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Lebens erwecket sind. Dieses ist noch Denen ein Geheimniß, deren Lebensgenuß und höchstes Vergnügen in ausgesuchten prächtigen Kleidern; in Schmuck und Putz; in Erfindungen und Nachahmungen neuer Moden, gezierten Stellungen, Biegungen, Haltungen und Bewegungen des Körpers und der lüsternen Blicke und der Wendungen der Augen; in Romanlesen, Besuchen, Spielen, Lustpartien, Schauspielen, Bällen, Festen, Gastmählern und andern so genannten Erhohlungen bestehet. Denn, da alle dergleichen Dinge nie erstanden seyn würden, wenn der Mensch seinen Schöpfer nicht verlassen und sein Gemüth nur mit den edlen Zwecken seiner Erschaffung beschäftigt hätte; so leuchtet es klar ein, daß Diejenigen, welche solchen Eitelkeiten ergeben sind, die höheren himmlischen Freuden, den Genuß des göttlichen Friedens und der wahren Ruhe der Seele, noch nicht kennen, weil eben diese Dinge sie von der stillen Einkehr in ihr Inneres und vom ernsten Trachten nach ewigen Gütern beständig abhalten. Ach! mit was für Mühe, Anstrengung und Unruhe, mit welchem Erfindungsgeiste und Kunstfleiße, und mit wie vielem Zeit- und Kostenaufwande ist der Mensch so beständig bestrebt, für die vorübergehenden Genüsse seiner Sinne zu sorgen, und wie wenig ziehet er seine unsterbliche Seele, das Bild der Gottheit, in Betrachtung! Gewiß, es bedarf keiner stärkern Beweise, keiner deutlichern Merkmale, um die Menschen zu überführen, daß es nur der sinnliche Leib, ein mit Fleisch und Haut überzogenes Knochengerippe ist, wofür sie so viel Tand und Flitterstaat anschaffen; und daß es die nichtigsten Thorheiten und Eitelkeiten sind, die ihre Gemüther so sehr eingenommen

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 326. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/334&oldid=3378566 (Version vom 1.8.2018)