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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn

104 Noch nicht erwachsen, ein unmündig Kind, im ersten Jahrsiebent

Bringt es hervor und verliert wieder der Zähne Geheg'.

Aber lässt Gott es vollenden der Jahre noch weitere sieben,

Stellen allmählich sich ein Zeichen der werdenden Kraft.

Im Jahrsiebent dem dritten, da noch die Glieder sich dehnen,

Deckt sich das Kinn mit dem Flaum, wechselt die Farbe die Haut.

Im Jahrsiebent dem vierten erlangt wohl ein jeder die höchste

Stärke, die auch als Beweis männlicher Tüchtigkeit gilt.

Aber das fünfte gemahnet den Mann, dass er, reif zur Vermählung,

Sorge für Nachkommenschaft, Zukunft des Menschengeschlechts.

Und in dem sechsten reifet im Mann die ernste Gesinnung;

Würdevoll mag er nicht mehr treiben törichtes Spiel.

Vierzehn Jahre nun kommen, das siebent' und achte Jahrsiebent,

Wo den Gipfel erreicht Einsicht und Redegewalt.

Auch in dem neunten ist stark noch die Tatkraft des Mannes, doch sanfter

Wirket zu edlem Tun Weisheit und Redegewalt.

Doch wer das zehnte vollendet und so bis ans Ziel hin gelanget,

Der ist nicht mehr zu jung, wenn ihn der Tod überfällt.

[36.] 105 Solon zählt also im Menschenleben die genannten zehn Jahrwochen. Dagegen sagt der Arzt Hippokrates, es gebe [26 M.] sieben Lebensalter, das Alter des Kindes, des Knaben, des Jünglings, des jungen Mannes, des (reifen) Mannes, des alten Mannes, des Greises, und diese werden ebenfalls nach Jahrwochen gemessen, die aber nicht der Reihe nach gleichmässig verlaufen. Seine Worte lauten folgendermassen: „Im Leben des Menschen gibt es sieben Zeitabschnitte, die man Lebensalter nennt: das Kind, der Knabe, der Jüngling, der junge Mann, der Mann, der Alte, der Greis. Ein Kind ist er bis zu 7 Jahren, bis zum Ausfall der ersten Zähne, ein Knabe bis zum Eintritt der Mannbarkeit, bis zu 2×7 Jahren, ein Jüngling bis zum Wachsen des Bartes, bis zu 3×7, ein junger Mann, bis der ganze Körper ausgewachsen ist, bis zu 4×7, ein Mann bis zu 49 Jahren, bis zu 7×7, ein Alter bis zu 56, bis zu 7×8 Jahren, von da an ein Greis.“

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloOpifGermanCohn.djvu/43&oldid=- (Version vom 9.9.2019)