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kellern und gewölben kommt das graumännlein herauf ins schloß, geht durch alle gemächer und durchstöbert alles. hat es die runde gemacht, so kehrt es wieder zurück von wannen es gekommen. man hat’s schon oft gesehen. als der alte fürst starb, kam es auch wieder, seither aber nicht mehr. –


2. ERDMÄNNLEIN PROPHEZEIT.

     Als man die straße von Gmünd nach dem Rechberg baute, kam auf dem wege nach Stuttgart dem Gmünder feldschützen ein kleines erdmännlein entgegen und redete ihn folgendermaßen an: ’er werde es vielleicht noch erleben, daß auf der neuerbauten straße ganz wenig leute einstens gehen werden.’ nach diesen worten verschwand das männlein und der feldschütz wußte weder woher noch wohin es so plötzlich gekommen sei.


3. EINFÜSZLE IM NONNENKLOSTER.

     In einem dem sogenannten nonnenkloster zu Tübingen gehörenden nebengebäude weiß man seit alten zeiten her viel vom einfüßle zu erzählen. es ist ein kleines winziges kohlrabenschwarzes männlein mit nur einem fuß und einem der kaputze ähnlichen käppchen. in der scheuer besonders zur adventszeit ließ er sich oft sehen und hören, ergötzte sich oft tage und nächte lang mit fruchtmessen, geld zählen und hatte seine besondere freude daran, die leute recht zu necken und zu erschrecken. so warf einfüßchen oft wenn die leute in der scheuer arbeiteten, vom obersten kräch herunter das heuseil, trippelte die stiegen auf und ab besonders gegen abend. mal riefen kinder unter dem scheuerthor zum spaß, einfüßle einfüßle komm! auf einmal trippelte einfüßchen heran, so schnell als wie einer mit zwei füßen. die kinder sprangen erschrocken davon, nur ein bube fiel und das freute einfüßchen so, daß es laut auflachte und wieder in die scheuer zurückkehrte.


4. ROTHMÄNTELE AUF DEM SPITZBERG.

     Auf dem Spitzberg bei Tübingen hauste vor alters ein

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Wilhelm Mannhardt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, Band IV. Dieterische Buchhandlung, Göttingen 1859, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_f%C3%BCr_deutsche_Mythologie_und_Sittenkunde_-_Band_IV.djvu/172&oldid=- (Version vom 1.8.2018)