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viele Wendungen geben, und noch so vielerley Brühen über sein Schweinfleisch machen, so merket der Leser doch gleich, daß es weiter nichts als Schweinfleisch ist. Die Kunst sich auszudrüken, kann sich nicht über die Gränzen unserer Gedanken hinaus erstreken, und wenn diese erschöpfet sind, so müssen es auch unsere Worte seyn.

Gesezt aber auch, daß die Materie zu den Lobreden würklich eben so fruchtbar wäre, als die Topik der Satiren, so würde es dennoch nicht schwer seyn, einen hinlänglichen Grund anzugeben, warum diese leztern stets besser aufgenommen werden, als die erstern. Denn da eine Lobrede auf einmal nur eine, oder doch nicht viele Personen zum Gegenstand hat, so muß sie bey denen, welche an diesem Segen keinen Antheil haben, nothwendig Neid, und böse Nachreden verursachen. Die Satire hingegen ist auf alle gerichtet, und wird daher von keinem übel genommen, weil sich jeder die Freyheit nimmt sie auf andere zu deuten, und den Theil der Bürde der ihm zugehöret, weislich auf die Schultern der ganzen Welt zuwelzen, welche breit genung sind, sie zu tragen. Ich habe daher öfters dem Unterscheid nachgedacht, der sich in diesem Stük zwischen England und dem alten Athen befindet. Zu Athen[1] hatte jeder Bürger und Poet die Freyheit, und ein angeerbtes Recht, die berühmtesten Männer, einen Creon z. Ex. einen Hyperbolus, Alcibiades, Demosthenes etc. nach Belieben zu schmähen, oder sie auch auf dem


  1. Xenoph.
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Mährgen von der Tonne. [recte: Orell in Zürich], Hamburg und Leipzig 1758, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Maehrgen_von_der_Tonne-1758.djvu/70&oldid=- (Version vom 1.8.2018)