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nicht kennen, die, ebensowohl als die Kleiderpracht, aus der Sünde entsprungen sind. Denn, als Adam und Eva gesündigt hatten, fürchteten sie die Gegenwart des Herrn, die in ihrer Unschuld sie erfreuete; und nun ließen sie ihre Gemüther auf andere Gegenstände ausschweifen, suchten andere Vergnügungen, und fingen an, Gott, ihren Schöpfer, zu vergessen. Daher klagte Gott hernach durch den Propheten Amos: „Sie achten sich weit vom bösen Tage; sie essen die Lämmer aus der Heerde; trinken Wein aus Schalen; salben sich mit Balsam; schlafen auf elfenbeinernen Lagern; spielen auf dem Psalter; erdichten sich Lieder, wie David, und bekümmern sich nicht um den Schaden Josephs.“[1] Sie verkauften Joseph auf eine gottlose Weise, verbanneten die Unschuld gänzlich, und gewöhnten sich bald an die Schande so sehr, daß sie über die Nachahmung schändlicher Handlungen gar nicht mehr errötheten. Und jetzt schämen sich Menschen, die wahrlich eben so sehr, sich der ursprünglichen Unschuld und bescheidenen Einfachheit wieder zu nähern, als Adam sich schämte, da er diese Tugenden verloren hatte, und deswegen, – wiewohl vergeblich, – seine Zuflucht zu einer Bedeckung von Feigenblättern nahm. Eben so vergeblich suchen jetzt die Menschen mit scheinbaren Ansprüchen auf Religion sich zu bedecken, und ihren armen Seelen durch Zueignung der schönen Benennungen: christlich, unschuldig, gütig, tugendhaft, u. s. w. zu schmeicheln, während doch Eitelkeit und Thorheit die Herrschaft über sie haben.

Darum fühle ich mich von dem ewigen Gott verpflichtet, allen Solchen zu sagen: Ihr verspottet Ihn,


  1. Amos 6, 3. 4. 5. 6.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 280. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/288&oldid=3378520 (Version vom 1.8.2018)