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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn

sie das von Natur gerade und aufrecht stehende Prinzip in den Dingen dar. Inwiefern dies der Fall ist, muss deutlicher gezeigt werden. Das rechtwinklige Dreieck, das ja der Anfang aller Qualitäten ist, besteht aus den Zahlen 3, 4 und 5; die 3 und 4, die zusammen das Wesen der Siebenzahl ausmachen, bilden den rechten Winkel; denn der stumpfe und spitze Winkel zeigen das Unregelmässige, Ungeordnete und Ungleiche, da (von 2 stumpfen oder spitzen) einer stumpfer oder spitzer als der andere sein kann, während der rechte Winkel keine Vergleichung zulässt und einer nicht rechtwinkliger als der andere sein kann, sondern immer derselbe bleibt und niemals seine Natur ändert. Da nun das rechtwinklige Dreieck die erste der mathematischen Figuren und Qualitäten ist und das Wesen der Siebenzahl, die Summe aus 3+4, das Notwendigste vom Dreieck, den rechten Winkel, darstellt, so muss sie natürlich als die Quelle jeder Figur und jeder Qualität betrachtet werden. 98 Zu dem Gesagten muss noch hinzugefügt werden, dass die Drei die Zahl der ebenen Figur ist – da der mathematische Punkt durch 1, die Linie durch 2 und die Fläche durch 3 bestimmt wird – und die Vier die Zahl des mathematischen Körpers, der durch Hinzufügung der Eins entsteht, indem die Höhe zu der Fläche hinzukommt. Hieraus geht klar hervor, dass das Wesen der Siebenzahl das Prinzip der Geometrie und Stereometrie ist und kurz gesagt das Prinzip der unkörperlichen und der körperlichen Dinge.

[33.] 99 So viele herrliche Vorzüge sind in der Siebenzahl enthalten, dass sie im Vergleich zu allen andern Zahlen innerhalb der Dekade , eine besondere Stellung einnimmt. Denn unter jenen Zahlen sind einige, die hervorbringen und nicht hervorgebracht werden, andere wieder, die hervorgebracht werden und nicht hervorbringen, endlich solche, die sowohl hervorbringen als auch hervorgebracht werden. Die Sieben allein sieht man in keiner dieser Gruppen. Diese Behauptung muss näher begründet werden. Die Eins bringt der Reihe nach alle Zahlen hervor, wird aber von keiner andern hervorgebracht. Die Acht wird durch 2×4 hervorgebracht, bringt aber selbst keine andere Zahl in der (ersten) Dekade hervor; die Vier andererseits gehört sowohl zu der Abteilung der Eltern als der

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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 62. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloOpifGermanCohn.djvu/40&oldid=- (Version vom 9.9.2019)