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als daß es weit mehrere Unkosten erfodert, ein freyes privilegiertes Mitglied von der Gesellschaft der ächten Critiker zu werden, als von irgend einer andern. Denn wie es, ein wahrer ausgemachter Bettler zu werden, einen reichen Candidaten zuvor noch den lezten Pfenning kostet, also muß es einem zuvor alle guten Eigenschaften seines Gemüths gekostet haben, ehe er ein wahrer Criticus werden kann. Ein Handel, daran in der That niemanden viel gelegen seyn dürfte, wenn die Sache, welche man dabey eintauschet von weniger Wichtigkeit wäre.

Nachdem ich also das Alterthum der Critic weitläuftig erwiesen, und ihre erste Reichsverfassung beschrieben habe, so will ich nun auch die gegenwärtige Beschaffenheit dieses Reiches untersuchen, und zeigen, wie genau dieselbe mit der alten Verfassung übereinkömmt.[1] Ein gewisser Scribent, dessen Werke schon vor vielen Jahrhunderten verloren gegangen, sagt in seinem fünften Buch im achten Capitel von den Criticis, daß ihre Schriften Spiegel der Gelehrsamkeit seyen. Dieses nehme ich im buchstäblichen Verstand, und glaube die Meinung unsers Verfassers müsse diese seyn, daß wer den Ruhm eines guten Scribenten davon tragen will, zuvor in die Bücher der Criticorum hineinschauen, und seine Erfindungen da als vor einem Spiegel verbessern müsse. Wenn man nun betrachtet, daß die Spiegel der Alten von Erz,


  1. Eine Art zu citiren, deren sich grosse Männer bedienet haben. Siehe Bentleys Dissert.
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Mährgen von der Tonne. [recte: Orell in Zürich], Hamburg und Leipzig 1758, Seite 121. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Maehrgen_von_der_Tonne-1758.djvu/136&oldid=- (Version vom 1.8.2018)