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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn

durch heiteres Wetter, durch Bewölkungen und durch ungewöhnliche gewaltige Stürme; sie füllen die Flüsse an und verringern sie, machen die Felder zu Sümpfen und trocknen sie wieder aus; sie bewirken die Veränderungen der Meere, Ebbe und Flut; bisweilen sind nämlich breite Meerbusen, wenn das Meer zur Zeit der Ebbe zurückweicht, plötzlich ein weitgestreckter Strand, und kurz darauf, wenn es wieder zurückströmt, ein tiefes Meer, das nicht nur von kleinen Booten, [28 M.] sondern auch von ungeheuren Lastschiffen befahren wird. Auch bringen die Planeten alles auf Erden, Tiere und fruchttragende Pflanzen, zum Wachstum und zur Reife, indem sie die Natur eines jeden Dinges befähigen, ihren Kreislauf zu vollenden, so dass Neues aus Altem erblüht und reift zu ausreichender Verpflegung derer, die sie nötig haben. [39.] 114 Der grosse Bär ferner, der, wie man sagt, der Begleiter der Seefahrer ist[1], besteht aus sieben Sternen. Auf ihn blickend durchschnitten die Schiffslenker auf vielen Wegen das Meer, indem sie sich an eine unsichere und für die menschliche Natur zu grosse Sache heranwagten; geleitet von den genannten Sternen entdeckten sie die vorher unbekannten Länder, Festlandsbewohner die Inseln und Inselbewohner die Festländer; durch den Himmel nämlich, den reinsten Teil der Schöpfung, sollten dem Lebewesen, das Gott am meisten liebt, dem Menschengeschlechte, die innersten Räume der Erde und des Meeres gezeigt werden. 115 Ausserdem besteht auch der Chor der Plejaden aus sieben Sternen, deren Auf- und Untergänge grosse Vorteile für alle herbeiführen; denn wenn sie untergehen, werden Ackerfurchen zur Aussaat gezogen, und wenn sie im Begriffe sind aufzugehen, kündigen sie die Getreideernte an, und nach ihrem Aufgange ermuntern sie die frohen Ackersleute zum Einsammeln der notwendigen Lebensmittel, und freudig bergen diese die Nahrungsmittel für den Bedarf eines jeden Tages. 116 Auch die Sonne, die grosse

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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloOpifGermanCohn.djvu/46&oldid=- (Version vom 9.9.2019)
  1. Nach den Sternen des grossen Bären richteten sich die griechischen Schiffer, weil diese Sterne nie untergehen. Der Inhalt der §§ 114–123 ist übernommen im Midrasch Tadsche (A. Epstein, Revue des ét. juives XXI, S. 88).