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Titel: Suleiman Pascha
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aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 19
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[17] 
Die Gartenlaube (1878) b 017.jpg

Suleiman Pascha.
Originalzeichnung von Professor W. Camphausen in Düsseldorf.

[19] Suleiman Pascha. (Mit Abbildung S. 17.) Ueber diesen General, der in den letzten Tagen zum Oberbefehlshaber in Rumelien erhoben wurde, lauten die öffentlichen Urtheile so verschieden, wie über die meisten übrigen Feldherren der Pforte. Von seiner Vergangenheit weiß man, daß er längere Zeit in europäischen Hauptstädten und dann in Provinzial-Garnisonen gelebt, bis man, auf seine Kenntnisse aufmerksam geworden, ihn zum Lehrer und später zum Director der Militärschule in Constantinopel beförderte. Dies geschah unter dem Sultan Abdul Aziz. An der Palastrevolution, welche die Beseitigung desselben ausführte, nahm Suleiman wesentlichen Antheil. Er holte in der Nacht der Gewaltthat den Prinzen Murad aus seinem Zimmer und brachte ihn zu dem Wagen, in welchem er von Hussein Avni in Empfang genommen und zum Seraskierat begleitet wurde. Die Belohnung für diese Mitwirkung zum Thronwechsel soll seine Erhebung zum Divisionsgeneral gewesen sein. Als solcher übernahm er gemeinsam mit Mehemed Ali Pascha die Führung der Truppen gegen die Montenegriner; ihm gelang die sehr schwierige Verproviantirung der hart bedrängten Festung Riksitsch; auch seine sonstigen Unternehmungen gegen Montenegro waren von Erfolg, sodaß man den Zweck beider Generale dort erreicht sah und beiden nun ihren Kräften angemessenere Kampffelder eröffnete, indem man Suleiman Pascha an die Spitze einer Armee stellte, welche über die Balkanpässe sich mit der Donau-Armee verbinden sollte, zu deren Führer zu gleicher Zeit Mehemed Ali an die Stelle des abberufenen Abdul Kerim Pascha erhoben wurde.

Dieser Wandel im Obercommando war die Folge des Ueberganges der Russen über die Donau und ihres Vordringens über den unbewachten Balkan und bis gegen Adrianopel hin. Während Mehemed Ali von Constantinopel aus zur See nach Bulgarien eilte, ging Suleiman gegen die Russen vor. Mit seinen im Kampf erprobten und gehärteten Truppen konnte er Marschleistungen wagen, die geradezu wunderbar genannt worden sind; er schlug die Russen nicht nur zurück, sondern verfolgte sie in den Schipkapaß und setzte sich mit Mehemed Ali’s Armee in Fühlung. Bis hierher ist sein Lob ein allgemeines. Am Schipkapaß zersplittert es. Die Kampfart, die sich kaum gegen die Montenegriner bewährt hatte, den rücksichtslosen Sturm, wandte er gegen einen Feind an, der ihm mit trefflicher Artillerie gegenüberstand. Daher der ungeheuere Menschenverlust, der ihn zwei Drittel seiner Armee kostete ohne nennenswerten Fortschritt dafür. Es war dieselbe blinde Menschenschlächterei, wie die russische Heeresleitung sie vor Plewna aufführte. Vom 21. August bis 5. September rechnet man ihm 15,000 Verwundete und 5000 Todte nach. Die Verwundeten lagen tausendweise ohne Pflege umher. Suleiman selbst gestand einmal: „Wenn nicht die Aerzte vom Stafford-Hause gewesen wären, so hätte ich meine Verwundeten erschießen lassen müssen.“ Dennoch scheint er im Schipkapaß nur den Befehlen des bekannten Constantinopolitanischen „Hofkriegsraths“ gehorcht zu haben, denn trotz der Klagen Mehemed Ali’s gegen ihn geschah das für alle Welt Ueberraschendste: Mehemed Ali, der ihn vergeblich aufgefordert hatte, zu ihm zu stoßen, um mit ihm gemeinsam die Russen anzugreifen, wurde plötzlich, Anfang October, des Obercommandos in Bulgarien entsetzt und Suleiman Pascha zu seinem Nachfolger ernannt. Man soll in Constantinopel mit der „Cunctator-Strategie“ Mehemed Ali’s unzufrieden gewesen sein; er erhielt das Commando über die sogenannte Sofia-Armee.

Suleiman schlug sein Hauptquartier erst in Rasgrad, dann an vielen anderen Orten auf, telegraphirte endlos über Recognoscirungen und Vorpostengefechte und ließ in Bulgarien genau wie sein Vorgänger auf die großen Thaten warten, die namentlich in der Befreiung Plewnas, eines ausgezeichneten Generals und einer tüchtigen Armee aus der eisernen russischen Umarmung gipfeln sollten. Osman Pascha blickte jedoch vergeblich auf seinen Wällen nach Ost und West. Die Witterung, die grundlosen Wege mochten viel Schuld an der langsamen Kriegführung Suleiman’s tragen; dennoch ging bereits das Gerücht seiner Ersetzung im Commando durch Ferif Fazly – da kam ihm der Sieg bei Helena (4. December) zu Hülfe, und schon glaubte man die Russen an ihrer gefährlichsten Seite bedroht, zwischen Tirnowa und dem Schipkapaß, als der Fall von Plewna einen Abschnitt in die Geschichte dieses russisch-türkischen Krieges und der Feldherrn-Laufbahn des Suleiman Pascha brachte. So fest und hoch steht er im Vertrauen des Sultans, daß ihm nicht nur der höchste Orden des Reichs verliehen, sondern auch die wichtigste militärische Stellung bei der nothwendigen Neugestaltung des Kriegs angewiesen wurde. Denn da man das Hauptgewicht jetzt auf die Vertheidigung der Balkanpässe und Rumeliens zum Schutz von Adrianopel und Constantinopel zu legen scheint, so hat Suleiman Pascha in diesen Tagen hier den Oberbefehl erhalten. Demnach ist dieser unselige Krieg nicht zu Ende.