Textdaten
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Autor: Richard Dehmel
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Titel: So im Wandern
Untertitel:
aus: Aber die Liebe
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 99-101
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[99] So im Wandern.

Ein silbern klein Herze,
von Golde ein’n Ring,
die gab sie mir, als ich
wandern ging,

5
und that in das Herze

ihr Bild hinein;
so einsam der Morgen,
bin doch nicht allein ...

Arme Padde im Gleise,

10
zerquetscht liegst du.

Ich wandre meine Straße
und wandre immer zu.

Schon teilt sich der Nebel
und schimmert die Welt,

15
im Sonnenschein glitzert

das Aehrenfeld;

die Hummeln summen,
die Lerchen klingen;
die Birken wehen,

20
die Zweige schwingen;


die Pappeln, die schütteln
die Blätter im Wind;
sie flüstern, sie singen
von meinem fernen Kind.

25
[100] Das Herzelein nehm’ich

vom seidenen Band
und leg’s in das Ringlein
in meiner Hand,

so schreit ich und schau

30
als ein Zeichen mir’s an:

so halt ich in Treuen
ohn Ende Dich umfahn ...

Was rennst, Meister Lampe?
heut jag’ich nicht.

35
Ich wandre, ich schreite,

die Sonne sticht.

In Dorfes Mitten
der Friedhof sich hebt;
wie wird’s gar kühl sich ruhen,

40
wenn man mich einst begräbt!


zwei weiße Rosen biegen
ums Grabkreuz die Aest,
drauf steht mein Nam geschrieben;
bis der Regen ihn löscht ...

45
Hinterm Kirchlein die Schenke

heißt „Zu den 3 Linden“;
da wird ein Ruheplätzchen
sich auch wol noch finden!

Ei Tausend, mein Schätzchen:

50
so schmuck, und allein?

Ei komm doch, rück näher;
trink aus, schenk ein! –
  
[101] Na Schätzel, was weinst denn?
Ja, die Welt ist hohl,

55
die Welt ist ne Flasche:

trink aus! leb wohl! –

Was wackelt der Pfahl da?
der ist wol betrunken!
Ich wandre, ich schreite,

60
in Sinnen versunken.


Wir war’n ja so alleine;
und sie, sie so weit!
ich will ihr Alles sagen,
bis sie mir verzeiht ...

65
Und am End meiner Reise

steht mein elterlich Haus,
da schaut mein lieb Mütterchen
am Fenster nach mir aus;

und drinnen sitzt mein Vater,

70
wie’n König auf sei’m Thron,

und will’s nicht verraten,
daß er wart’t auf sein’n Sohn ...

Nun will ich nicht sinnen,
ob man glücklich kann werden;

75
der Himmel ist hoch,

und wir leben auf Erden –
          schrumm!