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Philon: Ueber die Tugenden (De virtutibus) übersetzt von Leopold Cohn

leicht zur Ausschweifung zu verführen. 37 Fürchtet euch nicht vor den Ausdrücken „Unzucht“ und „Ehebruch“, wie wenn sie euch Schande eintragen würden, und stellet ihnen den aus der Tat entstehenden Nutzen entgegen: aus diesem Grunde wird sich eure vorübergehende Schande in unvergänglichen und nie endenden Ruhm verwandeln, weil ihr zwar eure Leiber anscheinend preisgebet — eine gegen Feinde klug ausgesonnene List —, eure Seelen aber jungfräulich rein bewahret, mit denen ihr auch für die Zukunft eure Keuschheit besiegeln werdet. 38 Und einen ganz neuen Ruhm wird dieser Krieg bringen, der durch Frauen und nicht durch Männer glücklich ausgefochten wird; denn unser Geschlecht würde, wir bekennen es offen, eine Niederlage erleiden, weil die Gegner mit allen Mitteln zum Kampf im Uebergewicht sind, euer Geschlecht dagegen wird einen vollständigen Sieg davontragen und, was das grösste Glück ist, Kampfpreise erringen, ohne Gefahren bestehen zu müssen; denn ohne Blutvergiessen, ja ohne jeden Kampf, werdet ihr beim ersten Erscheinen, sobald ihr nur gesehen werdet, Sieger sein“. 39 Als die Frauen, die für ein reines Leben nicht das geringste empfanden und eine rechte Erziehung nicht genossen hatten, dies hörten, stimmten sie zu; hatten [382 M.] sie doch ihren angeblichen Sinn für Keuschheit die übrige Zeit nur geheuchelt. In kostbaren Gewändern, mit Halsketten und allen anderen Dingen geschmückt, mit denen eine Frau sich zu putzen pflegt, und ihre natürliche Schönheit durch besondere Sorgfalt noch anziehender machend — der Kampfpreis war ja kein kleiner, handelte es sich doch um das Einfangen von jungen Männern, die nicht leicht zu fangen waren — gehen sie auf die Strasse hinaus. 40 Und als sie in der Nähe (des israelitischen Lagers) waren, verlocken sie durch buhlerische Blicke, durch Koseworte, durch unzüchtige Gebärden und Bewegungen den leichtsinnigen Teil der Jugend, die schwankenden und noch nicht gefestigten Charaktere. Und nachdem sie mit der Schande ihres Leibes die Herzen derer, die sich zu ihnen gesellten, geködert hatten, laden sie sie zu den verbotenen Schlacht- und Trankopfern ihrer Götzen und entfremden sie dem Dienste des einen und wirklich seienden Gottes. 41 Nachdem sie dies vollbracht, bringen sie ihren Männern die frohe

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Philon: Ueber die Tugenden (De virtutibus) übersetzt von Leopold Cohn. Breslau: H. & M. Marcus, 1910, Seite 329. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhilonVirtGermanCohn.djvu/017&oldid=- (Version vom 31.10.2017)