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ihn hernach in eine Substanz verwandeln, ohne die Philosophie; derer vornemster Talent ist, Bilder und Gleichnisse in den Buchstaben, und hingegen was buchstäblich ist, in Figuren und Geheimnisse zu verkehren. Diese sage ich, werden hier zu ihrer Aufmunterung und Erbauung reiche Materie antrefen.

Hans hatte eine sehr schöne Abschrift von seines Vaters Testament, die mit grossen Buchstaben auf ein langes Pergament geschrieben war: Und weil er beschlossen hatte, ein recht gehorsamer Sohn zu seyn, so verliebte er sich in dieses Pergament [1] über alle massen. Denn obschon dieser väterliche Wille, wie ich öfters gemeldet, nichts anders als einige klare und deutliche Gebote enthielt, wie sie ihre Kleider tragen und halten sollten; samt angehängten Vermächnissen und Drohungen, je nachdem sie gehorsam oder ungehorsam seyn würden; so gerieth er doch auf den Einfall, die Sache wäre viel tiefer und dunkler, und es müßten deswegen nothwendig weit mehrere Geheimnisse darunter steken. [2] Ihr Herren, sagte er, Ich


  1. Es giebt viele so andächtige Personen, welche gegen die äusserliche Eigenschaften des Bibelbuchs sehr grosse Hochachtung tragen, wie die Mahometaner gegen ihren Alkoran.
  2. Es giebt gewisse Leute, welche nichts in der Bibel im buchstäblichen Verstand annehmen, sondern überall Geheimnisse suchen wollen. Andere wollen die Alchymie und den Stein der Weisen darinn finden, und Madame Dacier siehet dieses Buch als eine vollkommene Rhetorik an. Noch andere schlagen es
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Mährgen von der Tonne. [recte: Orell in Zürich], Hamburg und Leipzig 1758, Seite 237. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Maehrgen_von_der_Tonne-1758.djvu/254&oldid=- (Version vom 1.8.2018)