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unserer Seligkeit nahm,[1] oder einen andern Kelch trinken, als er trank. O! nein! denn als die beiden Söhne des Zebedäus, Jakobus und Johannes, zu seiner Rechten und Linken in seinem Reiche zu sitzen verlangten, legte er ihnen die Frage vor: „Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch mit der Taufe taufen lassen, womit ich getauft werde?“[2] Auf andere Weise kann Niemand ein Jünger Jesu oder ein wahrer Christ seyn. Wer also zu Christo kommen und ein wirklicher Christ werden will, der muß freiwillig allen Vergnügungen entsagen, die seine Gemüthsneigungen gefangen nehmen und dem Einflusse des göttlichen Geistes entziehen können; ja, er muß jeder geliebten Eitelkeit, – und alles Vergängliche unter der Sonne ist eitel, wenn es mit dem Ewigen und Unvergänglichen verglichen wird, – auf immer den Abschied geben.

§. 4. Es giebt jedoch Menschen, welche für die Befriedigung ihrer verderbten Neigungen sogar einen Grund in der Schrift finden wollen, wiewohl sie dieselbe offenbar unrichtig anwenden, wenn sie den Einwurf machen: das Reich Gottes bestehe nicht in Essen und Trinken oder Kleidern, etc. Ich antworte ihnen: Ihr habt darin ganz recht; und eben deswegen haben wir auch das Ueberflüssige in diesen Dingen abgeschafft. Aber gewiß hat Niemand weniger ein Recht, uns diese Einwendung zu machen, als ihr, die ihr ja solche Dinge für so unentbehrlich haltet, daß ihr uns deswegen nur um so mehr euren Tadel empfinden lasset, weil wir uns euch hierin nicht gieichstellen wollen. In wie fern ihr nun aber


  1. Ebr. 2, 10.
  2. Matth. 20, 22.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 317. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/325&oldid=3378557 (Version vom 1.8.2018)