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die in ihrer Schande sich brüsten und auf ihren Fall stolz thun? Dieses thun unstreitig aber Alle, die Mühe und Kosten anwenden, ihre Kleidung, das wahre Kennzeichen jenes beklagenswerthen Falles, zu schmücken und herauszuputzen. Und ist es also wohl bei Denen, die sich Christen nennen, zu entschuldigen, wenn sie eine so große Vorliebe zu prächtigen Kleidern hegen, daß sie die erste und vornehmste Bekleidung des Menschen, das Kleid der Unschuld, darüber vernachlässigen? Beweiset es nicht die größte Thorheit der Menschen, wenn sie so viel Zeit, Mühe und Geld anwenden, um ihre Schande recht zur Schau zu stellen? Heißt dieses nicht Vergnügen an den Folgen einer Sache finden, deren Entstehung man bejammern sollte? Ja! wenn ein Verbrecher verurtheilt wäre, lebenslänglich in Ketten zu gehen, würde es wohl seine Schande vermindern, wenn seine Ketten von Gold gemacht und sehr künstlich gearbeitet wären? Gewiß, dieser Umstand würde die Folgen seines Verbrechens nur noch auffallender machen und seine Schande vermehren. Dieses ist nun aber gerade der Fall mit den Sklaven der eitlen Moden unsers Zeitalters, die dessenungeachtet Christen, Beurtheiler religiöser Gegenstände, fromme Leute, und wer weiß was noch mehr, seyn wollen. O! des bejammernswerthen Zustandes, der Menschen, welche die Augenlust, die Fleischeslust und das hoffärtige Leben so sehr verblendet hat, daß sie sich mit Dingen zieren und schmücken, die ihren Fall beweisen, und sogar erfinderisch und verschwenderisch in diesen Dingen sind, die ihnen doch eigentlich zur Demüthigung dienen sollten! Ihre große Anhänglichkeit an diese Eitelkeiten zeigt offenbar, wie weit sie von der ersten Unschuld

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 278. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/286&oldid=3378518 (Version vom 1.8.2018)