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haßt alle nützliche Künste und Wissenschaften als überflüssige Dinge, aus Furcht, daß die Erlernung derselben ihm etwas kosten möchte. Daher ist sein Herz eben so sehr als sein Geldbeutel gegen Erfindsamkeit und Kunstfleiß verschlossen. Er läßt Häuser einstürzen, um nur nicht die Ausgaben für Reparaturen zu haben. Und was seine schmale Kost, seine abgetragenen Kleider und seine schlechten Möbeln betrifft, so rechnet er sich diese Stücke zur Mäßigkeit an. O! was für ein Ungeheuer ist ein solcher Mensch, der aus Liebe zum Gelde, aber nicht aus Liebe zu Christo, das Kreuz gegen sich selbst aufnehmen kann.

§. 15. Doch macht er auf seine Weise auch Anspruch auf Religion; denn er klagt unaufhörlich über die Verschwendung der Menschen, um seinen Geitz dadurch zu bemänteln. Siehet er Jemand eine kostbare Salbe auf das Haupt einen guten Menschen ausgießen, so ist er gleich bereit, an die Dürftigkeit der Armen zu erinnern, um seine Sparsamkeit zu zeigen und gerecht zu scheinen. Kommen die Armen aber zu ihm, so weiß er seinen Mangel an Mildthätigkeit damit zu bedecken, daß er entweder die Gegenstände des Mitleids für unwürdig erklärt, oder auf die Ursachen ihrer Armuth anspielt, oder vorschützt, er könne sein Geld auf Solche, die es besser verdienten, und zu weit edlern Zwecken verwenden. – Er, der nur äußerst selten seine Börse öffnet, damit er nichts daraus verliere.

§. 16. Ein solcher Mensch ist elender als der Allerärmste; denn er lebt in beständiger Furcht, das zu verlieren, was ihm doch keinen Genuß gewährt, wohingegen

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 258. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/266&oldid=3378498 (Version vom 1.8.2018)