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den Criticis zu danken habe. Und daß er hiedurch niemand anders als die ächten Criticos verstehe, ist meines Erachtens klar genung, wenn man die folgende Beschreibung lieset, welche er von ihnen giebt.[1] Dieses, (sagt er) sind gewisse Menschen die Vergnügen daran finden, daß sie das überflüßige und die Excrescenzen der Bücher abbeissen. Und nachdem die Gelehrten solches endlich wahrgenommen, haben sie beschlossen künftig selbst die faulen, erstorbenen saftlosen, und auch die allzugeilen Zweige von ihren Werken abzuschneiden. Dieß alles nun versteket er sehr künstlich in die nachfolgende Allegorie: Die Nauplier in Argien (sagt er) haben die Kunst ihre Weinstöke zu beschneiden von den Eseln gelernet, indem sie bemerket daß wenn ein Esel einen Reben abgefressen, solcher hernach viel schöner getrieben, und auch viel bessere Früchte getragen hat.[WS 1] Herodotus[2] der sich eben dieses Gleichnisses bedienet, spricht von der Sache noch deutlicher und bey nahe ganz ausdrüklich. Er ist nemlich kühn genung, die ächten Criticos der Unwissenheit und Bosheit anzuklagen, indem er uns offenbar (denn meines Bedunkens konnte wol nichts klarers seyn,) erzehlet, daß es in den westlichen Gegenden Lybiens, Esel mit Hörnern gebe. Welches Ctesias[WS 2] noch mehr erläutert, wenn er von eben dergleichen Thieren in Indien folgende Nachricht giebt: An statt daß alle andern Esel gar keine Galle haben, so findet sie sich hingegen bey diesen gehörnten Eseln in solchem


  1. In dem - - - Buch.
  2. In dem 4. Buch.
  1. Pausanias Beschreibung von Hellas aus dem Griechischen übersetzt und mit Anmerkungen erläutert von Ernst Wiedasch. München 1838, II. Korinthiaka, 38, S. 345 Google
  2. Ktesias von Knidos griechischer Arzt und Geschichtsschreiber, der im späten 5. und frühen 4. Jahrhundert v. Chr. lebte.
Empfohlene Zitierweise:
Jonathan Swift, übersetzt von Johann Heinrich Waser: Mährgen von der Tonne. [recte: Orell in Zürich], Hamburg und Leipzig 1758, Seite 116. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Swift-Maehrgen_von_der_Tonne-1758.djvu/131&oldid=- (Version vom 1.8.2018)