Hauptmenü öffnen
Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Sylvesternacht
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Königlich Sächsischer Ameisen-Kalender
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Friedrich Geissler (E. Trachbrodt)
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung:
Der Kalender besaß keine Paginierung
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Sylvesternacht (Rudolf Lavant).jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[XX]

Sylvesternacht

     In übermüth’ger Zecher Kreise
Des Jahres Wechsel zu begehn,
Es war noch niemals meine Weise –
Es soll auch heute nicht geschehn!

5
Das jauchzt und lärmt auf allen Gassen,

Ich sitze einsam und allein
Und blicke sinnend und gelassen
In׳s Römerglas voll Ungarwein.

     Ich schaue Bilder und Gestalten

10
In meiner wachen Träumerei.

Schwarz das Gewand und schwer die Falten,
So schreiten diese still vorbei,
Und jene huschen mit Frohlocken
Dahin und grüßen mit der Hand;

15
Im Haare Hyazinthenglocken

Und um die Stirn ein rosig Band.

     Ich habe schwer und viel gelitten,
Es zuckte oft der bleiche Mund;
Ich habe heiß und wild gestritten

20
Und war zum Tode matt und wund.

Ich habe Herrlichstes genossen
In dieser kurzen Spanne Zeit,
Und meine Thränen sind geflossen
Im Uebermaß der Seligkeit.

25
     Vorbei, verklungen und versunken!

Ihr weckt mir weder Furcht noch Reu.
Von Kampflust und von Liebe trunken —
Mir selber blieb ich immer treu.
Und wie das Schicksal auch gewaltet

30
Wie auch umflort mein lichter Stern —

In Lust und Weh hat sich entfaltet
Zur Blüte meines Wesens Kern.

     So geh ich denn mit stillem Muthe
Entgegen dir, du neues Jahr,

35
Zu Jauchzen, zu Tumult im Blute,

Zu Kussesschauern und Gefahr.
Es schmücke sich der Lenz mit Rosen,
Es flamme fahler Wetterschein,
Es fasse mich der Stürme Tosen —

40
Ich weiß, es wird zu tragen sein.


     Bewußt und klar in Haß und Liebe,
Gesund und frisch in Herz und Hirn,
Den Stahl entblößt zum scharfen Hiebe,
So biet ich Allem kühn die Stirn.

45
Die schweren Glockenschläge hallen . . .

Du Jahr, das ich herangewacht,
Dir sei auf Siegen oder Fallen
Mein voller Römer dargebracht.

                                                       R. Lavant.

Anmerkungen (Wikisource)Bearbeiten

Erstmals abgedruckt in:

  • Illustrirte Zeitung für Gabelsberger’sche Stenographen, 1880, Nr. 7, Seite 77, hier mit dem Titel „In der Sylvesternacht“.