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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn

und Erdbeben und sehr viele andere ungewöhnliche Dinge vorhergesagt, so dass sehr richtig gesagt ist, die Gestirne seien „zu Zeichen“ geschaffen (1 Mos. 1,14). Ferner heisst es da: „zu bestimmten Zeiten“; damit meint er die Jahreszeiten, und wohl mit Recht; denn der Ausdruck καιρός (bestimmte oder günstige Zeit) bedeutet doch nichts anderes als die Zeit der glücklichen Ausführung. Die Jahreszeiten aber führen alles glücklich durch und bringen es zur Vollendung, das Aussäen und Pflanzen der Früchte, das Entstehen und Wachsen der Lebewesen. 60 Sie sind aber auch „zu Massbestimmungen der Zeit“ geschaffen; denn durch die festgesetzten Kreisbewegungen der Sonne, des Mondes und der anderen Gestirne entstehen die Tage und die Monate und die Jahre. Zugleich ist damit auch das Nützlichste, der Begriff der Zahl, in die Erscheinung getreten, indem die Zeit ihn offenbarte; denn aus einem Tag ergab sich die Zahl 1, aus zwei Tagen die 2, aus drei Tagen die 3, aus einem Monat die 30, aus einem Jahre die Zahl, die den Tagen der 12 Monate gleichkommt, und aus der unendlichen Zeit die unendliche Zahl. 61 Auf so viele und und so notwendige nutzbringende Dinge erstrecken sich die Wirkungen der Himmelskörper und die Bewegungen der Gestirne; aber auch noch auf viele andere Dinge, könnte ich sagen, die uns zwar unklar sind – denn nicht alles ist dem Menschengeschlecht bekannt –, die aber zur Erhaltung des Weltganzen beitragen und nach den Regeln und Gesetzen, die Gott als unverrückbare Grenzsteine im All errichtet hat, überall und auf alle Weise zustande kommen.

[20.] 62 Nachdem aber Erde und Himmel mit den passenden Schmuckgegenständen ausgestattet waren, jene am dritten und dieser, wie gesagt, am vierten Tage, begann er die Arten sterblicher Wesen zu erschaffen, indem er am fünften Tage den Anfang [14 M.] mit den Wassertieren machte, in der Ueberzeugung, dass kein Ding mit einem andern so verwandt ist wie die Fünfzahl mit den Lebewesen. Denn die beseelten Wesen unterscheiden sich von den unbeseelten durch nichts so sehr wie durch die sinnliche Wahrnehmung; diese aber ist fünffach geteilt: in Gesicht-, Gehör-, Geschmack-, Geruch- und Tastsinn. Einem jeden nun teilte der Schöpfer besondere Stoffe und ein eigenes Urteilsvermögen

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Philon: Ueber die Weltschöpfung (De opificio mundi) übersetzt von Joseph Cohn. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloOpifGermanCohn.djvu/25&oldid=- (Version vom 9.9.2019)