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haben, daß sie nicht Liebe, Zeit und Geld genug darauf verwenden zu können glauben.

§. 4. Auf diese Weise sind ihre Gemüther unaufhörlich beschäftigt; und dabei sind sie so sehr von sich selbst eingenommen, oder vielmehr so verfinstert in ihrem Verstande, daß sie nicht allein alle jene eitlen Thorheiten für ganz unschuldig halten, sondern sich auch einbilden, sie könnten bei dem Gebrauche derselben nichtsdestoweniger gute Christen seyn. Ihnen Vorwürfe darüber zu machen, würde die ärgste Ketzerei seyn. So entfernt sind sie von dem innern göttlichen Leben; – da ihre immerwährenden Zerstreuungen ihnen keine ernste Selbstprüfung erlauben, – daß sie bei ihrem Gottesdienste sich damit begnügen, mit einem erzwungenen Eifer eine halbe Stunde lang die Worte eines Andern herzusagen, womit sie auch weiter keinen Sinn verbinden. Denn das, was sie sagen, hat so wenig Beziehung auf ihren eigenen Zustand, oder sie haben, – wie ihre Handlungen beweisen, – eben so wenig die Absicht, darnach zu thun, als jener Jüngling im Evangelio, welcher sagte, „er wolle gehen, und doch nicht ging.“ – Aber ach! warum thun sie es nicht? – Sie sind mit andern Gästen beschäftigt. Und wer sind diese? Pharamund, Cleopatra, Cassandra, Clelia, ein Schauspiel, ein Ball, ein Lustgarten, ein Park, ein Verehrer, die Börse, mit einem Worte, die Welt. Diese hält sie ab, diese erwartet, ruft, sucht, quält sie; und da müssen sie ihr ja Gehör geben, und können sich unmöglich ihrer Gesellschaft entziehen. So werden ihre Herzen gefangen genommen und von der Betrachtung göttlicher Dinge, ja, oft selbst von der Wahrnehmung solcher äußern

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 327. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/335&oldid=3378567 (Version vom 1.8.2018)