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Und darin hat man es so weit getrieben, daß in der That die Kleidung, die einst bloß zur Bedeckung der Blöße eingeführt ward, jetzt wohl noch einer Bedeckung bedürfte, um ihre schamlose Pracht zu verhüllen, indem der Mensch Das, was ihn an den Verlust seiner Unschuld erinnern sollte, als ein Mittel zur Befriedigung seines Stolzes und seiner Prachtliebe gebraucht. Gewiß schon der hundertste Theil der Dinge, welche jetzt das angenehmste Vergnügen der Menschen ausmachen, ja, in unsern Tagen durchaus zum guten Tone gehören, würden unsern ersten Eltern den Verlust des Paradieses gekostet haben. Denn so wie Adams Uebertretung darin bestand, daß er einen andern Genuß suchte, als Gott ihm angewiesen hatte, so ist es auch der Fehler der jetzt lebenden Menschen, daß sie unerlaubten Vergnügungen nachgehen und den größten Theil ihrer Zeit mit eitlen Dingen zubringen, die so weit entfernt sind, dem Zwecke ihres Daseyns, einem Gott wohlgefälligen Leben, zu entsprechen, daß sie vielmehr sehr nachtheilig und zerstörend auf dasselbe wirken.

§. 3. Wären die Freuden der Menschen unserer Zeit ächter und wahrer Art, so würden Adam und Eva in dem Stande ihrer Unschuld nicht glücklich gewesen seyn; da sie dieselben nicht kannten. Allein es machte vielmehr einen großen Theil ihrer Glückseligkeit aus, sie nicht zu kennen; und eben so bestehet auch ein hoher Grad der Seligkeit Derer, die Christum wirklich kennen, darin, daß sie durch seine ewige Kraft von jenen Thorheiten erlöset und zur Liebe eines unvergänglichen

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 325. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/333&oldid=3378565 (Version vom 1.8.2018)