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deren ganze Sorge nur dahin gehet, wie sie ihren Gaumen ergötzen und ihren Bauch füllen, was sie essen und trinken wollen. Diese sind nicht selten verlegen, was für eine Speise sie für die nächste Mahlzeit anordnen sollen; und Einige halten sich daher einen eigenen Speisemeister, um neue Gerichte für den Koch zu erfinden, der sie so künstlich würzen, verändern und zubereiten muß, daß Auge und Geschmack getäuscht werden, und man sie für etwas ganz Neues und Sonderbares hält, bloß um die Eßlust zu reitzen oder Bewunderung zu erregen. Der Schwelger fordert in der That eine große Verschiedenheit seltener und köstlicher Gerichte, wobei nicht selten die Brühe weit höher als die Speise selbst zu stehen kommt; denn er ist beständig so voll und satt, daß er ohne Anwendung solcher künstlichen Reitzmittel gar keinen Appetit haben würde. Dieses heißt aber: den Hunger erzwingen, nicht: ihn befriedigen. Und so, wie der Ueppige ißt, so trinkt er auch; selten aus Durst; bloß zum Vergnügen und dem Gaumen zu Gefallen. Darum muß er auch eine Verschiedenheit von Getränken haben, die er alle kosten muß. Eine Sorte, wäre sie auch noch so gut, würde ihm bald unschmackhaft und widerlich werden. Die Abwechselung muß ihm die Getränke behaglich machen; und daher ist die ganze Welt kaum im Stande, seinen Keller mit kostbaren Getränken anzufüllen. Wäre er dabei noch mäßig im Genusse, so könnte man seine Abwechselung eher der Neugier als der üppigen Schwelgerei zuschreiben. Allein was der Mäßige als Herzstärkung genießt, trinkt er mit vollen Zügen, bis er, durch Uebermaß erhitzt, zu Thorheiten schreitet, und, wo nicht Andern, doch immer

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 273. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/281&oldid=3378513 (Version vom 1.8.2018)