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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

mit Hebräern, die dem Geschlecht ihrer Väter zugeteilt waren, ferner solche, die aus Bewunderung für das gottgefällige Leben der Männer (d. h. der Hebräer) sich ihnen angeschlossen hatten, und manche auch, die durch die Grösse und Menge der rasch aufeinander folgenden Strafen gewarnt sich bekehrt hatten. 148 Zum Anführer für alle diese wurde Moses auserkoren, der die Herrschaft und Königswürde nicht wie manche von denen, die sich zur Regierung drängen, durch Waffen und Listen gewann und durch Heeresmannschaften zu Pferde, zu Fuss und auf Schiffen, sondern wegen seiner Tugend, seines Edelsinns und seines steten Wohlwollens gegen jedermann, und ausserdem weil Gott, der Tugend und Edelsinn liebt, ihm die wohl verdiente Ehre beschieden hatte. 149 Denn da er die Herrschaft Aegyptens, obwohl er Tochtersohn des damaligen Königs war, wegen der im Lande verübten Gewalttaten aufgab und aus Seelenadel, Hochsinn und angeborenem Hass gegen das Böse auf die Hoffnungen verzichtete, zu denen ihn die Stellung seiner Pflegeeltern berechtigte, beschloss der Herr und Sorger des Alls, ihm als Entgelt die Herrschaft über ein zahlreicheres und edleres Volk zu übertragen, das vor allen andern bevorzugt zum Priesterdienste bestimmt war, das für das Menschengeschlecht stets Gebete verrichten sollte, sowohl für die Abwendung von Uebeln als auch für den Genuss des Guten[1]. 150 Und als er die Herrschaft übernahm, war er nicht wie manche darauf bedacht, sein eigenes Haus zu fördern und seine Söhne – er hatte deren zwei – zu grosser Macht zu bringen, um sie in der Gegenwart zu seinen Mitherrschern und für später zu seinen Nachfolgern zu machen. Denn ohne Falsch und reinen Sinnes [p. 105 M.] in allem, im Kleinen wie im Grossen, überwand er die natürliche Liebe zu den Kindern wie ein guter Richter durch Unbestechlichkeit im Urteil. 151 Nur ein einziges unverrückbares Ziel hatte er sich gesteckt, den Beherrschten zu nützen und zu ihrem Nutzen alles in Wort und Tat zu unternehmen, ohne eine Gelegenheit vorübergehen zu lassen,


  1. Den Beruf Israels als eines Priestervolkes zum Heile der ganzen Menschheit betont Philo öfter.
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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/042&oldid=- (Version vom 1.8.2018)