, so soll dir alles vergeben seyn.“ Die Königin bat um Gnade, und sagte: „wie sie vor Jahren am Gestade des Meeres gegangen, sey ein scheußliches Meerwunder

[49] hervorgesprungen, und habe sie mit Gewalt bezwungen; das könne ihr der Edelmann bezeugen, der sie nach Haus geleitet.“ Dieser würde herbeigerufen und bestätigte, daß er auf das Geschrei der Königin hinzugeeilt sey, und das Meerwunder entspringen gesehen habe. Der König sprach: „nun möchte ich wissen, ob es noch am Leben ist, damit ich mich an ihm rächen könnte; darum will ich, daß ihr euch an dieselbe Stelle wiederum hinleget und seiner wartet.“ „Was ihr gebietet, thue ich – versetzte die Königin – was mir immer darum geschehe.“ Da ging die Frau, zierlich gekleidet, hin an des Meeres Flut; der König aber und sein Sohn bargen sich mit Waffen im Gesträuche. Nicht lange lag sie da, als das Meerwunder aus den Wellen sprang und auf sie zu lief; in demselben Augenblicke wurde es vom König und seinem Sohne überfallen, daß es nicht entrinnen konnte. Die Königin aber ergriff ein Schwert, und stach es durch den Leib des Unthiers, welches auf diese Weise mit dem Leben büßte; alle lobten Gott und zogen in Freuden heim.