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Schätze für den Himmel und erduldeten Trübsale um des unvergänglichen Erbes willen“[1]

§. 9. Die Tugend der Mäßigkeit, die ich empfehle und vertheidige, ist aber nicht allein in religiöser, sondern auch in politischer Hinsicht nützlich; da es immer einer jeden guten Regierung großen Vortheil gewährt, wenn sie die Ausschweifungen der Unterthanen einschränkt und unterdrückt. Das üppige Leben erzeugt Weichlichkeit, Trägheit, Armuth und Elend; aber die Mäßigkeit beugt solchen Uebeln vor und erhält das Land im Wohlstande.[2] Sie bewahret vor ausländischen Thorheiten und Ueberflüssigkeiten, und befördert die Verbesserung unserer eigenen Erzeugnisse, wodurch wir, statt Andern schuldig zu seyn, sie zu unsern Schuldnern machen können. Durch Ausübung dieser Tugend können Leute, die durch Ausschweifung, nicht durch Wohlthätigkeit, ihre Güter in tiefe Schulden gestürzt haben, in kurzer Zeit von diesen Schulden wieder frei werden, die sonst, wie fressende Motten, die größten Besitzungen verzehren. Die Mäßigkeit hilft Unbemittelten ihr geringes Vermögen vermehren, indem sie ihnen nicht erlaubt, ihren mühsam erworbenen Verdienst mit Putz und Kleiderpracht, thörichten Maifesten oder Fastnachtsbelustigungen, Spielen, Tanzen und Schauspielen, mit Schwelgen in Schenken und Wirthshäusern und andern Ausbrüchen der Unmäßigkeit durchzubringen, welche Thorheiten besonders in unserm Vaterlande (England) so sehr überhand genommen haben, daß es dadurch


  1. 2 Petr. 2, 12. Sprichw. 31, 23–31. Jak. 2, 2–9. 2 Petr. 3, 11. Psalm 26, 6. Luk. 12, 22–30. Matth. 25, 21.
  2. Sprichw. 10, 4. Pred. Sal. 10, 16–18.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 358. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/366&oldid=3378598 (Version vom 1.8.2018)