Textdaten
<<< >>>
Autor: Ernst Ziel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Steppenbild
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 159–160
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[159]

Kosaken-Hochwacht am Kubanflusse.
Nach der Skizze eines russischen Offiziers.

[160]

 Steppenbild.

 (Mit Abbildung.)

Wild und rauschend, wenn die Mondnacht auf Kaukasiens Steppen ruht,
Wälzt der Kuban durch die Eb’ne silbern schimmernd seine Fluth.

Magisch ist die Nacht der Wüste, lichterfüllt und mittaghell;
Ueber wirres Fluthgestrüppe wirbelt schäumend Well’ auf Well’.

Durch die baumlos öden Weiten leisen Fußes geht die Nacht,
Und die Sterne leuchten droben feierlich in ernster Pracht.

Horch! am Ufer wird es rege: lärmend aus der Hütte steigt
Auf die Hochwacht der Kosake, während rings die Wüste schweigt.

Nach dem Feinde, dem Tscherkessen, schaut er spähend über’s Feld,
Welcher drüben, hinter’m Kuban, hoch der Freiheit Banner hält.

Krieg und Tod denkt der Kosake – plötzlich wird das Herz ihm schwer:
Ferne, fern von der Stanitza tönt die Steppenflöte her.

Ihre Weisen, langgezogen, klingen wie ein Klagelied,
Und das ganze Weh der Steppe leis’ durch ihre Klänge zieht:

Daß so groß und wundermächtig, überwält’gend die Natur,
Und der Mensch in ihrem Schooße ein verschwindend Staubkorn nur.

Und die Töne, echoweckend, ziehn zum Meere mit dem Fluß –
Himmelwärts am Horizonte hebt das Haupt der Kaukasus.

 Ernst Ziel.