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Möchten sie doch einsehen, daß unter allen listigen Kunstgriffen des Feindes ihrer wahren Glückseligkeit keiner für ihre unsterblichen Seelen so gefährlich ist, als dieser, daß er ihre Sinne und Gedanken unaufhörlich mit den thörichten Moden und üppigen Vergnügungen der eitlen Welt beschäftigt! Grobe, in die Augen fallende Laster, erregen gewöhnlich bei Denen, die eine gute Erziehung genossen haben, und welche auf einen guten Ruf etwas halten, den größten Abscheu. Daher greift der schlaue Feind, da er wohl einsiehet, daß er mit seinen Versuchungen zu denselben bei Vielen nichts ausrichten kann, zu feinern und verfänglichern Mitteln, indem er die Gemüther der Menschen zu Zerstreuungen und Erhohlungen verleitet, die beim ersten Anblicke nicht so schädlich erscheinen, weil sie weniger mit Schande verbunden sind, und indem sie erlaubte Vergnügungen versprechen, auch stärker anziehen und desto sicherer zu seinem Zwecke führen, der kein anderer ist, als die Menschen durch immerwährede Beschäftigung mit sinnlichen Gegenständen von einem ernsten Forschen und Trachten nach Dem, was zu ihrem ewigen Frieden dienet, abzuhalten.[1] Auf solche Weise sucht der arge Feind die Menschen in Ansehung der himmlischen Dinge in beständiger Unwissenheit zu erhalten, damit sie das ewige Leben nicht kennen lernen, und folglich auch nicht darnach ringen, sondern sich mit den Beobachtungen leerer, von Menschen erfundenen und vorgeschriebenen Religionsgebräuchen begnügen, wobei sie ihren gewöhnlichen Vergnügungen ungestört nachgehen können, indem ihre Religion und ihr Lebenswandel größtentheils mit einander übereinstimmen. Daher wissen sie denn auch nicht,


  1. Eph. 6, 12–19.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 345. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/353&oldid=3378585 (Version vom 1.8.2018)