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von Dichtern durch Satyren, Fabeln, Allegorien und witzige Anspielungen in ein so verhaßtes Licht gestellt und von allen Seiten so scharf getadelt worden wäre, als der Geitz. Doch erinnere ich mich keiner feinern Bestrafung desselben, als der des Ovids in folgender Zeile:

– – – – – – – – Multa
Luxuriae desunt, omnia avaritiae.


Dem Luxus mangelt Vieles; dem Geitze aber Alles.

Diesem Ausspruche möchte ich noch ein paar Worte beifügen, und ihn so geben:

Der Armuth mangelt Manches; der Ueppigkeit sehr Viel;
Allein des Geitzes Mangel ist ohne Maß und Ziel.

Auch sagt Jemand von einem tugendhaften und weisen Manne: Indem er Nichts besitzt, hat er Alles. Dieser ist also der wahre Gegenfüßler des Geitzigen, der, indem er Alles hat, doch Nichts besitzt. Und o! wer kann wohl elender seyn, als Derjenige, der, im Ueberflusse schmachtend, des Himmels Segen sich selbst zum Fluche macht? Fühlt nicht der arme genügsame Bettler beim Genusse einer geringen Gabe sich glücklicher, als der unersättliche Reiche, der bei allen seinen Schätzen doch unaussprechlich arm und elend ist? –

Es wundert mich, daß man noch kein Gesetz gegen den Geitz gemacht hat. Doch was sag’ ich? gegen ihn? – Für ihn, zu seinen Gunsten, wollt’ ich sagen. Denn da man für alle Arten Wahnsinnige öffentliche Vorsorge trägt, so würde es unstreitig auch sehr angemessen seyn, wenn der König einige Personen ernennete, die das

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 268. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/276&oldid=3378508 (Version vom 1.8.2018)